Ulm - Die Enttäuschung im Einzelhandel über die jüngsten politischen Beschlüsse ist groß. Dies war in einer kürzlich durchgeführten Online-Sondersitzung des Einzelhandelsausschusses der IHK Ulm greifbar. Der Lockdown geht für zahlreiche Händler in die Verlängerung. Eine Perspektive auf Öffnung und echte Hilfen fehlt.

„Der Frust wächst bei vielen Einzelhändlern. Die Verlängerung des Lockdowns ist schlicht nicht mehr nachvollziehbar. Es ist ein Irrglaube zu meinen, man hätte damit große Teile des Handelsgeschehens lahmgelegt. Mit dem Lebensmittelhandel, den Drogerien etc. hat nämlich genau der Teil des Handels weiter geöffnet, der für etwa 90 Prozent der täglichen Kundenkontakte steht. Dank guter Hygienekonzepte ist dies auch gar kein Problem. Warum dann aber andere Händler mit viel geringeren Frequenzzahlen und viel geringeren Besucherdichten im Laden geschlossen haben müssen, ist nicht logisch“, sagt Friedrich Kolesch vom Modehaus Kolesch in Biberach, der zugleich Vorsitzender des Einzelhandelsausschusses der IHK Ulm ist.

 

Handel mit hoher Frequenz und Besucherdichte hat geöffnet

Petra Wieseler, Geschäftsführerin der Autohaus Kreisser GmbH & Co. KG in Ulm stößt ins gleiche Horn. Während ihr Werkstattbetrieb geöffnet haben darf, ist der Verkauf geschlossen: „Für uns ist nicht nachvollziehbar, warum wir unseren Verkauf nicht endlich wieder öffnen dürfen. Es gibt wohl kaum einen Verkaufsort, an dem es besser möglich ist Abstand zu halten als in einem Autohaus. Denn die zur Verfügung stehende Fläche pro Kunde ist dort um ein Vielfaches höher als zum Beispiel in einer Bäckereifiliale oder einem Supermarkt. Zudem haben ja auch wir – wie die Kollegen aus dem Lebensmittelhandel – gute und funktionierende Hygienekonzepte erarbeitet und diese auch schon unter Beweis gestellt. Es wird Zeit, dass auch wir endlich wieder öffnen dürfen.“

Viele der geschlossenen Händler sind aufgrund der Schließung auf Wirtschaftshilfen angewiesen. Aktuell ist dies insbesondere die so genannte Überbrückungshilfe III. Doch auch bei den Hilfen macht sich Unmut breit. So sind laut IHK Ulm zahlreiche Betriebe auch deswegen völlig unverschuldet in Not geraten, weil diese Hilfen lange ausblieben und zum Teil nach wie vor ausbleiben. Hinzu kommt, dass die Überbrückungshilfe nur den Ausgleich von Fixkosten vorsieht – und dies noch nicht einmal zu hundert Prozent. Dies würde auf Dauer selbst jahrelang gut geführten Unternehmen nicht zum Überleben reichen.

 

Nicht verkäufliche Saisonware muss besser berücksichtigt werden

Darüber hinaus gibt es weitere Kritik und Verbesserungsvorschläge. Mit besonderem Blick auf die Handelsbranche ist dabei vor allem die Berücksichtigung von Abschreibungen auf nicht verkäufliche Saisonware ein wichtiges Thema. „Hier hatten wir aufgrund der politischen Ankündigungen große Hoffnungen. Die Realität zeigt nun aber, dass diesen Ankündigungen am Ende leider nur wieder kleine Effekte gegenüberstehen. Hier muss dringend nachgebessert werden, wenn man den Händlern wirklich helfen möchte. Die Anrechnung der Abschreibungen muss einfach und pauschal erfolgen. Wir können doch nichts dafür, dass wir unsere Winterware nicht wie gewohnt absetzen konnten“, sagt Mike Klamser vom gleichnamigen Sportgeschäft in Ulm. Zudem ist aus Sicht der IHK Ulm ganz allgemein – also branchenübergreifend - die pauschale Berücksichtigung der Personalkosten mit 20 Prozent auf die Fixkosten nicht nachvollziehbar. Denn hierdurch würden mit den personalintensiven Betrieben gerade die Firmen systematisch benachteilig, die für die Gemeinschaft von besonderer Bedeutung seien. Die Kammer fordert, die tatsächlichen Personalkosten im Betrieb zu berücksichtigen.

 

Entschädigung statt Hilfen

Die IHK Ulm setzt sich derzeit auch an verschiedenen Stellen vehement für diese Nachbesserungen ein. Dabei plädiert sie auch für mehr Ehrlichkeit. So vermittle alleine schon die Verwendung des Begriffs „Hilfen“ einen völlig falschen Eindruck. Denn eigentlich gehe es doch um Entschädigungen: Entschädigungen für einen durch den Lockdown verursachten Schaden, für den die betroffenen Unternehmen nichts können. „Und es geht noch um mehr: Nämlich die Zukunft unserer schönen und attraktiven Innenstädte“, sagt Kolesch.

 

Pressemitteilung der IHK Ulm

 

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