Ravensburg (ots) - +++ Deutlich weniger Unfälle mit Verletzten, aber mehr Verkehrstote +++ Mehr Unfälle mit Blechschäden registriert +++ Anzahl verletzter Radfahrer wetterbedingt unter Vor-Corona-Niveau +++ Anteilig deutlich mehr Pedelec-Fahrer verunfallt +++ Fahranfänger häufiger bei Unfällen mit Blechschaden beteiligt +++ Unfallursache "Alkohol" angestiegen, Ursache "Einfluss von Rauschmitteln oder Medikamenten" weiterhin auf hohem Niveau +++

"Erfreulich ist vor allem der signifikante Rückgang von Verkehrsunfällen mit Verletzten um fast 13 Prozent", so Polizeipräsident Uwe Stürmer bei der Vorstellung des Verkehrssicherheitsberichts 2021. Nachdem die Polizei im Jahre 2020 in den Landkreisen Ravensburg, Sigmaringen und Bodenseekreis insgesamt 16.001 Verkehrsunfälle registriert hat, ist im Jahr 2021 eine Zunahme um 3,2 Prozent auf 16.556 Unfälle zu verzeichnen. Insbesondere Verkehrsunfälle mit Blechschaden (von 13.664 auf 14.471), aber leider auch Unfälle mit tödlichem Ausgang (von 29 auf 39) haben in der Region Allgäu-Bodensee-Oberschwaben im vergangenen Jahr deutlich zugenommen. Während die Zunahme der Kleinstunfälle aus einer Veränderung der Erfassungsmodalitäten resultiert, sind bei den tödlichen Unfällen aufgrund der geringen Fallzahlen hohe prozentuale Schwankungen vorhanden. Verkehrsunfälle mit schwer verletzten Personen (von 552 auf 461, minus 16,5 Prozent) und mit leicht Verletzten (von 2.312 auf 2.133, minus 7,7 Prozent) haben hingegen deutlich abgenommen. Eine Hauptunfallursache ist nach wie vor nicht angepasste Geschwindigkeit, gefolgt von Vorfahrtsmissachtung. Dazu der Polizeipräsident: "Das Polizeipräsidium Ravensburg legt insbesondere nach dem neuen Urteil des Bundesverfassungsgerichts zum Thema Alleinrennen im Straßenverkehr einen Schwerpunkt auf die Geschwindigkeitsüberwachung und damit verbunden auf eine konsequente Verfolgung von Verstößen. Auch Rasern, die ohne Renngegner viel zu schnell unterwegs sind und so das Leben anderer fahrlässig aufs Spiel setzen, drohen hohe Strafen und der Führerscheinentzug."

Das Jahr 2020 war zudem auffällig geprägt durch eine hohe Anzahl von verletzten Fahrradfahrern, weil viele Menschen aufs Fahrrad umgestiegen sind und sich das Radfahren als Hobby weiter etabliert hat. Im Jahr 2021 ist erfreulicherweise ein Abwärtstrend, sowohl bei leicht verletzten (von 689 auf 594, minus 14 Prozent), als auch bei schwer verletzten Radlern (von 220 auf 144, minus 35 Prozent) zu verzeichnen. Die Zahlen liegen hier sogar unter dem Vor-Corona-Niveau. Ursächlich hierfür dürfte der kühle und verregnete Sommer gewesen sein, der den Radverkehr merklich ausbremste. Nahezu gleich geblieben ist dagegen die Anzahl an Verkehrsunfällen unter der Beteiligung von Pedelec-Fahrern (2020: 307, 2021: 316) im Präsidiumsbereich - nicht jedoch an der Gesamtbilanz der Radfahrerunfälle. Hier ist der Anteil der Radfahrer mit Motorunterstützung auf 39 Prozent gestiegen! "Wir können hier von einem deutlich veränderten Mobilitätsverhalten hin zum motorisierten Fahrrad sprechen", bilanziert Uwe Stürmer. Leider blieb die Anzahl von 4 getöteten Fahrradfahrern exakt auf dem Vorjahresniveau. Die Getöteten, allesamt im Seniorenalter, setzten hier alle die Unfallursache selbst. Uwe Stürmer: "Aus diesem Grund haben unsere Präventionsbeamten unter anderem Fahrsicherheitstrainings mit Pedelecs ins Leben gerufen. Dadurch sollen insbesondere ältere Radfahrer sicherer im Umgang mit dem unterstützenden Elektrofahrrad werden."

