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Diepoldshofen (sita) - Genau 77 Jahre nach der unsäglich-schrecklichen Gewalttat im Wald bei Diepoldshofen, am 26. April 1945, als 15 junge deutsche Soldaten „auf Befehl des Nazi-Regimes“ kurz vor erschossen wurden, haben Mitglieder und Sprecher der Basisdemokratischen Partei Ravensburg-Allgäu-Oberschwaben am Ort des Geschehens einen Kranz niedergelegt.

Geladene Gäste sowie interessierte Bürger wurden von Sarah Müller-Koch aus Reichenhofen begrüßt. OB Hans-Jörg Henle, Gemeinde- und Ortschaftsräte der naheliegenden Gemeinden seien verhindert gewesen, hieß es. Julian Aicher hielt eine kurze Ansprache und ging dabei auf die ganz aktuelle Kriegsgefahr in Europa ein, wie derzeit in der Ukraine, unter anderem mit Beteiligung der NATO und Waffenlieferungen, auch aus Deutschland.

Vier Tonnen Sprengstoff pro Kopf gebe es derzeit auf der Welt, so viel wie noch nie. Aicher ging auch auf mutige Persönlichkeiten vergangener Tage ein, wie den Kommandanten der Muna bei Urlau (großes Munitionsdepo der Nazis) in der Zeit um 1945. Es war Günter Zöller, der den Befehl der Muna-Sprengung zum Ende des II. Weltkriegs nicht ausführte. Er hat dadurch mutig verhindert, dass große Teile der Region Leutkirch-Isny-Altusried für Jahrzehnte verwüstet, unbewohnbar und verseucht worden wären, durch eingelagertes Giftgas, oder gar atomare Munition.

Mahnung, sein Verhalten zu überdenken
Julian Aicher, Befürworter von alternativen Energien wie die Wasserkraft, mahnte die Anwesenden, so wie einst Zöller in der Muna, immer selber zu bedenken, was man mache oder nicht mache, wo man sich engagiere oder Anweisungen, Befehle befolge, wenn sie unmenschlich oder gefährlich sind, oder großen Schaden an Bürgern und ihrem Hab und Gut anrichten würden. Er nannte u.a. die beiden mutigen Leutkircher Michael Maischberger und Josef Lutz, die Ende April 1945 einige Sperren der Nazis in der Memminger Straße weggeräumt haben, und deshalb von den Nazis erschossen wurden.

Julian Aicher nannte die Zahl von rund einer Million Deutscher, die von der Gestapo als „nicht-nazitreu“ registriert waren, „nur“ 120 000 davon sind grausam umgekommen.

Stanislav Petrov verhinderte vermutlich den 3. Weltkrieg
Aicher nannte in diesem Sinne auch den russischen Soldaten Stanislav Petrov (1939 – 2017), der 1983 in Russland zuständig für die Raketenabwehr war. Aicher erinnerte daran: „Der Computer nahe Moskau zeigte ihm 1983 einen Angriff von US-Atomraketen an, aber Petrov zögerte, weil er einen technischen Fehler vermutete, und hat den Befehl zur Abwehr NICHT gegeben. Es war tatsächlich eine falsche Meldung durch das System, und der Entscheidung von Petrov, keine Atomraketen in Richtung Westen, Europa und USA auf den Weg abzufeuern, verdanken WIR alle wohl unser Leben und die Heimat, und dass es zu keinem Dritten Weltkrieg kam. Ich frage Euch: Kennt jemand Petrov, wo gibt es einen Platz in Europa, der nach ihm benannt ist? Er wurde lediglich einst von der UNO geehrt.“

Stilles Gehen zum Ort des grausigen Geschehens
In Stille wurde der mit blau-weißen Blumen geschmückte Kranz niedergelegt und man verharrte einige Minuten. Dann gingen die rund 60 Besucher der Gedenkveranstaltung zusammen den Waldweg hinauf und dann über eine Wiese, wo ein Schild „Zum Gedenkstein“ den Weg weist. Ein schmaler Pfad führt durch jungen Tannenwald zum Ort des grausigen Geschehens am 26. April 1945, wo der Nazi-Kommandant Otto Siebler 15 junge Soldaten zwischen 20 und 31 Jahren erschoss und Familien in ganz Deutschland den vielleicht einzigen Sohn nahm. Zuvor mussten die Männer ihr eigenes Grab schaufeln und es dauerte insgesamt zwei Stunden, so ist es überliefert.

15 Kerzen für 15 Soldaten, die sinnlos starben
Am Gedenkstein oben im Wald wurden 15 Kerzen entzündet, Blumen und Räucherwerk sollten an die Menschen erinnern, die hier ihr junges Leben verloren haben, nur wegen einer Befehlsausführung, die nicht nötig gewesen wäre. Die alliierten Franzosen waren bereits in Bad Wurzach, zwei Tage später in Diepoldshofen. Hauptmann Siebler wurde in den 50-er Jahren zweimal vor Gericht gestellt, jedoch freigesprochen. Man konnte ihm „keine Schuld“ nachweisen, er hatte ja lediglich einen Befehl von oben ausgeführt …

Die Gruppe verblieb etwa 30 Minuten in stillem Gedenken, einige gaben Impulse, es wurden leise gesungen. Dann machte man sich mit den Kerzen auf den Rückweg, die Sonne versank schon zwischen den Bäumen. Unten am Soldatengrab angekommen, dort wo alle Namen der Erschossenen aufgeführt sind, stellte man die brennenden Kerzen ab und verblieb noch kurz in Stille.

Sprecher der Basis-Partei bedankten sich bei allen fürs Kommen. Das Gedenken sei hochaktuell, weil in der Ukraine ein gefährliches „Kriegsfeuer“ hochlodere – mit deutscher Beteiligung.

P.S. Emma Bank aus Diepoldshofen pflegte rund 40 Jahre lang, bis ins hohe Alter, das Soldatengrab, das vor einigen Jahren neu gestaltet worden ist. Nach ihrem Tod hat diese Aufgabe ihr Sohn übernommen.

 

10Dph Kranz Kranzniederlegung am Soldatengrab

 

10DphAicher Julian Aicher (Rotis) hält die Gedenkrede

  10Dph Gedenkstein

Gedenken am Ort der Erschießung

 

10Dph Gedenktafel Mahnende Worte am Gedenkstein im Wald          Fotos: sita

 

 

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