Aulendorf/Altdorfer Wald - Am Sonntagnachmittag eine Kaffeefahrt mit dem Rad ohne Kaffee weil kein Cafe geöffnet war. Diesen Umstand der Pandemie wusste man/frau von vorneherein. Also ging es los mit dem Mountainbike über Untermöllenbronn nach Reute und Kümmerazhofen.

 

Von dort in den Kümmerazhofer Forst Richtung Baindt, aber noch parallel zur Bundesstraße links hoch Richtung Bergatreute. In Bergatreute geradeaus nach Tal, das im Gegensatz zu seinem Namen auf dem Berg liegt. Jetzt war ich schon in der Nähe von Wolfegg und meinem Ziel bei Grund. Aber zuerst musste ich hinunter zur Wolfegger Ach und auf der anderen Seite genauso steil hinauf. Das Wasser der Weißenbronner Quelle ist bekannt, glasklar und sauber, und ein Streitgegenstand des geplanten Kieswerks im Altdorfer Wald.

„Wasser statt Kies“ ist ein vielzitiertes Motto in diesem Zusammenhang. Die letzten Kilometer noch bergauf getrampelt und ich war an der Abzweigung Grund beim Baumcamp der Besetzer, etwa 20 an der Zahl, angekommen. Viele der Besetzer haben sich im Zentrum versammelt, das wie eine gemütliche Küche im Freien aussieht. Falk führt mich durch das Baumcamp, erklärt mir dieses und jenes, zum Beispiel ein abseits liegender geschützter Raum für Frauen, die sich von dem „Patriarchat“, wie er sagt, „befreien wollen.“

Beim Klettern und überhaupt im aktuellen Camp scheinen Frauen in der Minderheit zu sein. Dass das trotz Reinhold Messner nicht so sein muss, beweist schon die österreichische Bergsteigerin Gerlinde Kaltenbrunner. Sie ist aktuell die beste Höhenbergsteigerin der Welt und hat schon alle 14 Achttausender bestiegen.

Aber hier geht es maximal 10 bis 12 Meter hoch zur Baumhausplattform, für ganz Wagemutige auch noch ein paar Meter höher zu einem Ausguck. Da dürften auch die Sondereinsatztruppen bei einer Räumung scheitern, insbesondere wenn sie jungen , behänden Kletterern gegenüber stehen. Schon zu meiner Kletterzeit vor 40 Jahren waren es Freunde , die damals schon die Höchstschwierigkeit 6 plus geklettert haben. Da wäre jeder Polizist auf verlorenem Posten.

Auf die Angriffe auf das Camp angesprochen meinte Falk, das hätte sich wohl beruhigt. Am heutigen Sonntagmorgen brachten Klimagerechtigkeitsaktivist*innen der Altdorfer Waldbesetzung an einem Bagger der Kiesgrube Oberankenreute ein Banner mit der Aufschrift "Betritt der Meichle Moor oder Wald, flutet der Kies sein Konto bald" an. Damit beziehen sie sich auf das Kiesunternehmen Meichle+Mohr, das Teile des Altdorfer Walds zur weiteren Kiesgewinnung roden möchte.

Für mich war es aber Zeit, zur Rückfahrt nach Aulendorf, weitere zwei Stunden und cirka 35 Km Weg. Beim Rückweg folgte ich zuerst der Wolfegger Ach über Hages moos und Fuchsenloch, bis ich bei Bonlanden auf die Straße Baienfurt nach Bergatreute stieß. Über die Straße ging es bergauf ein ganze Weile, ehe ich die Bundesstraße B 30 nach Baindt erreichte und auf dem bekannten Weg an zwei Weihern vorbei nach Kümmerazhofen, Reute, Untermöllenbronn, sowie Aulendorf fuhr. Eine lange Fahrt für eine Mountainbiketour, 69 km mit 727 Höhenmetern in 5:47 Stunden mit Aufenthalt im Camp.

 

Text und Bilder: Gerhard Maucher

 

 20210418 162803 578

 

 

20210418 163947 578

 

 

Nur registrierte Benutzer können Kommentare schreiben!

­