Ravensburg - Am Samstag, ein Jahr nach der Errichtung des ersten Ravensburger Klimaprotestbaumhauses besetzten einige Klimaaktivist*innen in der Ravensburger Innenstadt Bäume in der Schussen- und Karlstraße, am Frauentor und Marienplatz, um gegen die aus ihrer Sicht zu langsame Umsetzung der Ravensburger Klimaziele zu protestieren.

Sechs Jahre nach dem Pariser Klimaabkommen, das am 12. Dezember 2015 verabschiedet wurde, machen sie darauf aufmerksam, dass ihre Vorschläge für ein 1,5°C-Ziel, die sie gemeinsam mit Scientists for Future an die Stadt Ravensburg gestellt haben, noch nicht umgesetzt wurden.

"Wenn Dr. Rapp und der Gemeinderat weiterhin keine effektiven Maßnahmen ergreifen, fliegt uns das Klima in wenigen Jahren um die Ohren", so Samuel Bosch, der 18-jährige Erstbesetzer des Vorjahres. "Keiner unserer Vorschläge bedarf Hexerei zur Umsetzung. Der Ravensburger Gemeinderat könnte schon morgen anfangen diese wichtigen Maßnahmen zur Einhaltung des 1,5°C-Limits umzusetzen", ergänzt die 19-jährige Charlie Kiehne. „Weniger Autos ist mehr Platz für spielende Kinder und Bäume".

Eines hat sich indes doch geändert: War es 2020 noch ein einzelner Baum, der von jugendlichen Klimaschützer*innen besetzt wurde, protestieren heute Vertreter*innen aller Altersgruppen auf einem Dutzend städtischer Bäume für mehr Klimagerechtigkeit. Sie engagieren sich aus den verschiedensten Gründen: "Ich fände es beschämend, wenn wir die Verhinderung des drohenden Klimakollaps allein der jungen Generation aufbürden. Zu meiner Zeit verschlief die Politik es auch schon Rahmenbedingungen für klimafreundliches Handeln zu schaffen", so der 55-jährige Familienvater Martin Lang. Und „wenn wir jetzt nicht endlich handeln, wird mein einjähriger Sohn eine Jugend geprägt von Umweltkatastrophen, Welthunger und Kriegen erleben. Wir können nicht tatenlos zusehen, wie uns und unseren Kindern die Zukunft genommen wird", sagt Maraike Siebert Mutter und Auszubildende aus Ravensburg. "Natürlich können wir in Ravensburg nicht die Versäumnisse auf Bundes- und internationaler Ebene kompensieren, was aber Ravensburg im vergangenen Jahr, trotz zahlreicher Proteste, vorlegte ist blamabel und entspricht weder dem Geist noch den Minimalzielen von Paris", so die 21-jährige Hannah Schak.

Während ein Aktivist mit seinem Transparent den Gespinstmarkt begrünen wollte, wie es OB Rapp versprochen hatte, richtete sich ein anderes Transparent gegen den Neubau bis zum Klima-Gau und die umstrittenen Baupläne Hüttenberger Weg und am Coswiger Platz. Samuel Bosch forderte auf seinem Transparent „Die Hälfte der Straße fürs Rad - Weniger Gelaber und mehr Tat“. Hoch in einem mit Weihnachtssternen behangenen Baum vor dem Blaserturm saß ein Aktivist mit Regenbogenfahne und dem Transparent „Ravensburg Modellstadt für Verbalökologie“. Zwei Stunden etwa solle die Aktion dauern, so einer der Aktivisten. Die Polizei war schon frühzeitig vor Ort und hatte einzelne Aktivist*innen am Versuch die Bäume zu besteigen gehindert und mit einem Platzverbot belegt, so der Pressesprecher der Polizei Ravensburg Oliver Weißpflog.

 

Text und Bilder: Gerhard Maucher

 

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