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Leutkirch (sita) - „Immer eine Brotlänge voraus“ – das ist nicht nur ein Motto des Schaffens von Bäckermeister Leonhard Menig, seit 2018 in der Urlauer Genussmanufaktur tätig, das gilt auch für seinen Neubau westlich von Leutkirch, an der Wurzacher Straße, kurz vor dem Autobahnanschluss: In kürzester Zeit entstand ein Holzrahmenbau von fast 500 qm, wo voraussichtlich ab Herbst 2022 nicht nur eine Bäckerei mit Café inklusive überdachtem Außenbereich zum Einkaufen und Genießen einlädt, sondern auch eine gläserne Backstube, wo jeder Kunde sich vom kunstvollen Brotbacken von Menig mit Team überzeugen kann.

Es war ein bewegender Augenblick, als Leonhard Menig seine Ansprache begann, dass er erst seitdem er mit der Genussbäckerei in der Allgäuer Genussmanufaktur Urlau selbstständig ist (2018), seine Überzeugung von gutem gesunden Brotbacken leben und weitergeben kann, und dass er jetzt schon, vier Jahre später, er und seine Frau Christine den Traum einer eigenen Backstube mit Laden und Café verwirklichen können. Ein Traum war auch die gläserne Backstube, denn er will vermitteln, wie der Teig zu seinen Backwaren entsteht, auf was es ankommt, damit das „tägliche Brot“ ein frisches, mit viel Liebe und Herzblut, mit viel Wissen und Erfahrung hergestelltes, gesundes Nahrungsmittel ist und bleibt. „Ich biete kein großes Sortiment, ich mache zehn Sorten Brot und Backwaren täglich, denn es kommt nicht auf die Vielfalt, sondern auf die Qualität an. Die will ich auf sehr hohe Weise bieten, da fehlt es mir nicht an Kreativität und Ideen! Und ich will den Kunden durch eine große Glaswand gleich am Eingang einen Einblick in die Backstube geben, Transparenz zeigen, wie die Teige entstehen, wie kreativ wir an dem arbeiten, was jeder täglich zu sich nimmt“, betonte Leonhard Menig und die Emotionen übermannten ihn fast. Großen Dank sprach Leonhard Menig seiner Familie und seinem Back-Team aus, die ihm den Rücken freigehalten haben in der vorbereitenden Phase des Neubaus.

OB Henle und Familie Westermayer freuen sich
Oberbürgermeister Hans-Jörg Henle ließ es sich an diesem sonnigen Freitagnachmittag (10. Juni) nicht nehmen, der Einladung zum Richtfest bei Menigs zu folgen, denn ein Spatenstich hatte es nur inoffiziell gegeben. Alles ging wohl sehr schnell über die Bühne. OB Henle berichtete, dass er auf Anfrage der Familie Menig leider kein Grundstück direkt in Leutkirch anbieten konnte, aber wie schon damals bei der Rettungswache empfahl er, die Besitzer der Grundstücke an der Wurzacher Straße nach dem Ortsausgang zu fragen. Lobend erwähnte er Familie Westermayer, die sofort zusagte, für so ein tolles und zukunftsfähiges Projekt ein Grundstück zur Verfügung zu stellen. „Ich freue mich sehr, dass ein Bäckermeister aus Aichstetten nun auch in Leutkirch bleibt, zuerst in der Genussmanufaktur in Urlau und nun sogar mit eigenem Betrieb, an einem idealen Platz, mit Blick auf die Berge.“ Sehr passend dazu sei auch der Bio-Betrieb nebenan von Westermayers, die natürlich anwesend waren.

Viel Lob für die Zimmerleut von Holzbau Merk
Viel Lob sprachen Menig und OB Henle sowie der Architekt Herr Jarcke den bisher tätigen Handwerkern aus, hauptsächlich dem Zimmerleute-Team von Maxi Merk aus Bad Wurzach-Unterschwarzach. In wenigen Tagen hatten sie nach Pfingsten bei widrigen Wetterbedingen den Holzbau erstellt und am Donnerstagabend den Richtfest-Baum angebracht. „Eine stolze Leistung“, hieß es von allen Seiten. Jarcke brachte als Geschenk ein Metallschild mit Firmenlogo des Genussbäckers, OB Henle hatte den neuen Leutkircher Bildband dabei, Blumen gab es für Ehefrau Christine Menig. Eigentlich bringe OB Henle immer Brot und Salz zu einem Neubau, aber das sei in diesem Fall nicht wirklich angebracht, schmunzelte er.

Musik mit den Schella-Fehla und eine junge Linde
Immer wieder konnte man schöne Volksmusikklänge von den drei Schella-Fehla hören. Petra Hartl am Akkordeon begleitete die beiden Kuhschellen-Läuten-Profis Marion und Rosmarie. Anschließend ging es hinaus, die Zimmerleut mit ihrem Chef Maxi Merk, die hier fast 50 Kubik Holz verarbeitet hatten, erklommen das Dach und sprachen ein passendes Richtspruch-Gedicht, in dem das Wort Brot öfters vorkam. Es wurde kräftig angestoßen und die Gläser zu Boden geworfen. Als Geschenk hatten sie eine junge Linde mitgebracht, unter deren Blätterdach dann mal die Gäste sitzen können.

