Keine Waffenexporte in Spannungsgebiete – das war Staatsdoktrin in der alten Bundesrepublik. Die Kanzler Kohl und Schmidt wurden argwöhnisch beäugt, ob sie nicht doch irgendwo ein Exportschlupfloch zuließen. Selbst die Teilnahme der Bundeswehr an der Awacs-Luftaufklärung war heiß umstritten. Frieden schaffen ohne Waffen – das war der Schlachtruf vor allem von links.

Wo ist der Gründungsort der Grünen? Karlsruhe 1980, sagt das Lexikon. Gewiss, dort wurde die Partei aus der Taufe gehoben. Aber nicht minder identitätsstiftend war die Bonner Hofgarten-Wiese. Dort versammelten sich am 10. Oktober 1981 sage und schreibe 300.000 Kundgebungsteilnehmer, um gegen die NATO-Nachrüstung zu demonstrieren. Eine der Hauptrednerinnen war Petra Kelly, die grüne Frontfrau in jener Zeit. Der Aufschrei zu Bonn ist Teil des Gründungsmythos der Grünen.

Friede der Natur und Friede den Menschen, dieser doppelte Pazifismus gehört zur grünen DNA von Beginn an. Die Lästermäuler vom SPIEGEL fanden denn auch rasch ein plakatives Etikett für diese Dichotomie: Ökopaxe hießen die Grünen bei Augstein und Co.

Und heute? Unverhohlen liebäugelt Außenministerin Baerbock mit der Lieferung schwerer Waffen in das Kriegsgebiet Ukraine. Propagiert Ringtausch-Waffengeschäfte mit Dritten, deren Lieferungen dann von uns ersetzt würden. Das ist Heuchelei. Auch über diesen Umweg werden wir in einem heißen Konflikt zur Partei, werden wir Kombattanten.

Deutsche Waffen an den Kampfplätzen von 1941, das ist ein No-Go. Wir wollen kein Charkow 2.0!

Selbstverständlich verschließen wir nicht die Augen vor der Not der überfallenen Ukraine. Selbstverständlich öffnen wir Herzen und Türen für die Flüchtlinge. Selbstverständlich öffnen wir unser Portemonnaie für den Wiederaufbau.

Was es jetzt braucht, was seit Wochen schon überfällig ist, das ist eine Verhandlungsoffensive. Verhandlungen mit einem habhaften Angebot. Gebt dem Aggressor den Osten der Ukraine! Im Donbass, im Osten der Ukraine, leben ethnische Russen. Das ist russische Erde, in den Wirren der Staatswerdung der Sowjetunion der Ukraine zugeschlagen.

Das ist Appeasement, werden nun viele rufen. Ein Offenbarungseid. Das macht den russischen Bären nur noch gieriger.

Nein, ein territoriales Angebot solchen Ausmaßes würde den Krieg mit einem Federstrich beenden. Würde viel Blutvergießen verhindern.

Und würde die Rumpf-Ukraine – dann immer noch ein Staatswesen von beachtlichen Ausmaßen, von der Fläche her immer noch größer als Deutschland – im Kern stärken. Es wäre dann eine monolithische Ukraine, befreit von der bipolaren Dauer-Spannung, unter der das Land seit dem Zerfall der Sowjetunion leidet, befreit vom Richtungskampf zwischen Moskau-Orientierten und Westlern.

Natürlich muss der Verzicht auf Intervention im Westen einhergehen mit einer Rückbesinnung auf alte Stärke. Der Friede muss bewaffnet sein, wir müssen unser defensives Potenzial massiv stärken. Eine Wiedereinführung der Wehrpflicht wäre dabei ein starkes Signal an Putin: höchstens bis zum Dnjepr, aber keinen Schritt weiter!

Si vis pacem para bellum, hieß es bei den alten Römern, „wenn du Frieden willst, rüste zum Krieg.“

Heutzutage, in Zeiten übervoller nuklearer Arsenale, muss der Satz verkürzt werden: „Wenn du Frieden willst, rüste!“

Ohne Abschreckung geht es nicht. Aber lasst die Finger von diesem Krieg weit hinten im Osten. Wer hätte 1914 gedacht, dass in Sarajevo ein Weltenbrand angefacht werden würde.

Kommentar: Gerhard Reischmann

 

Anmerkung: Dann und wann wollen wir in der Bildschirmzeitung auch zu allgemeinpolitischen Fragen Stellung nehmen. Unsere Leserschaft ist zur Diskussion darüber eingeladen. Schreiben Sie uns. Gerne veröffentlichen wir Ihre Beiträge – wenn sie nicht gegen die guten Sitten verstoßen.

 

 

Nur registrierte Benutzer können Kommentare schreiben!

­