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LEUTKIRCH (sita) - Traditionen sind da, um sie zu erhalten, deren früheren Initiatoren Ehre zu zollen und so manches Brauchtum nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. So haben rund 35 Helfer von drei Leutkircher Vereinen, die den Traditionen verbunden sind, das Maibaumstellen an der Festhalle zum Beginn der mystischen Walpurgisnacht zum 1. Mai durchgeführt.

Nach alter Tradition wurde die 30 Meter hohe Tanne mittels Muskelkraft, Holzstangen und Seilwinde hochgehievt. Beifall kam von den zahlreichen Gästen, die das Spektakel, das fast eine Stunde dauerte, sich nicht entgehen lassen wollten. Leute treffen, sich Wurst (oder Steak) und Wecken beim Stand der Kolpingfamilie zu gönnen und ein Getränk dazu, um mit anderen endlich mal wieder am Maibaum anstoßen zu können.


Fesche Volksmusik und harmonische Kameradschaft
Natürlich gehört auch volkstümliche Musik zum Maibaumstellen, die das Leutkircher Trio „Duranand“ mit Wolfgang und Alois an den Hörnern und Petra am Akkordeon fetzig-launig präsentierten. Auch die Schella-Fehla des Gebirgstrachtenvereins „Almarausch“ mit Marion und Rosmarie ließen es sich nicht nehmen, mit zahlreichen, echten Kuhschellen und mit ihren flinken Händen schöne Melodien zu zaubern und damit viel Freude verbreiteten, ebenfalls begleitet durch Akkordeonistin Petra. Für alle Stücke gab es viel Beifall und es wurde sogar mitgesungen oder Wunschtitel gespielt, wie der nicht einfache „Böhmische Traum“ oder das Trompetenecho“.

Die Organisation dieser Veranstaltung wurde schon im Herbst 2019 von Valentin Wagegg und Florian Mayer, Vorstände des Leutkircher Fanfarenzugs, angedacht und dann konkret geplant, als auch die anderen Vereine wie Kolpingsfamilie und Trachtenverein ihre tatkräftige Mithilfe zusagten. „Gemeinsam sind wir stark“ war nicht nur das Motto, um das Maibaumfest wieder einmal zu stemmen, sondern galt auch wortwörtlich für das Stellen des 30-Meter-Baumes mittels Holzstangen und Muskelkraft. Der Baum war durch eine Seilwinde an einem Traktor gesichert, was inzwischen gesetzlich erfolgen muss.


Zimmerermeister Georg Gegenbauer leitet das Aufstellen an
Der wichtigste Mann bei dieser wirklich nicht einfachen Arbeit, die mittels „Hau-ruck“-Kommandos angeleitet werden muss, war und ist seit den 80er-Jahren Zimmerermeister Georg Gegenbauer. Er erzählt, wie er zu dieser ehrenvollen Aufgabe gekommen ist: „Als junger Bursch lernte ich den Beruf des Zimmermanns bei der Zimmerei von Franz Hepp in Herbrazhofen. Mein Chef war damals der Maibaum-Verantwortliche, weil man ja schon immer die Maibäume mit Holzstangen und Muskelkraft unter der Leitung eines Zimmermanns in traditioneller Kluft aufgestellt hat. Die ersten Jahre wurde der Maibaum in Leutkirch am Brunnen von 1869 beim „Deutschen Kaiser“ in der Memminger Straße gestellt. Es war ganz schön schwierig, den Baum mittels Traktor durch die ganze Stadt dort hinzufahren, mit den vielen Kurven und ihn dann am Brunnen „einzuparken“. Eines Tages, ich war grad mal Anfang 20, meinte Hepp, ich könne doch sein Nachfolger werden und solle das Leutkircher Maibaumstellen als Zimmerer übernehmen! Ich war anfangs ganz schön aufgeregt, diese Herausforderung anzunehmen, um dann so viele „gstandne Männer“ anzuleiten und die Kommandos zu geben.“ Seit dieser Zeit hat Georg Gegenbauer, ein ruhiger, besonnener Mann, diese Aufgabe in Händen und freut sich darüber sehr.


