Stuttgart/Region - Die Inzidenz in Baden-Württemberg steigt immer weiter in rasante Höhen. Nach Monaten der Beteuerung, dass Minderjährige „keine Treiber der Pandemie“ seien, lehren die Zahlen mittlerweile etwas anderes: Je mehr Menschen gegen Covid-19 geimpft sind, umso stärker breitet sich das Virus unter jungen Menschen aus. Die Hinweise mehren sich, dass die Zahlen bei Kindern und Jugendlichen noch höher liegen, als in der Gesamtbevölkerung.

Gerade Innenräume bergen ein großes Infektionsrisiko. Schüler*innen des Team sichere Bildung – einem Bündnis aus von der Bildungspolitik in Baden-Württemberg unmittelbar betroffenen Menschen – fordern deshalb, den Grenzwert für Schließungen von Einrichtungen herabzusetzen, um damit Schule für alle so sicher wie möglich zu machen. Und damit ist es noch nicht getan: die Politik muss Schule endlich als den Lebensmittelpunkt begreifen, der sie für weit über eine Million Kinder und Jugendliche im Land ist.

Als zentrale Instanz im Pandemie-Geschehen führte das Robert-Koch-Institut zuletzt viele Ansteckungen auf Kinder und Jugendliche zurück. Dass Baden-Württembergs Ministerpräsident Kretschmann in logischer Konsequenz nun offenbar erwägt, den Grenzwert für Schulschließungen von 165 herunterzusetzen, begrüßt das Team sichere Bildung (TSB).

„Wenn wir wollen, dass die Schulen unter den aktuellen Bedingungen sicher sind, führt kein Weg an einer Herabsenkung des Grenzwerts für Schulschließungen vorbei“, sagt der Tübinger Oberstufen-Schüler Raphael Fröhlich vom TSB: „Denn auch Tests sind kein Allheilmittel, zumal das längst nicht überall gut funktioniert. Der einzige Weg ist eine niedrige Inzidenz von mindestens unter 100.“ Statt Pauschallösungen erwartet das TSB von den Verantwortlichen, genau hinzuschauen. Dass das Kultusministerium den Sportunterricht für die Jahrgangsstufen 1 und 2 der gymnasialen Oberstufen sowie des beruflichen Gymnasiums wieder erlaubt, hält das TSB für absurd. „Wer will schon garantieren, dass während des Sportunterrichts der Mindestabstand von 1,5 Metern eingehalten wird?“, fragt Fröhlich. Dass Schüler*innen dabei einem vollkommen unangemessenem Infektionsrisiko ausgesetzt werden, ist für das TSB inakzeptabel.

Neben dringend notwendigen kurzfristigen und ernsthaften Maßnahmen zum Infektionsschutz verlangt das TSB echte Anstrengungen, um Schule sicher zu machen: „Es braucht neue Ansätze, die die Schüler*innen wirklich in den Blick nehmen und über das starre System Schule hinausdenken“, erklärt der TSB-Vertreter. Nach langen Monaten des Homeschoolings sind viele Schüler*innen am Rande ihrer Kräfte: „Wenn dann nach nur zwei Präsenzstunden in einem Fach eine Klausur angekündigt wird, zeigt sich wie kaputt dieses System ist“, sagt Raphael Fröhlich. Er adressiert dabei die fast schon mittelalterliche Haltung, die von vielen Schulen im Land immer noch praktiziert und vom aktuellen Kultusministerium begeistert unterstützt wird. Der Leistungsdruck, welcher auf den Schüler*innen lastet, sei enorm. „Das wird durch Lehrer*innen im blinden Eichhörnchen-Modus, die noch schnell vor dem nächsten Lockdown so viele Noten wie irgend möglich sammeln wollen, weiter verstärkt“, bekräftigt Amelie Hornig, TSB-Aktivistin aus Villingen-Schwenningen. Schließlich sei die Schule für Kinder und Jugendliche nicht nur ein Ort, an dem Leistungsproben wie Klassenarbeiten oder Klausuren abgelegt werden, sondern sie sind viel mehr als das.

„Es muss etwas passieren, so geht es nicht weiter“, fordert Amelie Hornig. Statt an einer überkommenen Vorstellung von Schule festzuhalten und Schüler*innen auf das Funktionieren als Lernmaschinen zu reduzieren, erwartet das TSB von den politischen Verantwortlichen endlich durchdachte, langfristig wirksame Schritte. Dazu gehört beispielsweise, einen Corona-Bildungsplan mit reduziertem Curriculum einzurichten. Ein besonderer Fokus müsse auf das psychosoziale Wohlergehen der Beteiligten liegen. „Wir erwarten eine verstärkte Priorität für den sozialen Kontakt zwischen Schüler*innen und gruppendynamische Prozesse, z.B. mit Hilfe gemeinsamer Aktionen und Corona-konformer Exkursionen“, fordert Raphael Fröhlich. Andernfalls riskieren die politischen Verantwortlichen, dass eine ganze Generation junger Menschen als „Generation Corona“ langfristig gezeichnet ist. Das wird der Rolle der Jugend für die Zukunft unseres Landes bei weitem nicht gerecht.

 

Pressemitteilung des "Teams sichere Bildung" (TSB)

 

Nur registrierte Benutzer können Kommentare schreiben!

­