Bad Wurzach/Bad Waldsee/Leutkirch - Der Corona-Shutdown und die geltenden Beschränkungen der Corona-Verordnung treffen auch die Kulturtreibenden in der Region hart. Egal ob Konzerte, Musikfeste, Sportveranstaltungen oder Festivals, der Programmkalender für Veranstaltungen in der Region war gut gefüllt. Doch seit Anfang März stehen die Planungen still, das Corona-Virus und dessen Folgen, haben den Veranstaltern einen gewaltigen Strich durch die Rechnung gemacht. dieBildschirmzeitung hat nachgefragt, wie es mit geplanten Veranstaltungen in der Region weitergehen soll.

 

Die Stadt Bad Wurzach hatte auch für 2020 wieder die traditionellen Frühschoppenkonzerte am Sonntagmorgen im Musikpavillon im Kurpark geplant. Das erste Konzert hätte bereits am Ostersonntag stattfinden sollen, doch alle Frühschoppenkonzerte wurden seitens der Stadt bis mindestens Ende August abgesagt. Johanne Gaipl, von der Bad Wurzach Info erklärt: „Neben dem Problem, dass natürlich viele Auflagen erfüllt werden müssten, um die Konzerte zu ermöglichen, haben auch die teilnehmenden Musikvereine das Problem, dass sie momentan nicht mal ihre Proben abhalten können.“ Ob die drei für September geplanten Frühschoppenkonzerte stattfinden werden, sei momentan noch nicht sicher, schließlich wisse man noch nicht, wie sich die Corona-Beschränkungen bis September entwickeln. Die teilnehmenden Musikvereine bleiben glücklicherweise auf keinen Kosten sitzen, die Einnahmen und Spenden der Konzerte fallen aber weg.

 

In Unterschwarzach hätte am 20. und 21. Juni 2020 die deutsche Elite im „Tractor Pulling“ zu Gast sein sollen. Neben den Deutschen Meisterschaftsläufen, bei denen bis zu 9000 PS starke, selbst gebaute Traktoren tonnenschwere Bremswägen um die Wette ziehen, war auch ein buntes Rahmenprogramm mit einer Bagger- und Baumaschinenausstellung, ein Public-Viewing des Fußball-EM-Spiels Deutschland gegen Portugal sowie eine „Puller Party“ und ein „Night Pulling“ geplant. Auf Nachfrage beim Veranstalter „Dangel Event.“ aus Bad Wurzach, bestätigte dieser, dass die Veranstaltung alternativlos auf das kommende Jahr verschoben wurde. Das Programm soll großteils unverändert bleiben, nur das EM-Public-Viewing sei noch nicht planbar. Ein neuer Termin stehe noch nicht fest. Ärgerlich sei es für Dangel Event, dass bereits Werbekosten bezahlt wurden, die nicht mehr rückgängig gemacht werden können.

 

Der Musikverein Arnach hat für Ende Juli eigentlich ein kleines Fest zum 170-jährigen Jubiläum des Vereins geplant. Aufgrund der corona-bedingten Kontaktbeschränkungen hat sich der Verein aber dazu entschieden den Festakt abzusagen, ein Nachholtermin ist nicht geplant. Vorstand Stefanie Jöchle berichtet: „Wir wollten im Rahmen des 170-jährigen Vereinsjubiläums ein kleines Dorffest mit befreundeten Musikkapellen durchführen. Neben dem Festakt hätten wir auch gerne unsere verdienten Mitglieder geehrt. In der aktuellen Situation macht dieser Festakt aber aus unserer Sicht keinen Sinn. Der Platz in der Festhalle Arnach wäre unter Einhaltung der Abstandsregeln viel zu klein und proben dürfen wir momentan auch nicht.“ Da das Fest sowieso sehr flexibel geplant wurde und ohne Festzelt entweder im Freien oder bei schlechtem Wetter in der Halle stattgefunden hätte, habe der Verein keine finanziellen Vorleistungen für den Festakt getätigt. Was mit den im Herbst geplanten Veranstaltungen des MVA, wie etwa dem traditionellen Show- und Stimmungsabend oder dem Theater passiert, stünde momentan noch nicht fest. „Eventuell können wir bei einer dieser Veranstaltungen die Mitgliederehrungen und das Jubiläum in abgeschwächter Form feiern. Allerdings wissen wir momentan noch nicht, ob die Veranstaltungen im Herbst und Winter wie geplant stattfinden können. Sollten die Abstandsregelungen bis dahin immer noch gelten, werden wohl auch diese Veranstaltungen kaum realisierbar sein.“, so Jöchle.

 

Auch das in Gaisbeuren stattfindende Waldstockfestival, das für den 8. und 9. August 2020 geplant war, wurde seitens des Veranstalters Waldstock e.V. abgesagt. Eine Alternativ-Veranstaltung sei nicht geplant, 2021 solle es aber selbstverständlich wieder ein Waldstockfestival geben. Der Termin wird wieder das Wochenende nach dem Bad Waldseer Altstadt- und Seenachtsfest sein. Das dreitägige, kostenlose Festival gibt es bereits seit den Achtzigern und in Bad Waldsee und Umgebung gehört es zu den Veranstaltungshighlights im Sommer. Maya Vögel, Mitglied im Organisations-Team des Festivals berichtet: „Wir waren gerade dabei unser Line-Up für dieses Jahr zusammenzustellen und die Genehmigungen bei der Stadt einzuholen, als das Corona-Virus akut wurde. Für uns war dann intern relativ schnell klar, dass wir unter diesen Umständen wohl kein Festival durchführen können.“ Da das Waldstockfestival auf Spendenbasis geplant werde und Bühne, Equipment und Co. kostenlos zur Verfügung gestellt werden, habe der Waldstock e.V. keinen finanziellen Schaden aufgrund der Absage zu beklagen erzählt Vögel.