Aber auch Unfälle mit Motorrädern sind im Jahr 2021 deutlich zurückgegangen.
Insgesamt wurden ein Viertel weniger Unfälle mit Blechschaden unter Motorradfahrern verzeichnet, die Anzahl von verletzten Zweiradfahrern sank um 22,4 Prozent auf 232 (Vorjahr 299) und die Zahl der getöteten Biker halbierte sich sogar (von 9 auf 4). Da nach wie vor Geschwindigkeit die Unfallursache Nummer Eins bei Unfällen mit Motorradfahrern ist, setzt das Polizeipräsidium Ravensburg weiterhin auf Geschwindigkeitsmessungen an neuralgischen Punkten.

In der Gesamtbetrachtung führen die Hauptunfallursachen Fehler beim Abbiegen, Wenden und Rückwärtsfahren, gefolgt von Missachten der Vorfahrt die Statistik an. An dritter Stelle steht die Ursache "Geschwindigkeit". Nicht mehr verkehrstüchtige Unfallverursacher nehmen den vierten Platz ein. Anders verhält es sich bei Unfällen mit Getöteten und schwer Verletzten. Bei den besonders folgeschweren Unfällen, welche im Fokus der polizeilichen Verkehrssicherheitsarbeit stehen, ist überhöhte Geschwindigkeit die Hauptunfallursache. Mit Abstand folgen Missachten der Vorfahrt und Verkehrstüchtigkeit. Letztere Zahl hat im Vorjahresvergleich sogar zugenommen (von 51 auf 59). Leider ist die Anzahl von Verkehrsunfällen unter Alkoholeinfluss leicht angestiegen (von 240 auf 243). Unrühmlicher Spitzenreiter ist hier der Bodenseekreis, der eine Zunahme um 8,9 Prozent verzeichnet. Damit liegen die drei Landkreise genau im Landesschnitt von +1,3 Prozent. Aber auch Verkehrsunfälle unter Drogen- oder Medikamenteneinfluss sind auf hohem Niveau geblieben. "Ob die hohen Zahlen in diesem Bereich einer erhöhten Entdeckungswahrscheinlichkeit geschuldet sind, weil unsere Beamten verstärkt darauf geachtet haben, oder ob die Zahlen sich tatsächlich auf einem hohen Niveau einpendeln, muss über mehrere Jahre hinweg beobachtet werden", erklärt der Polizeipräsident. "Erst dann lässt sich zuverlässig beurteilen, wo die Ursache liegt."

Deutlich zugenommen hat die Zahl von Fahranfängern, welche einen Unfall verursacht haben (von 683 auf 718). Insbesondere im Landkreis Sigmaringen stieg die Verursacherquote signifikant um gut 22 Prozent (von 139 auf 170). Im Schnitt sind die jungen Verkehrsteilnehmer allerdings überwiegend an Unfällen mit Blechschäden beteiligt, weniger bei Verkehrsunfällen mit Personenschaden. Rund 34 Prozent aller Verkehrsunfälle unter Drogeneinfluss sind der Altersgruppe der 18- bis 24-Jährigen zuzuschreiben, während ihre Beteiligung bei Unfällen unter Alkoholeinfluss bei 19 Prozent liegt. "Auch in diesem Bereich werden wir den Kontrolldruck noch mehr erhöhen", kommentiert Uwe Stürmer den hohen Anteil an Fahranfängern, die unter berauschenden Mitteln stehen.

Die Altersgruppe der Senioren über 65 hat dagegen erfreulicherweise fast vier Prozent weniger Verkehrsunfälle verursacht (935) als im Vorjahr (971). Insbesondere Verkehrsunfälle mit Personenschaden nahmen weiterhin ab und liegen damit weit unter dem Schnitt der Vorjahre. Die meisten von Senioren verursachten Unfälle mit Verletzten ereigneten sich wegen Vorfahrtsverletzungen und Fehlern beim Abbiegen, Wenden und Rückwärtsfahren.

Der gesamte Verkehrssicherheitsbericht mit detaillierten Informationen ist unter dem nachfolgenden Link auf der Homepage des Polizeipräsidiums Ravensburg
einsehbar: https://ppravensburg.polizei-bw.de/polizeipraesidium-ravensburg/statistiken/

 

Pressemitteilung des Polizeipräsidiums Ravensburg

 

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