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... Sie bekleiden ein hohes Staatsamt und sind mithin eine Person des öffentlichen Lebens. Ihre Handlungen in der Öffentlichkeit sind nicht privat.

Wie die „Stuttgarter Zeitung“ und die „Stuttgarter Nachrichten“ berichteten, haben Sie als Muslima auf dem Katholikentag in Stuttgart beim Eröffnungsgottesdienst die Heilige Kommunion empfangen. Das ist eine äußerst ungewöhnliche Handlung, sowohl von Ihrer Seite als auch von Seiten des Kommunionspenders, der, wenn er um Ihre Nichtzugehörigkeit zur römisch-katholischen Kirche gewusst haben sollte, gegen einen elementaren Rechtssatz seiner Kirche verstoßen hat.

Ich möchte hier aber nicht kirchenrechtlich argumentieren, sondern jesuanisch. Jesus fragt schlicht: Glaubst du das? Das ist mein Leib.

Wenn Sie, sehr geehrte Frau Aras, den Leib Christi gläubig empfangen haben, wenn Sie die Kommunion, die Vereinigung mit Jesus, im Herzen vollzogen haben, dann ist das sehr gut. Jesus weist keinen zurück, er lädt alle an seinen Tisch ein.

Es kann aber auch sein, dass Sie gedankenlos gehandelt haben oder dass Sie vom Moment überrumpelt waren oder – das aber kann ich eigentlich kaum glauben – dass Sie ganz bewusst eine Grenze überschritten haben … Dann haben Sie das, was vielen Menschen das Allerheiligste ist, banalisiert.

Gott ist barmherzig. Er wird das, woran manche Anstoß nehmen, in seine Güte einschließen. Die Menschen aber, die Sie in ihren Gefühlen verletzt haben, müssten Sie um Verzeihung bitten, Ihnen zumindest Ihr Tun erklären.

Wissen Sie denn nicht, dass um die Frage, ist das der Leib Christi oder ist das nur ein Symbol, Kriege geführt wurden? Dass für das Bekenntnis, das ist der Leib Christi, Menschen in den Tod gegangen sind?

Vom Leiden der wiederverheirateten geschiedenen katholischen Christen haben Sie wohl keinen Begriff. Die Katholische Kirche geht von einem lebenslangen Bestehen einer sakramental geschlossenen Ehe aus. Ehebruch gilt mithin als Sünde. Eine unbarmherzige Dogmatik hat diese Personen konsequent von der Kommunion ausgeschlossen. Lange suchte die Kirche nach Wegen, um das Dilemma aus hoher Theologie und Anerkennen des Scheiterns aufzulösen. Papst und Bischöfe haben inzwischen verständnisvolle und lebenskluge Lehrschreiben und Handreichungen veröffentlicht, in denen sie Wege zur Kommunion auch im Falle des Scheiterns aufzeigen. Man sieht an dieser Frage, welch existenzielle Dramatik der Hostie innewohnt.

In der Heiligen Messe gibt es, Sie wissen das vermutlich nicht, zu Beginn einen Reinigungsakt, das Kyrie. Die ernsthafte Teilnahme an dieser Reinigung ist eine Mindestvoraussetzung für die Kommunion am Ende der Eucharistiefeier. Wer sich durch erhebliche Verfehlungen von Gott entfernt hat, dem legt die Kirche die Reinigung in der Beichte nahe.

Der US-amerikanischen Spitzenpolitikerin Nancy Pelosi, eine Katholikin, wurde die Kommunion verweigert, weil sie Abtreibung befürwortet. Werbung für Abtreibung gilt in der Katholischen Kirche als schwere Verfehlung. Auch ein billigendes Eintreten für Abtreibung kann exkommunizierende Wirkung entfalten.

„Tut dies zu meinem Gedächtnis“ – weltweit folgen die Christen diesem Vermächtnis Jesu. In der Auffassung der Katholiken ist die Heilige Messe mehr als nur eine Gedenkfeier. „Das ist mein Leib“, „Das ist mein Blut“ – diese Worte benennen die Anwesenheit Gottes in Brot und Wein.

Ich bin ein weicher Mensch; es fiel mir schwer, Ihnen diesen Brief, den Sie als belastend empfinden werden, zu schreiben und dabei Worte zu gebrauchen, die sich hart anfühlen. Aber Klarheit ist notwendig und hilfreich fürs Zusammenleben. So wie ich Ihre Religion achte, die – wie wir – die Liebe zu Gott und zu den Menschen in den Mittelpunkt stellt, und so wie ich niemals – aus Respekt – an einer Zeremonie Ihrer Religion substantiell teilnehmen würde, so dürfen wir Christen auch erwarten, dass das uns Heilige durch Nichtteilnahme an den Kernvollzügen geachtet wird.

Dem Mitmenschen Muhterem Aras freundlich die Hand reichend

grüßt Gerhard Reischmann

am Fronleichnamstag des Jahres 2022

Muhterem Aras ist eine Politikerin der Grünen. Seit 2016 ist sie Präsidentin des baden-württembergischen Landtags. Der Internet-Enzyklopädie Wikipedia zufolge ist sie eine Muslima alevitischer Glaubensrichtung. Am 27. Juni ist sie Gast beim „Talk im Bock“ in Leutkirch (19.30 Uhr, Festhalle).

In einer früheren Fassung unseres Offenen Briefes hatte es fälschlicherweise beim Termin "22. Juni" geheißen. Der Besuch der Landtagspräsidentin war mehrfach verlegt worden. Die Bildschirmzeitung hat zwar den neuen Termin publiziert, es aber leider versäumt, den Terminhinweis beim Offenen Brief zu aktualisieren. Wir bitten hierfür um Entschuldigung. Es tut uns sehr leid.

 

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