Ravensburg - Schwester M. Gudrun Härle, 28 Jahre lang Kran-kenhausseelsorgerin am St. Elisabethen-Klinikum in Ravensburg, ist im Alter von 77 Jahren gestorben. Im Jahre 1986 kam sie an das damals noch von ihrem Orden getragene Ravensburger Klinikum. Über allen tiefgreifenden Änderungen der folgenden Jahrzehnte hinweg, von der Gründung der Oberschwabenklinik im Jahre 1997 bis hin zum Neubau des Klinikums in der jüngsten Vergangenheit, zählte sie zu den Persönlichkeiten, die dem Haus innere Kontinuität und ein Gesicht gaben.

1943 wurde Schwester Gudrun im Ingoldingen im Kreis Biberach geboren. 1963 trat sie in die Gemeinschaft der Franziskanerinnen von Reute ein. Sie schloss eine Ausbildung zur Erzieherin ab, arbeitete im Kindergarten in Reute, übernahm im Mutterhaus des Ordens die Leitung des Noviziats und besuchte schließlich 1986 zur Vorbereitung auf ihre neue Aufgabe im Krankenhaus das Institut für klinische Seelsorgeausbildung in Heidelberg.

Schwester Gudrun begegnete den Menschen stets mit einem Lächeln, gleichermaßen zugewandt wie lebensbejahend. Diese Grundhaltung versetzte sie in die Lage, ungezählten Patienten und ihren Angehörigen auch in schwersten Stunden beizustehen. Gerade die Begleitung Sterbender empfand sie als ihren Auftrag und nahm diese Herausforderung immer wieder aufs Neue an. „Heiterkeit und Kraft am Lebensende, das strahlte Schwester Gudrun für viele Sterbende und Angehörige aus“, schreibt Schwester M. Hanna Löhlein, die Generaloberin der Franziskanerinnen von Reute, im Nachruf.

Schwester Gudrun zählte zum Gründerkreis des Ethikbeirates am St. Elisabethen-Klinikum und war eine Wegbegleiterin der Ökumene in der Krankenhauseelsorge. Beim Neujahrsempfang des Bundespräsidenten im Schloss Bellevue erhielt sie im Jahre 2014 eine Auszeichnung für ihr Engagement und ihre Verdienste um die Klinikseelsorge. Wenig später trat sie im Alter von 70 Jahren in den Ruhestand. „Hinhören“ sei immer ein elementarer Teil ihrer Arbeit gewesen, meinte Schwester Gudrun beim Abschied. „Wir wünschen Dir die Weisheit, das Wort Ruhestand nicht zu verdrängen“; mahnte damals Krankenhauspfarrer Dieter Sasser.

Die Bemerkung kam nicht von ungefähr. Nur wenige Wochen nach der Abschiedsfeier im EK ging sie bis Februar 2015 als Aushilfe ins Gut-Betha-Haus und übernahm die Rolle der Oberin. Auch danach gönnte sie sich nur eine kurze Auszeit. Sie betreute Trauergruppen und begleitete als Seelsorgerin bis zuletzt die Sterbenden im Hospiz Schussental in Ravensburg. Zusammen mit der St. Elisabeth-Stiftung hatte Schwester Gudrun die Gründung des Hospizes angeregt und unterstützt. Beim außerordentlichen Wahlkapitel der Franziskanerinnen von Reute wurde sie 2016 in den Generalrat des Ordens gewählt.

 

Nachruf der Oberschwabenklinik gGmbH

 

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