Ravensburg - Gekommen war fast alles, was im Landkreis und darüberhinaus Rang und Namen hat. An die 200 Gäste. Allen voran der Ministerpräsident. Abgeordnete. Kreisräte. Bürgermeister. Vorstände der Nachbar-KSKs. Bosse der Bankenverbände. Wirtschaftsleute. Man feierte 200 Jahre Kreissparkasse Ravensburg.

Da die freundliche Dame vom Festkomitee die Gästeliste nicht herausrücken wollte, aus gutem Grunde („Datenschutz“), sind die geneigten Leser und Leserinnen auf die Beobachtungsgabe des Chronisten angewiesen. Man sah überwiegend gedecktes Blau, dazwischen da und dort bunte Frühlingskleider. Und sogar den schwarzen Habit einer Klosterfrau.

Freitag, 13. Mai, am Sitz der Kreissparkasse in Ravensburg, 19.00 Uhr. Ministerpräsident Winfried Kretschmann betritt die Kundenhalle im Haus an der Meersburger Straße. Kundenhalle, das klingt so profan. Es ist das lichte Atrium im von Architekt Heinz Mohl im Jahre 1987 geschaffenen Geldtempel, ein wahrhaft würdiges Ambiente. Vorne links ein Flügel. Vorne rechts nimmt der MP neben Bankchef Heinz Pumpmeier Platz, daneben Harald Sievers, in seiner Funktion als Landrat auch so etwas wie ein Bankchef.

In Bayern hätte man beim Einzug des Ministerpräsidenten wohl den Defiliermarsch geblasen. In Ravensburg liebt man es dezent. Das passt zu dem schlanken, in Ehren ergrauten hohen Gast. Und zur zurückhaltend-altehrwürdigen Gastgeberin, der Kreissparkasse, die ihr 200-jähriges Bestehen feiert.

Beim Blick durch den vollbesetzten Saal sind zu sehen: Minister Manne Lucha, Regierungspräsident Klaus Tappeser, die Abgeordneten Agniezska Brugger MdB, Axel Müller MdB, der ehemalige Bundestagsabgeordnete Rudolf Bindig, Kreis-CDU-Chef Christian Natterer, Raimund Haser MdL, Petra Krebs MdL, August Schuler MdL, Altlandrat Kurt („Jack“) Widmaier, seine ewige Rechte Hand Eva-Maria Meschenmoser, Peter Schneider (Präsident des Sparkassenverbandes Baden-Württemberg), die Oberbürgermeister Daniel Rapp (Ravensburg) und Michael Lang (Wangen), viele Bürgermeister aus Stadt und Land, so Matthias Burth aus Aulendorf, Roland Haug (Ebersbach-Musbach), Daniel Steiner (Wolpertswende), Oliver Spieß (Fronreute), Peter Müller (Wolfegg); gekommen waren natürlich auch Vertreter der örtlichen Wirtschaft, so die beiden OSK-Geschäftsführer Prof. Dr. Oliver Adolph und Michael Schuler, Hans-Joachim Hölz von der Wirtschaftsförderung WiR, seitens des Handwerks Joachim Krimmer (Kammerpräsident) und Michael Bucher (Kreishandwerksmeister) und auch Vertreter der Familie Habisreutinger, von deren Vorfahr nachher noch die Rede sein wird. Aus Bad Waldsee sah man die Kreisräte Wilhelm Heine, Elke Müller, Roland Schmidinger, Benno Schultes und Sonja Wild. Bad Wurzach war vertreten durch den ehrenamtlichen Bürgermeister (und Kreisrat) Karl-Heinz Buschle.

Wir weisen höflich darauf hin: Die Aufzählung erfolgt gemäß subjektiver Wahrnehmung des Chronisten.