Das große Banner „Zeit für Brot“ steht bereits an der Straße, der Genussbäcker Menig zeigt sich in voller Größe und bald kann man hier gemütlich sitzen, Kaffee oder Tee und seine Backwaren genießen. Ein Parkplatz ist hinter dem Haus vorhanden, es wird auch einen Fahrrad Parkplatz geben, denn der Radweg nach Reichenhofen geht hier vorbei.

Leonhard Menig – ein Bäcker von hier
Leonhard Menig ist Konditor und Bäckermeister mit viel Erfahrung. Gelernt hat er den Beruf von der Pike auf, daheim in Hauerz. Dann ging es auf Reisen, unter anderem nach München, wo er das noble Café auf dem Olympiaturm leitete. Immer wieder probierte er Neues aus, kombinierte Rohstoffe anders, tüftelte an Geschmack und Beschaffenheit seiner Produkte.
Seit 2018 lebt Leonhard Menig lebt Traum vom hochwertigen Handwerk in der Selbstständigkeit. Seine Frau Christine kümmert sich um das Verkaufsmanagement, ums Büro und die beiden Kinder, Lukas und Marina. In der Urlauer Genussmanufaktur hat Leonhard Menig seine Philosophie vom gesunden Brot mit regionalen, natürlichen Zutaten verwirklichen können. Seine rund zehn kreativen Brotsorten, seine pikanten und süßen Backwaren werden im Dorfladen Urlau sowie auf verschiedenen Wochenmärkten in der Region angeboten.

Auszeichnungen
2019 hat Menig vom Verband „Genuss des Südens“ einen Preis für sein Bierkrusten-Brot erhalten. Die Genussmanufaktur hat ja auch eine Brauerei, und so kam die Idee zu dieser Kreation. 2020 wurde sein Dinkelvollkornbrot ausgezeichnet und für 2021 hat er ein Allgäuer Urkorn wieder zu Ehren gebracht – ein Brot mit wildem Emmer. 2020 wurde der Allgäuer Genussbäcker Leonhard Menig zudem als „Persönlichkeit des Handwerks“ geehrt.

 

Philosophie
„Sämtliches Vollkorngetreide beziehe ich direkt vom Demeterhof Heiss in Schlier, das ich dann in meiner Backstube mit der Zentrofan-Mühle male. Dadurch wird es ohne Erhitzen besonders fein gemahlen und so kann das ganze Korn mit Keimling verwendet werden. Dies gibt dem Brot das besondere Aroma und mehr Saftigkeit. Weitere Mehle habe ich aus der Uhl-Mühle in Haslach bei Rot an der Rot“, erläutert Leonhard Menig.
Das meiste Brot macht er aus selbstgezüchtetem Sauerteig „Den pfleg ich wie ein Baby“, schmunzelt der engagierte 42-Jährige. Er lässt dem Teig immer zwei Tage Zeit zum Gehen, so hat das Korn Zeit zum Quellen und der Zucker im Teig wird abgebaut. Das Brot wird bekömmlicher und bleibt länger frisch. Zeit fürs Brot – genau nach seinem Leitspruch.
Menig nimmt alle Zutaten aus der Region, Dinkel, Roggen, Emmer, ebenso das Gemüse für sein Karotten- oder Kartoffelbrot, für die Kürbis-Zwirbelstange oder für sein Tomaten-Curry-Baguette zur Grillsaison im Sommer. Eine Spezialität sind seine schmackhaften Laugenringe aus Butter-Toast-Teig, laktosefrei, mit Salz oder Sesam belegt.
Nicht nur wunderschön anzusehen, sondern auch genauso lecker ist seine sogenannte „DIVA“, sein Blütentraumlaib mit acht Sorten Allgäu-Blüten und 100 Prozent Dinkelvollkorn. Bei Bäckermeister Menig muss alles stimmig sein: Die Zutaten, das Backen und das Aussehen, er verziert alles mit Mehl.

Bild oben: An der Wurzacher Straße, auf Höhe des Hofes Westermayer, entsteht derzeit Menigs Backstube.

 11 M OB

OB Henle gratuliert Leonhard Menig. Christine Menig hält den Moment fotografisch fest.

 

 11 M Menig

Leonhard Menig bei seiner Rede.

 

11 M Jarcke

Architekt Jarcke überreicht sein Geschenk. Im Hintergrund die Mannen von der Zimmerei Merk aus Unterschwarzach.

 

 11 M Schella Föhla

Die Schella-Fehla umrahmten das Richtfest mit volkstümlicher Musik

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11 M Richtfest

Am 10. Juni wurde an der Wurzacher Straße Richtfest gefeiert. Im Herbst eröffnet dann Leonhard Menig seine Backstube mit Schau-Bäckerei und Café. Fotos: sita

 

 

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