Podiumsgespräch über Energie und Umwelt
Leutkirch – Am 13. Februar fand im Bock-Saal in Leutkirch eine energiepolitische Podiumsdiskussion mit Landtagskandidaten statt. Eingeladen hatte das Energiebündnis Leutkirch. Nachstehend der Bericht von Seiten des Energiebündnisses:
Vor fast voll besetztem Bock-Saal schildern die Landtagskandidatinnen und -kandidaten Raimund Haser MdL (CDU), Petra Krebs MdL (Bündnis 90/ Die Grünen), Rosa Hübner (SPD), Daniel Derscheid (FDP) und Sophie Heiß (Die Linken) ihre energie- und umweltpolitischen Vorstellungen. Ein Mitglied der AfD war nicht vertreten – trotz mehrfacher Einladung durch das Energiebündnis Leutkirch, das Regionale Energieforum Isny e.V. (REFI) und den Naturschutzbund (NABU) Leutkirch.
„Für mich ist das was Begeisterndes”, sagt Raimund Haser. Der in Leutkirch aufgewachsene CDU-Landtagsabgeordnete benennt damit alles, was mit Energie und Energietechnik zu tun hat. Deshalb sei die Energiewende „auch eine Technikfrage”.
„Erneuerbare Energien sind der Garant für Sicherheit”, erklärt die grüne Wangener Landtagsabgeordnete Petra Krebs. Und ergänzt: „Für mich ist Klimaschutz Gesundheitsschutz.” Dann greift Krebs gleich den wohl wenige Tage alten Entwurf zum „Netzpaket” aus dem Bundeswirtschaftsministerium von Katherina Reiche (CDU) auf. Sie betont: „Das müssen wir verhindern.”
Bevor es zu diesem Punkt in die Tiefe gehen könnte, erteilt Diskussionsleiter Dr. Guntram Fischer den anderen auf dem Podium das Wort. „Wir machen beim Ausbau der Erneuerbaren Energien Tempo” verkündet SPD-Kandidatin Rosa Hübner aus Isny-Bolsternang. Denn dies diene der Gesundheit und biete „die kostengünstigste Möglichkeit.”
FDP-Kandidat Daniel Dreschend will „ein System finden, das den Bedürfnissen von Mensch und Natur entspricht”. Dabei folge seine Partei der Losung „zurück auf vorwärts”. Dazu zählen für den Familienvater und Ingenieur aus Vogt „smal modular reaktors” – also die Idee von vergleichsweise kleinen Atomkraftwerken.
„Menschen statt Profit” fordert dann Sophie Heiß von den Linken. Die Verkäuferin aus Aulendorf ist über „friday for future” politisch interessiert geworden. Sie fährt mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu ihren Wahlkampfterminen. Eine gerechte Energieversorgung gebe es mit Erneuerbaren Energien. Dass Widerstände gegen Windkraft zu spüren seien, liege daran „dass es keine Bürgerbeteiligung gibt”.
Da von der AfD niemand auf der Bühne sitzt, liest Diskussionsleiter Dr. Guntram Fischer aus dem AfD-Programm vor. Dort verlange man die „Verschandelung der Landschaft” mit Windkraft zu beenden und wünsche auch keine „Photovoltaikwüsten”. Stattdessen stehe Steinkohle fast unbegrenzt zur Verfügung. Daher seien „alle Kohlekraftwerke (zu) erhalten und neue zu bauen”. Schließlich verlange die AfD „den schnellstmöglichen Wiedereinstieg in die Kernenergie”.
„Absolute Vorbildregion”
Und die, die auf dem Podium sitzen: Was würden sie als erstes tun, um den Ausstoß von Kohlenstoffdioxid (CO2) zu bremsen? So fragte Moderator Fischer. „Wir sind, was Erneuerbare Energien angeht, eine absolute Vorbildregion”, erläutert dazu Raimund Haser. Es gebe „praktisch kein Bauerndach”, auf dem nicht Sonnenstrom entstehen könne. Zu den Protesten gegen Windkraft sagt Haser: „So ist es halt.” Der CDU-Abgeordnete: „Ich glaube, dass es nicht ohne Windkraft geht.” Zu den Nöten der Biogas-Bauernfamilien weist Haser in Richtung Berlin: „Was das Thema Biogas angeht, da war die letzte Regierung schon nichts.”
Petra Krebs greift Verkehrsprobleme auf: „Wir müssen Radwege sicherer machen.”