Eröffnet wird der Reigen der Reden vom Hausherrn, der nicht nur mit kurzweiliger Eloquenz glänzt, sondern auch mit Blumen für die Damen versiert umzugehen versteht. Natürlich wirft Heinz Pumpmeier den Blick auf die Anfänge seines Institutes und zitiert das „unterthänigste“ Gesuch, das die Amtsversammlung des Oberamtes Ravensburg anno 1822 an das Königreich Württemberg gerichtet hatte mit dem Ziel, eine Geldsammel- und -ausreichungsstelle einzurichten für Dienstboten, Gesellen, Witwen und Waisen, „die mit dem Geldanlegen nicht umzugehen wissen“ sowie den „Wucher einzudämmen“ und „Geldbedürftigen auszuhelfen.“ Dem Gesuch wurde „von allerhöchster Stelle“ umgehend stattgegeben und so konnte man alsbald eine Bankstelle in der Marktstraße 22 eröffnen mit einem ehrenamtlichen Kassenwart, der nur montags Dienst tat.

Was so klein begonnen hat, ist heute eine der führenden Sparkassen Deutschlands mit einer Bilanzsumme von 5,3 Milliarden €, mit einer herausragenden Eigenkapitalausstattung und einer starken Marktverankerung (35 Filialen). Bankvorstand Heinz Pumpmeier stellt in den Mittelpunkt seiner Ansprache den Dank an die Mitarbeiter, die sachzielorientiert und veränderungsbereit am Erfolg des Unternehmens arbeiteten und dabei stets den Menschen auf der anderen Seite des Bankschalters im Blick hätten. Weiter dankt er dem Landkreis als Träger, konkret dem Kreistag und dem Verwaltungsrat. Die kommunale Verankerung sei das Herzstück der KSK-Geschäftsphilosophie. Diesem Dienst vor Ort wolle man im Sinne des Jubiläums-Mottos „Geschichte schreiben, Zukunft gestalten“ unverändert folgen.

Am Schluss richtet der Regionalbänker den Blick noch weit über den Tellerrand hinaus. „Ich wünsche allen Menschen in Europa Frieden.“ Bei diesem Satz könnte man eine Stecknadel fallen hören.

Dann übergibt Heinz Pumpmeier das Wort an den Festredner Winfried Kretschmann.

Für den Ministerpräsidenten ist der Festakt in Ravensburg der Schlusspunkt einer Kreisbereisung, die ihn unter anderem auch zur Solidarischen Gemeinde nach Reute geführt hat („eine vorbildliche Initiative“).

Warum gerade in Ravensburg, warum schon im frühen 19. Jahrhundert, als das Königreich Württemberg selbst noch in den Anfängen stand, warum entstand ausgerechnet in Oberschwaben die erste Sparkasse im ganzen Land, sinniert Winfried Kretschmann und er findet drei Antworten: Es war das reichsstädtische Milieu mit selbstbewussten, eigenverantwortlichen Bürgern; es war die stolze Handelstradition Ravensburgs, die den Blick geweitet habe; und es sei eben ein tüchtiger Menschenschlag in Oberschwaben.

Natürlich befasst der geschichtsbewusste Kretschmann sich auch mit den Anfängen, erwähnt, dass Johann Baptist Habisreutinger aus Altdorf (heute Weingarten) 1822 der erste Gewerbekunde der Sparkasse war, als er einen Kredit brauchte für den Kauf der Klostersägerei; Winfried Kretschmann weiß auch von jenem Kleinbauern aus Kofeld zu berichten, den Schulden bei Dritten drückten und der von der Sparkasse aufgefangen wurde. Aus kleinen Anfängen sei ein Kreditinstitut erwachsen, das eben nicht Profit als Oberziel verfolge, sondern auch das Gemeinwohl im Auge habe. So engagiere sich die KSK bei der Förderung von Sport, Musik und Kunst in vorbildlicher Weise.

„Wir leben in Zeiten stürmischen Wandels“, ein barbarischer Krieg tobe in Europa, das Gespenst der Inflation schleiche herbei, es drohten Engpässe bei Energie und Nahrung, die Zins-Krise drücke die Sparer – der Ministerpräsident hielt nicht nur eine Schönwetter-Festrede. Er appellierte an die Tarifparteien, angesichts einer drohenden „Lohn-Preis-Spirale“ Umsicht walten zu lassen und mit Blick auf die Ukraine lobt er die Geschlossenheit der westlichen Demokratien. Man müsse die Energieabhängigkeiten abbauen und die Energieversorgung neu ausrichten, mahnt er und spricht Klartext: Angesichts der dramatischen Rahmenbedingungen sei mit Wohlstandsverlusten zu rechnen.

