Ravensburg - Die Podiumsdiskussion auf dem Ravensburger Rivoliplatz zum Thema „Klimawandel in Ravensburg - Was können wir gemeinsam tun?“ war spannend besetzt mit Oberbürgermeister Daniel Rapp, Sabine Buchmann-Mayer, Parents4Future, Stephan Frisch, ein Vertreter von Scientist4Future, dem Klimaaktivist Samuel Bosch und der Leiterin des städtischen Umweltamtes Veerle Buytaert.

Diskutiert wurde unter der Moderation von Anja Twardokus die Frage, welche konkreten Klimaschutzmaßnahmen in Ravensburg umgesetzt werden und wie die Bevölkerung gemeinschaftlich daran mitwirken kann. Etwa 50 Zuhörer:innen hatten sich auf dem umsäumten, schattigen Areal des Rivoliplatzes eingefunden, teilweise auch außerhalb in Sicht- und Hörweite. Nach der Begrüßung von Saskia Mayer stellten sich die Diskutanten:innen einzeln selbst vor und nannten ihr Thema bezogenes „Herzensprojekt“. Der Oberbürgermeister mit Herzensangelegenheit Gespinstmarkt als Fußgängerzone ist gerade dabei, „den Kloimakonsens Schritt für Schritt umzusetzen“ und hofft auf Unterstützung in seinem Stadtrat.

Seine Umweltbeauftragte ist viel mit dem Rad unterwegs und setzt sich ein für ein Radverkehrskonzept, das letzte Woche auf Verbandsebene beschlossen wurde und „großes Potenzial habe“. 2016 noch Einzelkämpferin hat ihr Amt jetzt 14 Mitstreiter:innen. Samnuel Bosch, der Aktivist auf den Bäumen in Ravensburg und dem Altdorfer Wald, sieht sich als Vorreiter für eine „klimaneutrale und klimafreundliche Stadt“. Ihm gehen alle vorgenannten Schritte noch viel zu langsam, eine Feststellung, die viel Beifall erhielt. Während Buchmann-Mayer ihre Schwerpunkte bei Klimagerechtigkeit und Tranparenz sieht, möchte der Wissenschaftler Frisch Fakten in die Diskussion streuen. „Ziemlich am Anfang wartet das Klimakonzept noch auf seine Umsetzung, so Rapp, und konkret in Ravensburg sind es eine andere Mobilität, mehr Investitionen in Fußgänger- und Radverkehr, sowie ÖPNV, statt wie bisher zu 90 % den individuellen Autoverkehr zu fördern.

Bezüglich Gebäuden sei von Belang ein Nahwärmenetz, basierend auf Erdwärme oder Wasserstoff, das heißt ohne Gas und Öl. Bewußtseinsbildung ergänzt Buytaert sei eine weitere Aufgabe und zuletzt, wenn alle Anstrengungen nicht vollständig zum Ziel Klimaneutralität führen, die Kompensation. Fehlende Vermittlung sieht Frisch beim zuletzt heiß diskutierten Thema Parkraumbewirtschaftung auf der Kuppelnau und dem Scheffelplatz. Er vermisst positive Anreize wie die zeitweilige kostenlose Benutzung des ÖPNV, statt als erstes Mehrbelastungen der Bürger zu diskutieren.

Die Mehrbelastungen müssen sein, so Rapp und er will „mutige Entscheidungen“, selbst ein CO2 Preis von 200 Euro pro Tonne sei noch nicht genug, also das Achtfache des derzeitigen Preises. Bosch sieht sich als Fahrradfahrer aus Schlier an den Rand gedrängt und Buchmann-Mayer möchte mehr Gespräche mit „Gegnern“ wie denjenigen die sie als „Gretas“ bei einem nächtlichen Klimacamp auf dem Marienplatz beschimpft hatten. Aus den Zuschauerreihen kamen Fragen vor allem an den Oberbürgermeister gerichtet nach fehlender Winterräumung der Radwege, obwohl so ein anderer Alltagsradler meinte, im Verhältnis für die wenigen Nutzer sei es durchaus ok. Andere fragten nach der Klimagerechtigkeit, wenn ich 300 Euro im Jahr für einen Anwohnerparkplatz bezahle, aber 1, 50 Euro die Stunde für ein Mietrad.

Im zweiten Block des Diskussion ging es viel um das Thema Vermittlung auch auf anderen Kanälen wie der „Schwäbischen Zeitung“, die kaum junge Leute erreiche, Warum nicht Werbung in den Schulbussen oder Kanäle wie Instagramm nutzen, wurde gefragt.Auch weitere Podiumsdiskussionen wie heute wurden für gut befunden, eventuell auf verbreiteter Basis mit Vertretern wie z.B. IHK oder den Schulen. Insbesondere in der Kommunikation des Themas wäre noch viel Luft nach oben, so ein einhelliges Fazit.

 

Bericht und Bilder Gerhard Maucher

 

 

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