Rosa Hübner (SPD) beklagt, dass die Erneuerbaren Energien in Baden-Württemberg zu schwach genutzt werden würden. Sie fordert außerdem: „Die Stromnetze müssen ausgebaut werden.”
Daniel Derscheid (FDP) findet es schlecht, dass in Baden-Württemberg heute weniger Strom erzeugt werde als noch vor Jahren: „Wir sind zurückgefallen auf 50 %”. Derscheid lobt die von ihm besuchte Firma Vetter in Ravensburg. Sie beziehe Energie aus nahen Biogasanlagen.
Sophie Heiß (Linke) betont, Deutschland verursache zwar nur 2 % des weltweiten CO2-Ausstoßes, verfüge aber auch nur über 1% der Weltbevölkerung.
Petra Krebs hält den Atom-Ausbau-Wünschen von FDP-Mann Daniel Derscheid entgegen: “Wir müssen jetzt was gegen den Klimawandel tun.” Ein neues Kernkraftwerk zu errichten, dauere dagegen alles in allem meist dreißig Jahre.
Diesen Einwand greif Diskussionsleiter Dr. Guntram Fischer auf. Er will wissen: „Was machen wir mit dem Atommüll?” Petra Krebs weist dann auf die Erklärung von Ministerpräsident Winfried Kretschmann hin. Dieser habe gesagt, wenn sich in Baden-Württemberg ein „sicherer Ort” für Atommüll finde, müsse ein solches Endlager’ auch im südwestdeutschen Bundesland möglich sein. Kein Widerspruch dazu von den anderen auf der Bühne.
Sophie Heiß (Linke) verlangt, dass öffentlicher Nahverkehr „bezahlbar ist”. Er müsse auch kostenlos nutzbar sein. Sie wünscht, dass Schienen ausgebaut werden und erwähnt Car-Sharing. Die Bahn solle wieder ein Staatsbetrieb werden.
SPD-Kandidatin Rosa Hübner spricht von einem „ordentlich getakteten” öffentlichen Personen-Nahverkehr (ÖPNV). In ihrem Wohnort Bolsternang lasse sich höchstens dreimal am Tag ein Bus nutzen, „wenn er überhaupt fährt”.
Petra Krebs erwähnt die „Mobiitätsgarantie” des Landes Baden-Württemberg. „Busfahren müssen wir erstmal lernen”, meint die Wangenerin. Junge Leute könnten dies in Südwestdeutschland für nur 1 Euro pro Tag.
Daniel Derscheid mahnt: Ein Bus, in dem niemand drinsitze, schade dem Klima mehr als ein PKW mit mehreren Leuten drin. Man solle „das Auto nicht verteufeln”.
Raimund Haser schildert einen Auszubildenden, der sich werktäglich fragen müsse: „Wie komme ich von Göttlishofen nach Karsee.” Die Post gehe ja großenteils schon elektrisch ab. Deshalb sei „die Diskussion sehr, sehr ehrlich (zu) führen”.
Zum Schluss möchte Diskussionsleiter Dr. Guntram Fischer wissen: Was ist das allerwichtigste politische Ziel der Kandidatinnen und Kandidaten auf der Bocksaal-Bühne? Darauf antwortet Raimund Haser. „Für mich ist das wichtigste Ziel die Funktionsfähigkeit des Staates.” Die Bürgerschaft zahle ihn mit Steuern – da müsse er liefern. Deshalb seien allerhand Verfahren zu beschleunigen und zu vereinfachen. Rosa Hübner wünscht, „dass wir unseren Planeten nicht kaputtmachen”. Dem diene am ehesten „ein bezahlbares Baden-Württemberg”. Daniel Derscheid will einen „Politikwechsel”. Petra Krebs mahnt Energiewende, Überdüngung und Artenschutz an: „Ohne Artenvielfalt werden wir nicht überleben”.
Am 14. / 15. März Energiegipfel in Isny
Diskussionsleiter Dr. Guntram Fischer bedankt sich bei allen. Er lädt zum „Energiegipfel“ Isny am 14. und 15. März ein. Eintritt frei.
Anm. d. DBSZ-Red.: Mitteilungen / Stellungnahmen von (kommunal-)politischen Vereinigungen / Akteuren und von Akteuren mit zielgerichteter Interessenslage – wie im vorliegenden Fall beim Energiebündnis – enthalten in aller Regel Meinungsbestandteile. Wir gestalten im Hinblick auf die kommende Wahl Berichte von politischen Akteuren in der Optik von Leserbriefen, also mit kursiv gesetztem Titel.