 

In Bad Waldsee hätte am ersten Septemberwochenende die Deutsche Sprintelite im Achter-Rudern zu Gast sein sollen. Zum 120-jährigen Jubiläum des Rudervereins Waldsee hätte eigentlich das Finale der Deutschen Ruder-Bundesliga auf dem Stadtsee stattfinden sollen. Neben den sportlichen Wettkämpfen mit Rudermannschaften aus ganz Deutschland war auch wieder ein unterhaltsames Rahmenprogramm geplant. Der erste Vorstand Dieter Seebold berichtet: „Wir wollten unseren einhundertzwanzigsten Geburtstag gebührend feiern und das zweite Mal nach 2018 das Finale der Ruder-Bundesliga in Bad Waldsee austragen. Anfang April jedoch sagte der Deutsche Ruderverband die komplette Bundesliga-Saison ab, womit auch der Renntag bei uns hinfällig wurde. Was mit unserer traditionellen Kurzstreckenregatta ein Wochenende später passiert, steht momentan noch nicht fest.“ Eine Verschiebung des Events auf das folgende Jahr sei nicht vorgesehen. Zum Glück habe der Verein noch keine finanziellen Vorleistungen für das Event getätigt, berichtet Seebold.

 

Vom 5. bis 16. August 2020 ist in Leutkirch das Altstadt Sommerfestival (ALSO-Festival) geplant. Ein buntes Programm für Jung und Alt wurde auf die Beine gestellt und der veranstaltende ALSO-Leutkirch e.V. hat sich gefreut wieder viele Gäste in Leutkirch begrüßen zu dürfen. Wie der erste Vorsitzende des Vereins Tezer Leblebici berichtet, stehe fest, dass das ALSO-Festival in der bekannten Form nicht stattfinden könne, allerdings prüfen die Verantwortlichen zur Zeit, ob eine „Light-Version“ des Festivals realisiert werden könne. Die Entscheidung dazu soll in den kommenden Wochen gefällt werden, berichtet Leblebici. „Es ist klar, dass die Großveranstaltungen innerhalb des Festivals nicht stattfinden können. So wird z.B. die K4-Nacht (Kunst-, Kultur-, Kommerz- und Kneipennacht) nicht stattfinden können, ebenso entfällt die MegaDanceNight und die Eröffnungsfeier. Allerdings planen wir zur Zeit Teile des Kinderprogrammes, den „Talk vor dem Bock“ und die Konzerte so umzuplanen, dass sie regelkonform durchgeführt werden können. Eine Verschiebung kommt für uns nicht in Frage, entweder die „Light-Version“ oder eben erst nächstes Jahr wieder ein ALSO-Festival. Unsere Planungen stehen, nun müssen wir schauen, ob ein Teil des Festivals genehmigt wird.“ Wie er berichtet, habe der Verein zwar laufende Kosten, die beglichen werden müssen und bei einer Absage dieses Jahr nicht eingenommen werden können, ansonsten habe der Verein aber keine Vorleistungen für die Veranstaltung getätigt.

 

In Isny war vom 31. Juli bis 8. August 2020 das Theaterfestival geplant. Eigentlich hätte das Festival am Burgwanger Baggersee wieder Camping, Workshops und Theater verbinden sollen, wurde nun aber aufgrund der aktuellen Corona-Beschränkungen gänzlich in das Jahr 2021 verschoben. Der neue Termin steht bereits fest, 2021 findet das Theaterfestival Isny vom 30. Juli bis zum 7. August statt. Karin Konrad, Pressesprecherin des Theaterfestivals berichtet: „Wir waren mit den Planungen fertig und zwei Wochen vor dem Vorverkaufsstart kam dann die Nachricht, dass alle Großveranstaltungen bis 31. August abgesagt werden. Uns war wichtig, auch die Künstler nicht im Stich zu lassen und so baten wir allen beteiligten Künstlerinnen und Künstlern an, 2021 den Auftritt beim Theaterfestival nachzuholen. Und so sind wir froh, dass wir das für dieses Jahr geplante Programm großteils bereits für das nächste Jahr umplanen konnten.“ So haben für 2021 bereits der Songwriter Faber, die US-amerikanische Brass-House-Band „Too Many Zooz“, der Liedermacher Hans Söllner und die Kabarettistin Martina Schwarzmann ihren Auftritt beim Theaterfestival bestätigt. Die Vorleistungen und Kosten, die das Theaterfestival trotz der Absage tragen müsse, seien nicht dramatisch, berichtete Konrad, da die Veranstaltung vom Land abgesagt wurde und Verträge etc. somit storniert werden konnten.

 

Bericht: Leo Seebold

 

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