Stuttgart - Es sind bittere Vorwürfe, die der Landeselternbeirat in seinem offenen Brief an Ministerpräsident Winfried Kretschmann formuliert. Gepaart mit einer gehörigen Portion Resignation und dem verzweifelten Versuch, das Schulsystem wieder auf Spur zu bringen, hatte sich Carsten T. Rees, Vorsitzender des Landeselternbeirats Baden-Württemberg, mit seinem Team, an die Öffentlichkeit begeben.

Darin wird die mangelnde Wertschätzung der Baden-Württembergischen Kultusministerin, Susanne Eisenmann (CDU), gegenüber dem Gremium kritisiert. Wenn überhaupt Kommunikation stattfände, dann bestehe sie aus Baukastenmails, die gespickt seien mit Seitenhieben; vielmehr noch, Eisenmann stellt die Institution und deren momentane Rechtmäßigkeit grundsätzlich in Frage. Zudem unterstelle sie dem Vorsitzenden, sich persönlich profilieren zu wollen.

Gerade in so schwierigen Zeiten, die das Schulsystem getroffen haben, wie Donnerhall, müssen gemeinsame Ansätze erarbeitet werden, um zu einem sinnvollen Unterrichtsmodell zurück zu kehren. Die Vorschläge der gewählten Elternvertreter wurden dazu vermutlich zwar wahrgenommen, aber in keinster Weise kommuniziert oder diskutiert. Die Landesregierung habe viele Gespräche mit Verbänden geführt, aber dabei die Elternschaft komplett ignoriert, lautet diesbezüglich ein Kernvorwurf von Carsten T. Rees.

Während das Miteinander mit den jeweiligen Kultusministern*innen in anderen Bundesländern scheinbar vollkommen problemlos ablaufen könne, blockiere die Spitzenkandidatin für das Amt des künftigen Ministerpräsidenten, konsequent jegliche Zusammenarbeit in Sachfragen.

Bildung muss auch in Krisenzeiten gewährleistet bleiben, sie ist ein hohes Gut und die Schüler haben einen Anspruch darauf. Bildung bedeutet jedoch auch immer einen Zusammenschluss mit den Eltern, denn sie sind es, die in der momentanen Situation, den Auftrag haben, ihren Kindern Wissen zu vermitteln; ohne sie wäre die Zeit der Schulschließungen nicht zu überbrücken gewesen.

Der Philologenverband Baden-Württemberg stellt die Geschäftsfähigkeit des Elterngremiums ebenfalls in Frage. Nach der derzeit gültigen Geschäftsordnung bestehe daran jedoch keinerlei Zweifel, wie ein weiterer Brief der Elternvertreter bestätigt.

„Abgetauchte Lehrer und eine abgetauchte Kultusministerin“, wie es der Vorsitzende in mehreren Elternbriefen mahnte, sind keine gute Grundlage für den Abschluss dieses Schuljahres und vor allem nicht für den Neustart nach den Sommerferien. An mangelnder Zeit scheint es Susanne Eisenmann indes nicht wirklich zu fehlen, denn in Punkto Impfpflicht ist sie sehr rührig unterwegs. Pressestatements gegenüber der „Heilbronner Stimme“ und dem „Mannheimer Morgen“ sind demzufolge ein Indiz dafür, dass sie vermutlich dem Wahlkampf, ihre Kernkompetenz als Ministerin unterordnet.

Es bleibt nun abzuwarten, ob Ministerpräsident Kretschmann, die sprichwörtliche Kuh vom Eis bekommt und eine Kooperation der Bildungsverantwortungen mit der Elternschaft, wieder auf einen guten und niveauvollen Weg bringen kann.

 

Bericht Christine Hofer-Runst

 

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