Ravensburg (ots) - Das Wetter wird besser und wärmer, und damit einhergehend machen auch die Motorradfahrer ihre Maschinen wieder startklar und sind zunehmend auf den Straßen unserer Region unterwegs. An sonnigen Tagen juckt es dabei viele Biker in der Gas-Hand. Leider endete nicht jede Fahrt folgenlos, sodass die Polizei dieses Jahr bereits mehrere zum Teil folgeschwere Unfälle verzeichnen musste.

So bezahlte erst Mitte April ein Motorradfahrer im Bereich Argenbühl einen möglichen Fahrfehler mit seinem Leben. Der Mann war mit seiner Maschine in einer langgezogenen Rechtskurve auf die Gegenfahrspur geraten, wo er mit einem entgegenkommenden Pkw kollidierte. Er erlag noch am gleichen Tag in einer Klinik seinen schweren Verletzungen.

In diesem Zusammenhang appelliert das Polizeipräsidium Ravensburg auch dieses Jahr wieder an die Vernunft der Biker und mahnt zur besonnenen und vorsichtigen Fahrweise. Aber auch andere Verkehrsteilnehmer werden wieder um besondere Aufmerksamkeit und Rücksichtnahme gebeten. Die geringe Fahrzeuggröße der sich jetzt wieder auf den Straßen tummelnden Zweiradfahrer ist oft die Ursache dafür, dass sie übersehen werden oder dass deren Geschwindigkeit unterschätzt wird. Derartige Fehleinschätzungen und daraus resultierende Unfälle sind mangels "Knautschzone" leider sehr oft folgenschwer.

Auch in diesem Jahr wird insbesondere die Verkehrspolizeiinspektion des Polizeipräsidiums Ravensburg wieder an beliebten Motorradstrecken und Unfallschwerpunkten Kontrollen durchführen. Neben der Überwachung der gefahrenen Geschwindigkeiten nehmen geschulte Polizeibeamte die Zweiräder unter die Lupe, um den technischen Zustand der Bikes zu überprüfen. Auch die Einhaltung der gesetzlichen Vorgaben der jeweils aktuellen Corona-Verordnung wird kontrolliert. Dabei werden festgestellte Verstöße konsequent geahndet und die Fahrerinnen und Fahrer in verkehrserzieherischen Gesprächen auf die möglichen Folgen ihres mitunter gedankenlosen Tuns hingewiesen.

Anwohner insbesondere an für Motorradfahrer reizvollen Strecken beschweren sich regelmäßig und durchaus berechtigt über Lärmbelästigungen. Permanentes Hin- und Herfahren, laute und zum Teil manipulierte Abgasanlagen sowie hochdrehende Motoren sind ein immer wiederkehrendes Ärgernis. Nicht alle Biker sind gleichermaßen für diesen Unmut verantwortlich. Im Gegenteil: viele frönen ihrem Hobby mit Leidenschaft und nehmen trotzdem Rücksicht auf die anderen Verkehrsteilnehmer und Anwohner. Leider genügt aber schon das rücksichtslose Verhalten einiger Weniger, um alle Biker in Verruf zu bringen. Ein vernünftiges Betätigen der Gas-Hand sollte für ein sozialverträgliches Ausüben des Hobbies daher selbstverständlich sein.

Auch die Unfallzahlen des Vorjahres zeichneten erneut ein klares Bild. Im Bereich des Polizeipräsidiums Ravensburg waren 2020 insgesamt 351 Motorradunfälle zu verzeichnen. Gegenüber dem Vorjahr stieg diese Gesamtzahl damit um mehr als sieben Prozent spürbar an. Auch die Zahl der Motorradunfälle mit Personenschaden nahm im Vergleich zum Vorjahr deutlich zu. Neun Motorradfahrer verunglückten tödlich, was zwar ein minimaler Rückgang zum Jahr 2019 darstellt, diese Zahl liegt jedoch um die Hälfte höher als der Jahresdurchschnitt der Jahre 2015 bis 2019. Von den 351 Motorradunfällen im Präsidiumsbereich wurden 193 jeweils durch die Motorradfahrer selbst verursacht, was etwa 55 Prozent entspricht. Bei fünf der neun tödlichen Unfälle war jeweils der Motorradfahrer der Unfallverursacher: Bei drei dieser Unfälle lag die Ursache in einer der Örtlichkeit nicht angepassten Geschwindigkeit, ein Unfall resultierte aus einem Fehler beim Überholen und bei einem Weiteren erkannte der Zweiradfahrer einen vor dem Abbiegen wartenden Pkw zu spät, überbremste und kam zu Fall.