Mit einem Kompliment, wie gut die seriös wirtschaftende Kreissparkasse sich in all den zurückliegenden Krisen behauptet habe, schließt der Ministerpräsident seine Ansprache. „Die Kreissparkasse ist eine Perle von Oberschwaben.“

Sparkassenpräsident Peter Schneider würdigt ebenfalls die mutigen und weitsichtigen Menschen der Anfangszeit. In diesem Zusammenhang erwähnt er auch die Gründung der OEW (Oberschwäbische Elektrizitätswerke), die ebenfalls in Ravensburg vonstatten gegangen ist (1909). Doch mit einem stolzen Blick zurück komme man nicht vorwärts. „In der Wirtschaft kann man nicht von der Geschichte leben. Nicht auf das Alter kommt es an, sondern auf die Vitalität.“ Und hier sieht er die Kreissparkasse Ravensburg hervorragend aufgestellt, deren Eigenkapitalausstattung die beste oder zweitbeste unter den 50 Sparkassen des Landes sei. Platz 1 in dieser Liste wechsele mit einer benachbarten Kreissparkasse hin und her, sagt er verschmitzt, und die meisten im Saale erahnen, dass Schneider, ehedem Landrat in Biberach gewesen, damit das Institut an der Riss gemeint haben dürfte.

Als stärkster Finanzierer der heimischen Wirtschaft vergesse die KSK Ravensburg nicht ihren Gemeinwohl-Auftrag. Als ein Beispiel nannte Schneider den sogenannten Heiligenverein, der sich um die Sanierung von Kapellen und sakralen Kunstwerken verdient macht. Ungeachtet von Launen und auch katastrophalen Widrigkeiten der Märkte (Finanzkrise 2008/09) habe sich die KSK Ravensburg bestens behauptet. Als Peter Schneider sagt, „Sie, lieber Herr Pumpmeier, haben eine wunderbare Lebensleistung“, brandet lang anhaltender Beifall auf.

Landrat Sievers, der auch Vorsitzender des Verwaltungsrates der Kreissparkasse Ravensburg ist, machte eine interessante Rechnung auf: Die 190.000 Kunden der KSK leben in 100.000 Haushalten des 280.000 Einwohner zählenden Landkreises. „Das heißt: Die Kreissparkasse hat im Schnitt in jedem Haushalt zwei Kunden.“ Die KSK sei „eine gesellschaftliche Klammer im Kreis“. Neben ihrer Funktion bei Unternehmensgründung und Existenzaufbau engagiere sich die Kreisbank in vielfältiger Weise in der Gesellschaft. „Wenn ich zu einem Kreismusikfest komme, dann sehe ich: Die Kreissparkasse war schon da.“ Stets gebe es sichtbare Zeichen der Unterstützung des Festes durch die Bank. Mit Spenden und Sponsoring falle die KSK überaus positiv auf. Sie sei die Nummer 1 im Land, ihr Charity-Etat pro Einwohner doppelt so hoch wie im Landesdurchschnitt.

Und wenn in einem Verein ein Kassier gesucht werde, dann sei es oft der Mann oder die Frau von der Sparkasse, der / die den Job mache. Die Mitarbeiter der KSK seien in der Gesellschaft verankert und sie würden getragen von einer Grundhaltung: solide, integer, risikobewusst, was sich in Beruf wie Ehrenamt in einem „konservativen" Geschäftsgebaren zeige. So sei es nicht verwunderlich, dass jeder Auftritt von Heinz Pumpmeier im Kreistag „ein absolutes Heimspiel ist“.

Landrat Sievers nutzt die Gelegenheit, dem Auditorium mitzuteilen, dass Heinz Pumpmeier „in eine neue Spielzeit geht“. Der Vertrag mit dem langjährigen Vorstandsvorsitzenden sei noch einmal verlängert worden. Beifall für den verdienten Mann.

Lange steht man noch zusammen, bei zartem Fleisch an Glasnudeln oder raffiniert zubereiteten vegetarischen Maultäschla, bei schönem Wein und schmackhaftem Bier, das von Brauereichef Gottfried Härle ausdrücklich gelobt wird. Der grüne Unternehmer aus Leutkirch fühlte sich sichtlich wohl; lange unterhält er sich mit seinem Parteifreund Winfried Kretschmann.

