Wolfegg/Region - Die Meisterverbände Ravensburg und Leutkirch/Wangen des Verbandes Landwirtschaftlicher Fachbildung (VLF) im Landkreis Ravensburg ehrten in der Zehntscheuer des Bauernhausmuseum Wolfegg ihre Hauswirtschaftsmeisterinnen und Landwirtschaftsmeister der Jahrgänge 1971 und 1972 mit der Überreichung der Goldenen Meisterbriefe.

in bewährter Manier führte Barny Bitterwolf durch das Programm dieses „Hohstuben“-Nachmittages, nachdem die Bauerkapelle Oberschwaben um Eugen Maucher die Feier musikalisch eröffnet hatte.

Christine Dorn-Bohner, Vorstandsmitglied beim Meisterverein RV, freute sich in ihrer Begrüßung, dass so viele Hauswirtschaftsmeisterinnen und Landwirtschaftsmeister der Einladung zu diesem Festakt ins Bauernhausmuseum gefolgt waren. Sie dankte dem Team des Museums dafür, dass der VLF für die Meisterehrung zu Gast sein durften und für die großzügige Bewirtung mit Kaffee und Kuchen. Denn üblicherweise werden die Goldenen Meisterbriefe in der Bauernschule in Bad Waldsee überreicht. Die Verleihung findet nur alle zwei Jahre statt; wegen Corona und des relativ großen Jahrgangs war der Saal in der Bauernschule Bad Waldsee zu klein. Dorn-Bohner dankte auch Inga Holzinger vom Landwirtschaftamt (zugleich Geschäftsführerin vom Meisterverband Leutkirch/Wangen), die viel Recherchearbeit gehabt habe, die Namens- und Adressliste für die Einladung zu aktualisieren.

„Der Meisterbrief ist ein hoher Wert. Sie haben das erlernte Wissen mit Überzeugung und Verantwortung umgesetzt. Sie haben Mut bewiesen, den wichtigsten Beruf der Welt zu ergreifen.“ Es werde in der nächsten Zeit Veränderungen geben, aus sechs Vereinen werden zwei werden, denn nur im Schulterschluss werde man gehört werden.

 

Barny Bitterwolf stellte den Oberschwaben in seiner humorvollen Moderation ein sehr gutes Zeugnis aus und spießte dabei genüsslich die grassierende Gender- Diskussion auf: Mit der Begrüßung „Grüß Gott mitanand!“ waren sie der Zeit schon immer voraus. Und legte noch mit einem Nelson-Mandela-Zitat nach: „Bildung ist die mächtigste Waffe, mit der die Welt verändert werden kann.“ Mit unterhaltsamen Anekdoten und manch historischen Exkursen sorgte er für die ideale Hohstuben-Atmosphäre.

Der im vergangenen Jahr als Nachfolger von Waldemar Westermayer gewählte Vorsitzende des Bauernverbandes Allgäu-Oberschwaben, Franz Schönberger, ging in seinem Grußwort auf den Idealismus und die Begeisterung ein, mit dem Landwirte heute Betriebe – allen Widrigkeiten zum Trotz – weiterführen. Denn ein professioneller Landwirt erhalte eine gute Ausbildung, dank der er eine Familie ernähren und die Landwirtschaft weiterentwickeln kann. Er appellierte an alle: „Das, was wir produzieren, hat einen hohen Wert. Geben Sie das weiter, was wir gut machen, damit die Leute das auch wieder anerkennen.“ Er bekräftigte seine Skepsis gegenüber dem von der Politik angedachten Biosphärengebiet: „Wir Landwirte wissen, was Nachhaltigkeit bedeutet.“ Daher werde man dem Landwirtschaftsminister in Kürze das Biokälber-Projekt vorstellen.

Sabine Weiland, Leiterin im Bereich Hauswirtschaft, gratulierte den Hauswirtschaftsmeisterinnen, die sie wahre Multitalente (Stall, Buchführung und Traktor) nannte, zu ihren Goldenen Meisterbriefen. „Sie haben ihr Wissen und ihre Erfahrung an nachfolgende Generationen weitergegeben. Sie sind der hohen Verantwortung gerecht geworden. Sie können stolz auf ihre Lebensleistung sein.“

Oft werde gutes hauswirtschaftliches Fachwissen für selbstverständlich gehalten. Daher sei die Nachfrage nach Fachkräften sehr hoch, insbesondere seit im Jahre 2000 die Unterscheidung im Anforderungsprofil zwischen Stadt und Land aufgehoben wurde.