Jedes Jahr aufs Neue steigt mit der Zahl der Motorradfahrer auf den Straßen auch die Zahl der Motorradunfälle wieder an. Gerade zu Saisonbeginn lauern besondere Gefahren. Einerseits müssen sich alle Verkehrsteilnehmer erst wieder an die Biker auf den Straßen gewöhnen. Dazu kommt die noch mangelnde Fahrpraxis der Motorradfahrer nach der kalten Jahreszeit. Die Polizei appelliert: sowohl Fahranfänger als auch geübte Fahrer sollten ihr Können nach der langen Winterpause nicht überschätzen, sondern sollten durch behutsames Einfahren erst wieder das richtige Gefühl für ihre zum Teil PS-starken Maschinen entwickeln. Nur durch ein gewisses Maß an Routine sind die Biker in der Lage, in brenzligen Verkehrssituationen richtig zu reagieren. Denn auch die Straße an sich stellt in dieser Jahreszeit ein erhöhtes Risiko dar: Landwirte, die mit ihren Traktoren ihre Felder pflügen, hinterlassen oft Spuren der Verschmutzung auf der Straße. Für ungeübte Motorradfahrer kann dies schnell zu einer scheinbar überraschenden Herausforderung werden - die mit Kontrollverlust über die Maschine und einem Unfall enden kann.

 

Mit der entsprechenden Vorsicht sollte der Start in die Saison angegangen werden. Dazu gehört der ausgiebige Check, der neben dem Motorrad und der eigenen Ausrüstung auch den Fahrer selbst betrifft. Hierzu einige nützliche Tipps, damit Sie möglichst unbeschadet in die Motorradsaison 2021 starten können:

Das Motorrad

Vor dem Start sollten zwingend alle technischen Einrichtungen auf ihre Funktionstüchtigkeit überprüft werden. Dazu gehören neben dem Luftdruck, dem Alter und dem Zustand der Reifen auch die Beleuchtung und die Bremsen. Wenn Teile locker sind, Flüssigkeiten auslaufen oder Sie unsicher sein sollten ob das Zweirad noch verkehrssicher ist, bringen Sie ihre Maschine vorsichtshalber zur Inspektion.

 

Die Ausrüstung

Neben einem Schutzhelm gehört das Tragen einer geeigneten Schutzkleidung zur Grundausrüstung. Um besser gesehen zu werden ist das Tragen einer Motorrad-Warnweste -nicht nur bei Nacht- eine gute Lösung. Insbesondere die Handschuhe und das Schuhwerk sollten ihnen einwandfrei passen, um versehentliche Fehlbedienungen während der Fahrt zu vermeiden.

 

Der Fahrer

Jeder Fahrer sollte sich vor dem Start selbst die Frage stellen: "Bin ich fit genug für die Fahrt?" Dabei spielt nicht nur die körperliche, sondern auch die mentale Verfassung eine große Rolle, denn die volle Aufmerksamkeit ist notwendig für ein sicheres Fahren. Nehmen Sie, soweit möglich, an einem Fahrsicherheitstraining teil. Sollten Sie die Fahrt dann begonnen haben, denken Sie auch immer an die notwendigen Pausen um voll Konzentrationsfähig zu sein.

 

Wenn es nach der Vorbereitung dann nun endlich losgeht:

Defensive und vorausschauende Fahrweise

Rechnen Sie immer mit plötzlich auftretenden Gefahrenstellen und mit möglichen Fehlern anderer Verkehrsteilnehmer. Achten sie während der Fahrt besonders auf Linksabbieger / Gegenverkehr / tiefstehende Sonne / feuchte Straßenabschnitte / Straßenschäden / verschmutzte Fahrbahnen / landwirtschaftliche Fahrzeuge usw.

Sehen und gesehen werden

Fahren Sie immer mit eingeschaltetem Licht und schauen Sie bei Ihrer Fahrt weit voraus. Insbesondere bei schlechten Sichtverhältnissen oder Dunkelheit ist das Tragen einer Motorrad-Warnweste sinnvoll.

Abstand

Achten Sie auf genügend Abstand zum Vorausfahrenden und beim Überholen.

Achtung vor unübersichtlichen Kurven

Reduzieren Sie vor Kurven rechtzeitig Ihre Geschwindigkeit - insbesondere, wenn diese nicht vollständig einsehbar sind - und schneiden Sie Kurven nicht.

Vorsicht in der Motorradgruppe

Wenn Sie in der Gruppe unterwegs sind, fahren Sie defensiv und überholen Sie innerhalb der Gruppe nicht.

 

Das Polizeipräsidium Ravensburg wünscht allen Motorradfahrern eine unfallfreie Motorradsaison!

 

Pressemitteilung des Polizeipräsidiums Ravensburg

 

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