Ravensburg – „Es macht mir große Angst, wie rechte Ideologien und Verschwörungsgeschichten seit Corona wieder Gehör finden. Klar ist, dass die Regierung nicht nur richtige Entscheidungen trifft, allerdings ist das kein Grund dafür die Wissenschaft zu leugnen und mit Rechten auf die Straße zu gehen.“ so Hanna Schak , die zum Auftakt der Veranstaltung für das Bündnis für einen solidarischen Umgang mit der Pandemie sprach.

Bei der aktuellen Auslastung der Intensivstationen sowie einer nicht enden wollenden Überlastung des Pflegepersonals halten wir es für unverantwortlich und gefährlich, wenn sich tausende Menschen ohne Masken und dicht gedrängt auf den Straßen aufhalten. Dies war bei der Kundgebung ganz im Gegenteil nicht der Fall.

Die 250 Teilnehmerinnen und Teilnehmer standen in einem weiten Rund vor dem Kornhaus, alle mit Masken geschützt. Während der baden-württembergische Innenminister Thomas Strobl mit Blick auf weitere Montagsdemonstrationen der Coronaleugner vor wachsenden Agressionen warnt, machen in Ravensburg erstmals die Befürworter auf sich aufmerksam, um den Querdenkern nicht die Straße und die Diskussion zu überlassen. Querdenker hatten sich offensichtlich nicht unter die Teilnehmer gemischt, die Versammlung blieb friedlich bis zum Ende, so auch die Einschätzung der Polizei, die mit mehreren Einsatzwagen vor dem Rathaus postiert war.

Schak beklagte, dass es Menschen gibt, die soviel Angst haben, dass sie in die falsche Richtung marschieren, nämlich nach rechts. Der Journalist Wolfram Frommlet, der als nächster Redner für das Bündnis sprach, bezeichnete diese als von Ideologen verführte diffuse Mischung aus Impfgegnern, die „Lügenpresse, wir sind das Volk, das sie nicht sind, und Freiheit und Frieden“ skandieren. Sie meinen sich die Freiheit nehmen zu können, andere mit den potenziell tödlichen Corona-Viren zu infizieren, denn in ihrer Logik sei der Virus nicht tödlich, sondern die Impfungen, weshalb die Querdenker-Partei dieBasis Drohbriefe an Ärzte verschicke, mit denen die Impfung als „unnötig", "unwirksam" und "gefährlich" bezeichnet werde.

Demgegenüber werden schwerkranke Patienten mit Helikoptern quer durch die Republik geflogen, weil die Intensivstationen von Krankenhäusern in der ganzen Republik mit Impfgegnern blockiert sind. Während Ärzte und wissenschaftlich anerkannten Virologen, die Menschen mit Ängsten aufzuklären bereit seien, werden sie von einem harten Kern verführt, in dem sich die QAnon-Thesen ebenso finden wie auch anti-semitische Medizin- und Pharma-feindliche Theorien in Kreisen der „Naturmedizin“, in esoterischen und homöopathischen Kreisen, sowie rechtsradikalen Bewegungen, von der AfD, den Reichsbürgern bis zu unverhohlenen Nazis wie „Freies Sachsen“ . Ein großer Teil der „Spaziergänger“ ignoriere die ideologischen Hintergründe. Sie seien verängstigte, vom Staat aus vielen Gründen enttäuschte und isolierte, meist mittelständische Individuen.

Sein Anliegen jedoch ist es, die hochwirksame Impfstoffe, die mit Milliarden  staatlicher Förderung, also mit Steuergeldern, von Pharmakonzernen entwickelt wurden, mit ihren Patentrechten freizugeben, da sich die Länder des Südens, wo die Impfquote zwischen 2 und 3 Prozent liege, den hohen Preis dafür nicht leisten können.

Dies heißt nicht nur Hunderttausende Tote, unter den Armen vorwiegend in völlig ungesicherten Arbeits- und Lebensbedingungen. Dies heißt auch, dass sich genau dort ständig neue Virus-Varianten entwickeln. Die Patentrechte gefährden also auch uns. Er fordert von der deutschen Regierung, sich einer Initiative von Joe Biden in den USA, in der EU, den Patentschutz vorübergehend auszusetzen, anzuschließen. “Wehren wir uns gegen diese Verführer und Ideologen“, schließt er seine von Beifall begleitete Rede.

Eine Krankenplegerin berichtet aus den Intensivstationen, von trotz jahrelanger Berufserfahrung nie gekannten Anforderungen, und trotzdem fordert sie zur Solidarität auf für die, die gerade auf den Intensivstationen liegen. Aber sie schäme sich für die Ignoranten, die Corona leugnen und sich Regeln widersetzen. Zum Schluss bedankte sich Schak beim Oberbürgermeister Daniel Rapp, der sich unter die Teilnehmer gemischt hatte, für seine Anwesenheit und sie hoffe auf eine Stellungnahme der Stadt und der Gemeinderatsfraktionen.

 

Text und Bilder: Gerhard Maucher

 

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