 

Vor der Überreichung der Goldenen Meisterbriefe hielt Albrecht Siegel, Leiter des Landwirtschaftsamtes Ravensburg, den Festvortrag. Er wünschte sich, dass die altgedienten LandwirtschaftsmeisterInnen auch nach der Fusion ihren Vereinen die Treue halten. „Sie haben ein langes Berufsleben hinter sich. In ihrer ersten Ausbildung haben Sie ein wichtiges Fundament gelegt. Sie waren mit ihrer Qualifikation in vielerlei Hinsicht Leuchttürme und Pioniere.“

Alle 20 Jahre halbiere sich die Zahl der Betriebe, von ehemals 200.000 Betrieben seien noch 40.000 übrig geblieben, davon 12.000 im Haupterwerb, 10 % davon im Landkreis Ravensburg. Es sei ein Kampf gewesen, im Haupterwerb Landwirt zu bleiben. „Sie sind geblieben, konnten ihre Familie ernähren und können auf ein erfülltes Leben zurückblicken. Und sie haben ihren Kindern etwas mitgeben können.“

Die Fachschule RV ist die älteste in Württemberg, 2019 fand das 150-Jahre-Jubiläum statt Er sei er begeistert gewesen, wie motiviert die jungen Leute gewesen seien, sagte Siegel. „So wie Sie früher.“ Die Schüler heute könnten zwar vieles über den Computer analysieren, verlernten dabei aber oft das Kalkulieren, er nenne das gerne „Kopfrechnen auf dem Schlepper.“ Was sich nicht geändert habe: die Erziehung zur Arbeit und die Hege für die Tiere.

Die oft erhobene Forderung, Landwirte sollten nachhaltig wirtschaften, konterte er: „Wenn die Landwirte nicht nachhaltig wirtschaften würden, gäbe es kein Landwirte mehr. Die brauchen die nachhaltige Wirtschaftsweise wie die Sonne und den Regen.“ Derzeit spielten die Märkte verrückt. „Die Preise steigen und sind dort wo wir sie haben wollten, allerdings nicht auf diese Weise.“ Aber die Landwirte würden auch wieder bessere Zeiten erleben. „Gratulation, Sie können stolz auf Ihre Qualifizierung sein.“

Mit der Übergabe der Goldenen Meisterbriefe an die Hauswirtschaftsmeisterinnen und im Anschluss an die Landwirtschaftsmeister war die Veranstaltung jedoch noch lange nicht zu Ende: Getreu der Vorgabe von Barny Bitterwolf hatten die Meisterinnen und Meister noch viel Gelegenheit, miteinander zu „hohstuben“.

 

Geehrt wurden bei den Hauswirtschaftsmeisterinnen:
Jahrgang 1971: Irmgard Arnegger, Hildegard Natterer, Theresia Schwegler
Jahrgang 1972: Hildegard Albrecht, Margret Bodenhöfer, Agnes Brackenhöfer, Wiltrud Glocker, Barbara Hagmüller, Maria Kraft, Hildegard Rebmann, Theresia Rinderer, Regina Weiß.

Bei den Landwirtschaftsmeistern:
Jahrgang 1971: Norbert Arnegger, Karl Bodenmüller, Hubert Felder, Theobald Harlacher, Karl Kasper, Franz Kraus, Anton Rottmar, Reinhard Schmid, Peter Sonntag, Georg Sontheim, Walter Stübler, Manfred Weber, Anton Wöllhaf.
Jahrgang 1972: Eugen Brauchle, Alois Hagmüller, Josef Heimpel, Max Jung, Walter Morgenröther, Anton Oberhofer, Karl Schneider, Eberhard Sterk, Gebhard Wagner.

Absagen mussten bei den Hauswirtschaftsmeisterinnen:Maria Baisch, Rosemarie Fischer, Doris Heine, Klara Nägele, Hildegard Reich.
Bei den Landwirtschaftsmeistern: Josef Bauknecht, Josef Brauchle, Helmut Dürrstein, Bruno Eisele, Hermann Geßler, Karl Häfele, Max Hagmüller, Josef Kraft, Georg Mehr, Martin Reutlinger, Rudolf Schiedel, Leonhard Schmid.

 

Bericht und Bilder Uli Gresser

 

 

 
 
 

 

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