Ravensburg/Region – Fast eine Stunde vor dem Auftritt von Robert Habeck hatten sich schon Hunderte am Marienplatz beim Rathaus versammelt, so auch einige Grüne aus Aulendorf die mit dem Fahrrad und dem Zug angereist waren.

Dem Publikum verkürzte derweil Franzi die Wartezeit mit einigen Liedern aus ihrem reichhaltigen Repertoire. So spielte die Sängerin aus Weingarten, demnächst auch mit Band zu sehen, „Talking about revolution“ oder Die Antwort weiß allein der Wind, die deutsche Fassung von Blowing in the wind. zwei vielsagende Titel auf den Wahlausgang.

Während von Revolution kein Grüner mehr spricht, muss man sich noch rund zwei Wochen gedulden, um den Wahlausgang zu erfahren. Lauter Beifall als Franzi endet mit „der Habeck ist da“.

Doch vor seiner Rede hatte örtliche Vorsitzende Carmen Kremer das Wort zur Begrüßung, unter anderem auch von Oberbürgermeister Daniel Rapp. Nach ihr sprachen die Kandidat:innen der benachbarten Wahlkreise für Sigmaringen Johannes Kretschmann, den Sohn des Ministerpräsidenten, der die freie Reichstadt Ravensburg grüßte und Anja Reinalter, die grüne Bundestagskandidatin im Wahlkreis Biberach, der auch Bad Wurzach einschließt.

Sie tritt dafür ein, das schöne Oberschwaben zu bewahren durch einen konsequenten Klimaschutz. Habeck war auch gekommen zur Unterstützung seiner Kollegin im Parteivorstand Agnieska Brugger, seit 2009 im Bundestag sitzt und als erste Frau um ein Direktmandat in Ravensburg kämpft. Ihre Themen sind Verteidigung. Als Obfrau im Ausschuss lenkt sie in ihrer Rede den Schwerpunkt auf Afghanistan. Wütend sei sie, wie Afghanistan im Stich gelassen wurde. Sie spricht von Verantwortungslosigkeit der Bundesregierung und aller beteiligten Ministerien und fordert einen Untersuchungsausschuss in der nächsten Legislaturperiode.

„Wie es bisher lief, könne es nicht weiter gehen“, und ihre anderen Schwerpunkte setzt sie beim Thema guter Lohn für die Pflegekräfte, wie kann ich mich im ländlichen Raum von A nach B bewegen und ohne starke Grüne sei wie „Klima ohne Schutz“.

 

Habeck, der nun spricht, lobt Brugger`s starken Dickkopf, womit er ihre Beharrlichkeit meint, Themen anzupacken. Auf die Nachfrage von Kremer, ein fehlender Radweg war die Initialzündung, weshalb Habeck bei den Grünen aktiv wurde, und ob dieser schon gebaut sei, musste Habeck konstatieren, dieser sei leider immer noch nicht gebaut.

Von Flensburg nach Ravensburg sei die Distanz kleiner als man denke, und erinnert sich gerne an ein Weißwurstessen mit Lucha, dem Grünen von Ravensburg mit oberbayerischer Herkunft. In einer meist philosophisch gehaltenen Rede streift Habeck alle Politikbereiche, so da Klima , das bis 2040 also in verbleibenden 18 Jahren gerettet werden müsse , wobei der wichtigste Beitrag beim Kohleausstieg bestehe, den die anderen Parteien der Regierung erst 2038 beginnen wollen.

Er fordert die Verantwortung statt Verantwortungslosigkeit von der Regierung ein, und nicht nur beim Klima sondern generell. Eine andere politische Kultur, bei der auch mal etwas falsch gemacht werden dürfe, aber mit der Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen.

Der Vorschlag eines zentralen Klimaministeriums mit Vetorecht begründet er damit, „dass klar sein müsse, wer den Hut auf hat.“ Das BVG-Urteil zum Klima wurde mit der Freiheit begründet. Das bedeute nicht, keine Regeln zu haben, sondern Selbstbestimmtheit, entscheiden zu können. Eine Freiheit für die künftigen Generationen und besonders wird sein zentrales Thema deutlich als er zu den draußen anwesenden Impfgegner der Partei Basis spricht. Sie hätten die Entscheidungsfreiheit, sich impfen zu lassen oder nicht. Aber sie könnten nicht verlangen, dass alle anderen darauf Rücksicht nehmen müssen.Großen Beifall erntete er für diese Aussage.

Nach seiner 50-minütigen Rede vor geschätzt 500 bis 600 Zuhörer:innen beantwortete er noch drei ausgewählte Fragen zur Agrarwende, die Entwicklung bei der Nutztierhaltung ist dem System geschuldet und der zugebilligte Platz von „drei Schweinen in einem Bett“ spreche für sich. Zur konsequenten Bekämpfung der Steuerkriminalität stehe er und die dritte Frage betraf den schon angesprochenen Disput mit den Impfgegnern, deren Pfiffe im Beifall erstarben.

 

Text und Bild: Gerhard Maucher

 

 

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