505.862,40 Euro für Flurbereinigung Rempertshofen
Kißlegg – Freitagnachmittag, 23. Januar kurz nach 16.00 Uhr im Neuen Schloss Kißlegg. Ministerialdirektorin Isabel Kling vom Ministerium für den ländlichen Raum Baden-Württemberg übergibt Bürgermeister Dieter Krattenmacher ein Schriftstück. Es dürfte nicht allein den Gemeindechef freuen. Der Schriftzug auf diesem Papier bestätigt Kißlegg einen Landeszuschuss von 505.862,40 Euro für die Flurbereinigung Rempertshofen.
„Der Teilnehmergemeinschaft der Flurbereinigung Kißlegg-Rempersthofen wird zu den zuwendungsfähigen Ausführungskosten ein Zuschuss in Höhe von 505.862,40 € bewilligt. Insgesamt wird das Flurbereinigungsverfahren mit 515.463,40 E gefördert. Die Rahmenbedingungen sind im Scheiben vom 18.12.2025 geregelt. Stuttgart, den 18.12.2025 Dieter Ziesel Präsident.” – So steht es auf der Urkunde des Baden-Württembergischen Landesamtes für Geoinformation und Landentwicklung, die Bürgermeister Krattenmacher an jenem Freitagnachmittag von Ministerialdirektorin Kling übernommen hat. Die Ministerialdirektorin lobt, was in Kißlegg für die Flurbereinigung Repertshofen während der vergangenen zehn Jahre geleistet wurde: „Das ist vorbildlich.”
Was bringt solch eine Flurbereinigung? Dazu Nadine Schwarz, Pressesprecherin der Gemeindeverwaltung Kißlegg: „Mit diesem Flurbereinigungsverfahren kann nicht nur die seit rund 30 Jahren verfolgte Renaturierung der Gründlenniederung als überregional bedeutendes Moorgebiet zu einem vorläufigen Ende gebracht, sondern auch ein seit Jahrzehnen gewünschter Radweg entlang der L330 (Straße nach Rötenbach; Anm. d. DBSZ-Red.) verwirklicht und die Strukturen für Landwirtschaft, Naturschutz und Verkehr verbessert werden.”
„Kombinationsweg” geplant
Wolfgang Engelhardt, der vor Ort das Verfahren kräftig unterstützt hat, erwähnt bei diesen Vorzügen bessere Fahrrouten – vor allem den angestrebten „Kombinationsweg”. Also eine (Fahr-)Verbindung für landwirtschaftliche Zugmaschinen und Fahrradbegeisterte auf ihren Sätteln. Jetzt hoffe er, dass der Landkreis Ravensburg die neue Verbindung bald baue, ergänzt Bürgermeister Krattenmacher.
Warum hat das Ganze bisher so lange gedauert? Zum einen seien durch Corona die Bemühungen um ein bis zwei Jahre verzögert worden, erklärt Engelhardt. Zum anderen funktioniere das Ganze nur, wenn alle, deren Grundstücke davon irgendwie betroffen seien, sich letztlich auch dafür aussprächen, erläutert Bürgermeister Krattenmacher.
Und wenn die Ministerialdirektorin, die im Raum Altshausen aufgewachsen ist, schon mal Kißlegg beehrt, schildert und zeigt Rathauschef Krattenmacher ihr noch einige Einzelheiten zum Schloss Kißlegg. Etwa den geschichtlichen Bericht vom örtlichen Kriegsende (II. Weltkrieg, 1939-1945) im Neuen Schloss. Damals habe Stuttgarts Gauleiter Wilhelm Murr in dem Herrschaftssitz gehaust – und von dort aus befohlen, das Munitionslager nahe Leutkirchs (Muna) sprengen zu lassen. (Der Kommandant dort zögerte diesen Auftrag so lange hinaus, bis französische Truppen den gefährlichen Platz befreiten.) Kißlegg selbst sei damals vor Fliegerangriffen verschont geblieben. Einige Schritte weiter im Neuen Schloss zeigt Krattenmacher den Kreißsaal des einstigen Krankenhauses dort. Heute genutzt als Trauzimmer – mit beeindruckendem Kronleuchter.

Das Trauzimmer der Gemeinde Kißlegg im Neuen Schloss. Anlässlich des Besuches aus Stuttgart machte Bürgermeister Krattenmacher noch eine kleine Führung durch das Neue Schloss, einst eine Residenz der Herrschaft Waldburg-Wurzach, später auch als Krankenhaus genutzt und heutzutage eine Bürgerschloss mit vielerlei kommunalen und kulturellen Funktionen. Foto: Julian Aicher

Der beeindruckende Kronleuchter im Trauzimmer, das einst der Kreißsaal zu Zeiten der Nutzung des Schlosses als Krankenhaus gewesen ist. Foto: Julian Aicher
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