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Kuratorin Hansi Schmehle-Knöpfler vor Zeichnungen von Hermann Schenkel.

Bad Schussenried – Aus ihrem reichen Fundus zeigt die Sammlerin Hansi Schmehle-Knöpfler Frauenfiguren und weibliche Darstellungen aus vielen Epochen. Und sie erläutert in der Sonderausstellung, wie Rollenbilder sich geändert haben. 

Die Ausstellung „Göttinnen-Dämmerung: Die Frau im Spiegel der Geschichte“ präsentiert ausgewählte Objekte aus der Sammlung Schmehle-Knöpfler. Anhand vielfältiger Darstellungen und Zeugnissen aus unterschiedlichen Epochen eröffnen sie neue Perspektiven auf die kulturelle und gesellschaftliche Bedeutung von Frauenbildern im Wandel der Zeit. Die Diplom-Psychologin Hansi Schmehle-Knöpfler betreibt auch das im Sommer zugängliche Wallfahrtmuseum in Steinhausen, direkt gegenüber der Kirche und präsentiert seit zwanzig Jahren im Kloster Schussenried Krippen aus ihrer reichen Sammlung. 

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Die Göttinnen-Dämmerung führt mich einige Tage nach Eröffnung am 11. Januar neugierig durch die Ausstellungsräume im Kloster Schussenried. Neben vielen Exponaten stehen durchaus interessante ausführliche Texte zur Rolle von Frauen in Märchen und Sagen, zu den keltischen Schicksalsgöttinnen  Wilbeth, Ambeth und Borbeth, zur Vereinnahmung der heidnischen Göttinnen durchs Christentum, über das Bild der Frau im Mittelalter oder den Sündenfall im Judentum, dem Islam und dem Christentum. Thema sind das Gilgamesch-Epos ebenso wie der Lilith-Mythos oder auch die Königin von Saba im Nationalepos Äthiopiens. Bedauerlich finde ich allerdings, dass Erklärungen zur Herkunft der Exponate, die Zeit ihrer Entstehung und über Künstlerinnen und Künstler fehlen. Offensichtlich sind einige Schaustücke dieser originellen Sonderausstellung Repliken, viele sind Werke der Volkskunst. Was hat indessen der Zeus-Kopf inmitten der Göttinnen-Figuren aus der griechischen Mythologie zu tun? Schriftliche Erläuterungen zu den Exponaten wären hilfreich.

Musizierende Schöpfung heißt diese indigene Darstellung von Adam und Eva aus Peru. Fotos: Andrea Reck

Vielseitige Sammlerin

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Die Frage an die freundliche Dame an der Kasse nach dem im Flyer erwähnten Katalog ergibt, dass dieser noch nicht zur Verfügung steht. Dafür erscheint in Bälde ein Buch zur Ausstellung. Aber glücklicherweise ist die Kuratorin im Haus und zu einem Gespräch bereit. Die noch praktizierende Psychotherapeutin, die im Lauf des Jahres ihren 80. Geburtstag feiern wird, stammt aus einer Sammlerfamilie. Der quirligen Schussenriederin sind die kunsthistorischen Aspekte weniger wichtig, sie betont vor allem den kulturgeschichtlichen und ethnologischen Aspekt. 

Bei der „Göttinnen-Dämmerung“ setzt die Sammlerin sich auseinander mit der Stellung der Frau im Lauf der Menschheitsgeschichte, beginnend mit der Venus vom Hohle Fels, einer der ältesten bekannten Frauenfiguren. Die 40.000 Jahre alte knapp sechs Zentimeter große Marmorfigur ist im Original übrigens zu sehen im Urgeschichtlichen Museum Blaubeuren. Die Kuratorin will mit den Exponaten, die vorwiegend aus ihrem eigenen Fundus stammen, zeigen, wie sich Rollenbilder, Machtverhältnisse und religiöse Bedeutungen verändert haben. Das neueste Werk, gleich am Eingang, ist ein Bild des Biberacher Künstlers Hermann Schenkel, den die Kuratorin sehr schätzt.

Um die Ecke denkende Frauen 

Ihr Plädoyer lautet: „Ich weiß, dass wir Frauen immer schon um die Ecke gedacht haben und wir stark sind. Die aus einer traditionell festgelegten Rolle abgeleitete Minderwertigkeit der Frau ist nicht haltbar. In Kriegszeiten haben Frauen angepackt und sich um das Überleben der Gemeinschaft gekümmert. Kaum war die Krise überwunden, hatten sie sich wieder unterzuordnen. Frauen mussten sich stets um die Kinder kümmern. Sie mussten schlichten. Was oft vergessen wurde: Wir Frauen können denken.“ Und „Frauen mussten immer ihren Wert erkämpfen, das machte sie kreativ und flexibel. In einer Zeit  des Umbruchs, wir haben so viele Probleme, da braucht unsere Gesellschaft die Frauen mehr als je zuvor“, betont die Oberschwäbin, die sich lachend als „Tausendsassa“ bezeichnet, nicht aber als Feministin. Während „Götterdämmerung“ in der germanischen Mythologie, meist auch assoziiert mit Richard Wagners gleichnamiger Oper von 1853, den Untergang der Götter beschreibt, möchte diese ungewöhnliche und sehenswerte Ausstellung wohl eher vermitteln, welch starke Bedeutung das Weibliche in Ethnologie und  Kunst spielt. Als Dämmerung, „Göttinnen-Dämmerung“, kann zudem der fließende Übergang von Lichtverhältnissen auch zu Beginn und Ende des Tages interpretiert werden.  

Die Ausstellung „Göttinnen-Dämmerung: Die Frauen im Spiegel der Geschichte“ im Kloster Schussenried dauert bis 15. März. Öffnungszeiten: Samstag, Sonntag und feiertags 13–17 Uhr. Führungstermine sind zu finden auf der Homepage www.kloster-schussenried.de, Gruppen- und Sonderführungen werden auf Anfrage angeboten.

Autorin: Andrea Reck



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