Es war ein Fest, würdig des Anlasses. Die Bildschirmzeitung aus Bad Wurzach, ein junges Unternehmen, gratuliert und sagt: Ad multos annos!

Gerhard Reischmann

Bild oben: Ministerpräsident Winfried Kretschmann macht der Kreissparkasse Ravensburg seine Aufwartung. Der Anlass: das 200-jährige Bestehen des Institutes.                                                                         Foto: KSK (Markus Leser)

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Einzug ohne Defiliermarsch: Ministerpräsident Kretschmann und Heinz Pumpmeier, Vorstandsvorsitzender der Kreissparkasse Ravensburg.
                                                                                         Foto: KSK (Markus Leser)

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Ministerpräsident Kretschmann begrüßt die Oberbürgermeister Daniel Rapp (Ravensburg), rechts, und Michael Lang (Wangen).       Foto: KSK (Markus Leser)

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Aufgereiht fürs Festalbum „200 Jahre“: KSK-Vorstandsvorsitzender Heinz Pumpmeier, Landrat Harald Sievers, Ministerpräsident Winfried Kretschmann, Sparkassenpräsident Peter Schneider, KSK-Vorstand Dr. Patrick Kuchelmeister.
                                                                                         Foto: KSK (Markus Leser)

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Blick in den Festsaal, vulgo Kundenhalle.                       Foto: KSK (Markus Leser)

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Charmante Moderation: Tatjana Geßler vom SWR führte durch den Abend und verstand es, den Protagonisten (hier mit Ministerpräsident Kretschmann) mit Kurz-Interviews hübsche Reaktionen zu entlocken. Auf die Bemerkung der Moderatorin, Grün habe Hochkonjunktur, antwortete der MP der schlicht-chic Gewandeten: Ihm gefalle auch Blau. – Landrat Harald Sievers, den so manche Sorge drückt – Stichwort: Klinikkrise – wurde keck gefragt: „Können Sie eigentlich noch gut schlafen?“ Der antwortete schlagfertig: „Wenn ich vom Sparkassentag komme, ja.“ Der Sparkassentag ist eine Dienstbesprechung, bei der nicht nur Bilanzzahlen serviert werden; es gibt am Abend auch Speis und Trank, passend zu den guten Zahlen.                                                       Foto: KSK (Markus Leser)

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Rot-grüne Farbkombination: Bankchef Pumpmeier, dessen Institut die Leitfarbe Rot hat, mit den Grünen-Politikern Agnieszka Brugger, Petra Krebs und Manne Lucha (von links).                                                             Foto: KSK (Markus Leser)

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OB Rapp im Dialog mit MdB Brugger                              Foto: KSK (Markus Leser)

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„Das i-Phone kann nicht lächeln.“ Heinz Pumpmeier würdigte seine Mitarbeiterschaft als entscheidenden Erfolgsfaktor. Dabei wandte er sich nicht nur an die 750 aktuellen Mitarbeiter, sondern auch an die 327 Pensionäre.
                                                                                         Foto: KSK (Markus Leser)

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Der Zukunft zugewandt: Sparkassenpräsident Peter Schneider würdigte die Vitalität der Kreissparkasse.                                            Foto: KSK (Markus Leser)

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Lob der Oberschwaben: Für Ministerpräsident Kretschmann ist es kein Zufall, dass die erste Sparkasse in Württemberg in Ravensburg gegründet wurde.
                                                                                         Foto: KSK (Markus Leser)

14KSK11Die Sopranistin Regine Sturm und der Pianist Jürgen Jakob umrahmten den Festakt mit ihrer Musik. Zu hören waren Stücke von Gounod, Bernstein und aus My Fair Lady.                                                                   Foto: KSK (Markus Leser)

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Beifall für die Musik: Regierungspräsident Klaus Tappeser, Sparkassen-Präsident Peter Schneider, Sparkassen-Vorstand Heinz Pumpmeier, Ministerpräsident Winfried Kretschmann, Landrat Harald Sievers (von links).
                                                                                         Foto: KSK (Markus Leser)

 

 

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