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LEUTKIRCH - Eine der größten Baustellen in Leutkirch ist derzeit das ehemalige Areal der Firma Peter + Sohn. Hier baut die IVG – Immobiliengesellschaft Geser aus Leutkirch – mehrere mehrstöckige Wohnblocks, genannt „Storchengärten“ in Anlehnung an die zuführende Storchenstraße. Für den 2. Bauabschnitt im Jahre 2023 wird weiteres Bauland benötigt, daher erging an 7 der 30 Schrebergärten am Rand des Baugebiets, neben den ehemaligen Bahngleisen nach Isny, eine Kündigung.

Die Gartenanlagen mit je rund 250 bis 300 qm rechts und links der Gleisanlagen gehörten einst Bediensteten der Bahn und wurden nach dem Bau des Leutkircher Bahnhofs angelegt. Sie sind bis heute teils im Gebrauch von Nachkommen dieser Beschäftigten; seit Jahrzehnte werden die Gärten gepflegt, Gemüse und Obst gedeiht hier, Hütten und Gewächshäuser sind erstellt. Das Gelände der 30 Gärten entlang der Isnyer Gleise wurde 2021 von der Deutschen Bahn (DB) versteigert, die IVG bekam den Zuschlag und ist nun Besitzer des Areals, weiterhin verwaltet durch die DB-Landwirtschaft mit Ansprechpartner in Leutkirch.

Ende November müssen Gärten geräumt sein
Im Januar 2022 flatterte bei zehn Gärtnern eine Kündigung von der Deutschen Bahn Landwirtschaft in den Briefkasten, das Erstaunen war groß. Drei Kündigungen wurden inzwischen zurückgenommen, man brauche das Gebiet nicht. Sieben Gärtner müssen komplett räumen und zwar bis Ende November. „Manche von uns haben daraufhin gar nichts mehr angebaut und gleich angefangen, alles abzubauen. Wir müssen ja die Flächen ganz frei machen, Hütten, Pflasterwege, Tore, Hochbeete – alles muss weg“, bedauert Herr Deeng, der die Kündigung nicht nachvollziehen kann.

Er ist einer, der seinen Garten am längsten hat, einst von seinem Schwiegervater übernommen. Schweren Herzens arbeitet er immer wieder am Abbau von all dem, was in vielen Jahrzehnten entstanden ist. Es sei sehr traurig, sagen auch die Gartennachbarn, die noch etwas Gemüse im Beet haben, Johannisbeeren hängen in Trauben am Strauch. In den meisten Gärten blühen viele Sommerblumen und Stauden, alte Bäume tragen Früchte.

Vom Bauamt der Stadt Leutkirch war zu erfahren, dass derzeit keine Änderung des Baubeschlusses zur Anlage „Storchengärten“ vorliegt. Falls hier Parkplätze oder etwas anderes, als im Bebauungsplan steht, gebaut werden soll, müsste der Gemeinderat Leutkirch erst zustimmen. Ein Fuß- bzw. Radweg von den Storchengärten zum Bahnhof ist neben dem Geschäft Rad-Geser bereits geplant. Dass inzwischen das Gelände nicht mehr der DB, sondern der IVG gehört, nimmt die Stadt zur Kenntnis. Viele Investoren hätten 2021 angefragt.

Die 30 Gärten an den Isnyer Gleisen sind ein Biotop, ein wichtiger Lebensraum für Insekten, für Vögel und Amphibien, so sehen es die Gärtner. Und auch, dass die Anzahl der Eidechsen, Igel, Molche und anderer Kleintiere zugenommen habe. Dass sieben Gärten dem Erdboden gleichgemacht werden und damit der Lebensraum für viele Tiere verloren gehe, sei nicht ökologisch, wo doch Leutkirch sonst ein Vorzeige-Ort in Sachen naturnahe und bienenfreundliche Bepflanzung sei und Natur und Umwelt hier einen hohen Stellenwert hätten. „Mir kommen immer die Tränen, wenn ich in die Nähe des Bahnhofs und der Gärten komme“, sagt eine Leutkircher Seniorin, Tochter eines ehemaligen Bahnhofsvorstands, die ihre Kindheit und Jugend in einem der Gärten verbracht hat.

Entschädigung vereinbart – andere Gärten könnten bleiben
Die DB hat mit den Gärtnern zusammen im Mai eine Wertermittlung gemacht, die ausbezahlt wird, aber der ideelle Wert, der Freizeit- und Erholungswert könne damit nicht entschädigt werden, meint Deeng. Mit der IVG wird im Juli verhandelt, inwieweit die Firma beim Abtransport der „Garten-Altlasten“ behilflich sein kann. Es soll harmonisch ablaufen. Zu erfahren war von der IVG, dass es eine Bauplanänderung beim 2. Bauabschnitt in 2023 geben soll, dass jedoch nicht noch mehr Garten-Kündigungen ausgesprochen werden müssen. „Was zu hoffen ist“, meinen die Gärtner und wollen es glauben. Schließlich heiße das Baugebiet ja auch Storchen-Gärten.
Die IVG ist mit der DB in Verhandlung, inwieweit noch ein weiteres Gebiet bei den stillgelegten Isnyer Gleise erworben werden kann.
Text und Bilder: Carmen Notz

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