Kolpingsfamilie und Almarausch schon immer mit dabei

Als man die Festhalle in den 90er-Jahren saniert hat, neue Blumenrabatten angelegt wurden, entschloss sich die Stadt Leutkirch, an diesem schönen Platz den Maibaum aufzustellen, wo er besser gesehen und präsentiert werden kann. Auch für das Fest mit Hockete, Bewirtung und Musik ist hier genug Platz, das nun schon jahrzehntelang am Vorabend zum 1. Mai, zur sogenannten Walpurgisnacht, veranstaltet wird. Und schon immer war es eine harmonische Vereine-Kooperation von Gebirgstrachtenverein „Almarausch“ (u.a. Wappen und Spitze anbringen und einkranzen) und der Kolpingsfamilie (Bewirtung, wie auch am traditionellen Funken).

Die Leutkircher Kolpingsfamilie, Martin Schmuck und sein Team, hatten perfekt kalkuliert: 150 Würste waren rasch an den Mann bzw, an die Frau gebracht, ebenso Steaks und verschiedene Getränke. „Es lief wirklich prima, es waren ja echt viele Leute hier“, freuten sich die ehrenamtlichen Schaffer, die mit dem Erlös soziale Projekte, teils in Deutschland, aber auch in Brasilien unterstützen. Viele tatkräftige Helfer stellte auch der Gebirgstrachtenverein, allen voran Vorstand Simon Netzer aus Urlau, der auch in seiner Heimatgemeinde beim Maibaumstellen schon geholfen hat. Als Feuerwehr-Abteilungsleiter von Herlazhofen-Urlau hat auch er reichlich Erfahrung mit solchen „schwerwiegenden Aktionen mit vielen Mannen!“

Vielerlei Wappen zeigen Vereine und Handwerker der Stadt
Der Maibaum wird nun bis zum Sommer an der Festhalle stehen bleiben und jeder kann ihn dort bestaunen. Interessant sind die vielen Wappen, die auf jeder Seite ein Logo darstellen, das für einen Verein, ein Handwerk oder eine Institution der Stadt Leutkirch steht wie zum Beispiel die Narrenzunft Nibelgau, die Stadtkapelle, der Sportverein TSG, die Heimatpflege, Schreiner, Metzger, Bäcker, Maler usw.

Orgelbauer Martin Gegenbauer hat das Maibaumstellen in Leutkirch ins Leben gerufen

Diese Wappen am Baum gibt es aber erst seit Anfang der 70-er Jahre, als das Maibaumstellen in Leutkirch erstmals von dem rührigen Orgelbauer und leidenschaftlichen Trachtler Martin Gegenbauer, ein „Leutkircher Original“, ins Leben gerufen wurde. Daher ist am Leutkircher Maibaum auch das Wappen der Orgelbauer zu sehen, was in anderen Allgäustädten wohl kaum vorkommt. Ein Banken-Logo ist auch selten, wurde wegen Sponsoring aufgenommen.

Die Hockete (im Stehen) mit Musik und Bewirtung gefiel allen gut, der Abend war nicht ganz so kalt wie sonst, und viele blieben bis zur Dämmerung, als sich der stattliche Maibaum in den blauen Abendhimmel reckte. Das Resümee der Organisatoren fällt nur positiv aus: „Es war für uns alle eine schöne Aufgabe, besonders, weil neun Jahre lang Maibaum-Pause in Leutkirch war und die Maßnahmen wegen Corona fast pünktlich zum 1. Mai aufgehoben wurden. Obwohl es anfangs leicht geregnet hat, kamen über 100 Gäste zu uns und die Musikanten spielten so toll, dass bald die Sonne hervorkam, und am Schluss hatten wir einen wolkenlosen Himmel überm Maibaum!“

Bild oben: Das Helferteam mit den Initiatoren, Zimmerermeister (Mitte) Georg Gegenbauer und Mitglieder der beteiligten Vereine.
Gruppenbild am Grillstand: Die ehrenamtlichen Schaffer der Kolpingsfamilie, die den ganzen Abend gut Arbeit hatten und sich sehr darüber freuten.
Bilder von den Schella-Fehla

 

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