Kißlegg - Seit 2019 unterstützt die Gemeinde Kißlegg die Gemeinde Rachiine im Norden von Libanon um die immensen Abfallprobleme in den Griff zu bekommen. Begonnen wurde mit der Idee, eine Bio-Gas-Anlage aufzustellen, weil das Biomüllaufkommen relativ hoch ist.

Diese konnte letztlich nicht realisiert werden. Seitens der libanesischen Behörden gab es Einfuhrbeschränkungen für eine zu importierende Klein-Anlage. Gleichzeig stellten die Regierungs- und Wirtschaftskrise im Libanon gepaart mit der Corona Pandemie unüberwindbare Hindernisse dar. Um die bis dahin erbrachten Leistungen der partnerschaftlichen Zusammenarbeit weiter zu nutzen wird nunmehr ein Projekt zur Mülltrennung verfolgt. Gefördert wird das Projekt aus Mitteln des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung.

Eine geordnete Müllentsorgung gibt es im Libanon nicht. Von staatlicher Seite wurde es bis heute versäumt, eine Infrastruktur für die Abwasseraufbereitung und die Müllentsorgung zu errichten. Der Großteil des libanesischen Abfalls wird nicht sortiert, bevor er auf den Deponien landet. Gesetze gegen illegale Müllentsorgung werden nur selten durchgesetzt. Eine hohe Anzahl von syrischen Flüchtlingen verschärft das Müllproblem.

Aktuell wird in der Flächengemeinde Rachiine die Infrastruktur für eine Wertstoffanlage errichtet. Klaus Karl als ehrenamtlicher Beauftragter der Gemeinde Kißlegg und Manfred Rommel als Leiter des Bau- und Umweltamtes haben sich vor kurzem über den Baufortschritt im Libanon erkundigt und waren sehr erfreut über den Stand der Ausführungen. Das Grundstück ist gesichert, der Hochbauteil nahezu fertiggestellt und die Maschinenausrüstung konnte in der Herstellerfirma kurz vor der Auslieferung abgenommen werden. Somit kann bald die Trennung, Sortierung, Kompostierung des Biomülls, Lagerung und Weiterverkauf der Wertstoffe wie Kompost, Plastik, Papier und Metall, planmäßig durchgeführt werden.

Die größte Hervorausforderung dürfte jetzt noch sein, die eigentliche Müllsammlung und -trennung in die Bevölkerung zu bringen. Eine Informationskampagne mit zirka 50 Personen soll innerhalb von Rachiine dazu beitragen, möglichst viele Bewohner für eine geordnete Müllsammlung zu gewinnen. Hierzu wurde die Nichtregierungsorganisation „Green Rachiine Association“ gegründet, deren Zusammensetzung aus Gemeinderäten, führenden Gemeindemitgliedern, einem Anwalt und Arzt, aber auch zwei Priester der Gemeinde, besteht. Diese Allianz soll auch den Betrieb des Wertstoffhofes unabhängig von politischen Mehrheiten sicherstellen.

Bei aller Zuversicht der Beteiligten für das Projekt war klar, dass es im Libanon noch größere Probleme zu bewältigen gibt. Eine instabile Regierung, die herrschende Inflation, Arbeitslosigkeit oder schlechte Energieversorgung schränken den Alltag der Menschen immer mehr ein. Für die kleine Delegation aus Kißlegg war es kaum zu glauben, wie positiv die Grundstimmung dennoch war und das Leben so genommen wird, wie es kommt.

 

Bericht: Clemens Stadler

 

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