Stuttgart - Eine Pressemitteilung der Digitalisierungs-Initiative (GEW, VBE, BLV, Grundschulverband und Verein für Gemeinschaftsschulen): Mittlerweile ist klar, dass die Schulen im Land nicht nur für die Herausforderungen der Schule@Corona, sondern insgesamt für eine zunehmend digitalisierte Welt außerordentlich schlecht aufgestellt sind. Trotzdem ergeht sich die Kultusministerin weiter in vollmundigen Ankündigungen – und wälzt die Verantwortung für die verschleppte Digitalisierung der baden-württembergischen Schulen schnell auf andere ab.

Für die Kultusministerin ist die Digitalisierung der Schulen eine Abfolge von Aufgaben und Zuständigkeiten, für die andere zuständig sind. Doch die Abfrage der Digitalisierungs-Initiative der fünf zukunftsorientierten schulischen Verbände BLV, GEW, GS-Verband, VBW sowie GMS-Verein zeichnet ein anderes Bild: Die Schwachstellen der baden-württembergischen Schulwelt bei digitalem Arbeiten sowie in der Schule@Home als auch im Präsenzbetrieb sind vielfältig – und erschreckend. Und sie liegen mitten im Hoheitsgebiet der Kultusministerin.

Mit „Leitlinien und Qualitätskriterien für den Fernlernunterricht“, wie sie Kultusministerin Eisenmann wenige Tage vor den Sommerferien an die Schulen verteilt hat, ist es nicht getan. Denn der Forderungskatalog bleibt eine zentrale Antwort schuldig: nämlich wie die Schulen den vollmundigen Versprechungen, die vornehmlich Eltern und damit Wählerinnen und Wähler adressieren, gerecht werden können. Wenn über 95 Prozent der an der Abfrage beteiligten Schulen E-Mail als das zentrale Kommunikationstool in der Schule@Home benennen und knapp 45 Prozent Messengerdienste als Teil ihres Fernlernkonzepts einsetzen, aber Lehrer:innen in Baden-Württemberg über keine offizielle dienstliche E-Mail Adresse verfügen und der angebotene Messenger-Dienst der Kultusministerin nur die Kommunikation der Lehrer:innen untereinander ermöglicht, ist eigentlich alles gesagt.

Die dringlichsten Handlungsfelder für das Kultusministerium lassen sich aus der Abfrage unter Beteiligung von über 2.000 Schulen im Südwesten eindeutig umreißen:

- Die Kultusministerin selbst hat ihre Amtszeit unter die Parole „Qualität!“ gestellt. Wenn es ihr tatsächlich um eine Steigerung der Unterrichtsqualität geht, bedarf es dringlich eines bedarfsgerechten und an die schulischen Systeme angepassten Einsatzes von digitalen Tools. Dabei muss die Prämisse grundsätzlich ‚Entlastung statt Belastung‘ ein!

- Sämtliche schulische Player benötigen zeitnah Zugang zu Digitalisierung – und das über alle Schularten hinweg. Die Grundschulen müssen genau wie die Sekundarstufen bei der digitalen Transformation grundsätzlich mitgedacht werden. Bestehende Hürden müssen zugunsten digitaler Barrierefreiheit abgebaut werden.

- Digitalisierung als mechanistischen Technisierungsakt zu denken, reicht nicht aus. Erst die Befähigung der Beteiligten zum digitalen Arbeiten füllt das Gesamtpaket einer Kultur der Digitalität an unseren Schulen mit Leben. Eine breite und professionell aufgestellte Aus- und Weiterbildung ist unverzichtbarer Baustein digitaler Bildung.

- Die Zeit des Schwarzen Peter-Spiels beim Thema Digitalisierung von Schule muss endlich vorbei sein. Das Kultusministerium muss umgehend mit den Kommunen über eine zukunftsfähige „Schulträgerschaft des 21. Jahrhunderts“ ins Gespräch gehen. Es liegt in der Verantwortung der Kultusministerin und ihres Verwaltungsapparats, die schulischen Akteure zu befähigen, Lehren, Lernen und Schule zeitgemäß zu denken und zu leben. Denn: Schule im 21. Jahrhundert bedeutet, dass essenzielle Skills wie Kommunikation, Kollaboration, Kreativität und kritisches Denken schon in der Schule vermittelt und geübt werden. Statt sich in Allgemeinplätzen zu ergehen, muss die Kultusministerin endlich ihre Hausaufgaben erledigen und dabei folgende Fragen überzeugend beantworten:

• Wie geht Digitalisierung so schnell voran, dass wir einerseits mögliche weitere Anforderungen der Schule@Corona bewältigen und andererseits international nicht den Digitalisierungs-Anschluss komplett verlieren?

• Wie wird Digitalisierung so einfach, dass alle in der Schulwelt partizipieren und profitieren können?

• Und ganz grundsätzlich und wichtiger als alles andere: Wie lässt sich Schule in Baden-Württemberg in der Breite so verändern, dass sie zukunftsfähig wird?

Auf die Antworten sind wir gespannt - sie zeitnah und seriös zu entwickeln, gehört zur Kernkompetenz einer Politikerin mit Ambitionen auf höchste Ämter.

 

Für die Beteiligten der Digitalisierungs-Initiative (GEW, VBE, BLV, Grundschulverband und Verein für Gemeinschaftsschulen) Matthias Wagner-Uhl

 

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