Wolfegg - Die Gaishauser leisten seit mehreren Jahren gegen den Bau eines Solarparks an der Bahnlinie und direkt vor ihrer Haustüre Widerstand. Zurecht: Dass der Investor ohne Bauantrag und Genehmigung einfach mit dem Bau begann und dies von der Verwaltung von Wolfegg offenbar stillschweigend geduldet wurde, war die Überschreitung gleich mehrerer roter Linien.

 

Als am Freitag vor zweieinhalb Wochen ein Vermesser die schon mehrere Jahre für den Solarpark vorgesehene Wiese zwischen Bahnlinie, Wald und Ortschaft begutachtete, schwante den Einwohnern nichts Gutes.

Am darauffolgenden Montagmorgen fuhr ein Kleinbus mit polnischem Kennzeichen vor. Diesem entstiegen sechs Männer ohne FFP2-Maske, die angeblichen Handwerker aus der Region, wie von Investorenseite immer behauptet. Diese begannen mit den Bauvorbereitungen, ein Material-LKW musste bei der engen Zufahrt sogar rückwärts über die vielbefahrene Bahnlinie auf die ebenso stark befahrene Straße zwischen Alttann und Roßberg rangieren.

Als dann die ersten Füße der Solarmodule in den Boden gerammt wurden, war den Gaishausern klar, dass hier etwas gründlich schief lief. Denn die Gemeinde wäre verpflichtet gewesen, bevor über einen Bauantrag entschieden wird, die Anrainer zu informieren und eventuelle Einsprüche zu prüfen.

Der am 31.03. 2021 eingeschaltete Anwalt erhielt vom Landratsamt in der ersten Aprilwoche den Bescheid, dass weder ein Bauantrag noch eine Baugenehmigung vorlagen: Der Bau wurde sofort gestoppt.

 

In der Folge versucht die Gemeinde nun, den daraufhin gestellten Bauantrag der Firma Anumar aus Ingolstadt im Eilverfahren durchzupeitschen:

Mit einem Schreiben, dessen Datum auf den 06. April datiert war und am 09.April bei den Gaishausern ankam, wurden die Anwohner über den Bauantrag, den die Firma Anumar aus Ingolstadt gestellt hatte, darüber informiert. Und damit rund zwei Wochen, nachdem die Arbeiter mit dem Bau begonnen hatten. Die aufgestellte Behauptung, der Pächter habe von der Aktion nichts gewusst, stimmt nicht: Dieser wurde beobachtet, als er am Abend des illegalen Baubeginns das Gelände mit seinem Auto abgefahren hatte.

Auch die Gutachten, die zum Beispiel die Blendwirkung der hochglänzenden Solarmodule für die Anwohner untersuchten, ziehen die Anwohner in Zweifel. Denn die bereits aufgestellten Standfüße, obwohl noch sehr weit von der Siedlung entfernt, reflektierten das Sonnenlicht bereits sehr stark. Da empfinden die Anrainer es fast als Hohn, dass der Abstand zur Wohnbebauung vom Pächter von 30 auf 75 Meter erhöht worden ist.

„Wir sind nicht grundsätzlich gegen einen Solarpark, sondern nur gegen diesen Standort,“ sagen die Einwohner von Gaishaus.

Die Gaishauser haben den Glauben an die Institutionen Verwaltung und Gemeinderat von Wolfegg schon lange verloren, denn im bisherigen Verlauf der Geschichte war eine Unterschriftenaktion, bei der so gut wie alle Gaishauser unterschrieben hatten, ignoriert worden. „Ja darf jetzt jeder machen was er will?“ fragen sie sich inzwischen. Sie vermuten, dass der Zeitdruck irgendwelcher rechtlicher Änderungen zu dem illegalen Baubeginn geführt haben, eventuell der drohende Verlust von Subventionen.

Der Frust sitzt tief: Technologisch abgehängt wurde der kleine Ortsteil von Wolfegg in den letzten Jahren auch, was schnelles Internet angeht, obwohl die Glasfasertrasse direkt an der Bahnlinie entlang verläuft.

Wie es nun weitergeht wird sich zeigen. Ein demokratisches und die berechtigten Interessen der Anlieger berücksichtigende Beteiligungsverfahren sieht jedenfalls anders aus.

 

Bericht und Bilder Uli Gresser

 

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