Ravensburg - Am 10.05.2022 findet ab 8:30 im Amtsgericht Ravensburg ein weiterer Prozess gegen zwei Aktivist*innen statt.

 
Charlie Kiehne (20) und Samuel Bosch (19), die in der Waldbesetzung im Altdorfer Wald leben, haben am 08.02.2022 ein gegen den Kiesabbau gerichtetes Banner auf der Gemeindehalle in Wetzisreute gehisst. Während der Aktion entschied sich der Gemeinderat Schlier in der Halle für die Verlängerung einer Kiesabbaugenehmigung für die nahe gelegene Kiesgrube.

"Trotz der offensichtlich zu groß eingeschätzten Nachfrage beantragt Tullius weitere 29,3 ha Kiesabbaufläche im Wald bei Oberankenreute und insgesamt ca. 62 ha im gesamten Altdorfer Wald. Es scheint so, als ob sich das Unternehmen jetzt Flächen unter den Nagel reißen will, um strengere Auflagen in Zukunft umgehen zu können" erklärt Kiehne ihre Motivation. [1]

Die Aktivistinnen werden ihren ersten selbstverteidigten Prozess führen und sich nicht anwaltlich vertreten lassen. "Wir stehen natürlich trotzdem im Austausch mit Anwältinnen, um uns rechtlich weiterzubilden und Aktionen rechtlich abzuklären. Über die letzten 1½ Jahre wurde unser Protest so oft kriminalisiert, dass wir mittlerweile die immer gleichen Argumente selbst vortragen können", so Samuel Bosch (19). Die Aktivist*innen werden im Prozess auch Bürgermeisterin Katja Liebmann laden. "Frau Liebmann muss dann vor Gericht wahrheitsgemäß aussagen", so Bosch weiter.

Rechtliches:
Den Aktivistinne wird Vertoß gegen das Versammlungsgesetz §26, Hausfriedensbruch §123 und Nötigung §240 vorgeworfen. Die Aktivistinnen plädieren auf eine Freispruch in allen Punkten.

Zum Kiesabbau im Altdorfer Wald:
Im Altdorfer Wald gibt es 2 Kiesabbaugebiete in Baienfurt und Oberankenreute. Ein weiteres Abbaugebiet ist bei Grund (Vogt) geplant. Der neue Regionalplan hat über 62 weitere Hektar Wald für den Kiesabbau bei Oberankenreute freigegeben. Seit Februar 2021 regt sich starker Protest gegen den Neubau und die Erweiterung der Kiesgruben und ein Waldstück bei Grund wurde von Umweltaktivist*innen besetzt.

Bei Oberankenreute bestehen bereits zwei Kiesgruben, für die eine lief die Abbaugenehmiging Anfang des Jahres aus. Gegen die Verlängerung der Abbaugenehmigung demonstrierten Bosch und Kiehne mit einem Banner auf der Gemeindehalle in Wetzisreute. Sie kritisieren, dass der Kiesunternehmer sich beim Kiesbedarf deutlich verkalkuliert hatte und dennoch bereits weitere Flächen für den Abbau von Kies beantragt hatte.

 

Pressemitteilung Samuel Bosch 

 

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