Ravensburg (rei) - Nachdem kürzlich ein gemeinsamer Brief von 18 der 22 Chefärzte des OSK-Klinikverbundes bekanntgeworden ist, in dem diese medizinischen Führungskräfte ihr Verhältnis zu OSK-Geschäftsführer Prof. Dr. Oliver Adolph als "zerrüttet" bezeichnen und eine weitere Zusammenarbeit mit dem erst 2020 installierten OSK-Chef ausschließen, ist am 12. August der Aufsichtsrat der OSK zu einer Sondersitzung zusammengekommen.

Der Aufsichtsrat appelliert an alle Beteiligten – Führungskräfte wie das gesamte Personal – die Situation in einem konstruktiven Aufeinanderzugehen zu retten. Die Protestnote der Chefärzte steht in Zusammenhang mit Personalkündigungen und Klagen aus der Belegschaft über ein schlechtes Betriebsklima. Hier die Pressemitteilung der OSK zur Sondersitzung des Aufsichtsrates im Wortlaut:"Der Aufsichtsrat der Oberschwabenklinik gGmbH hat sich in einer eigens einberufenen Sitzung am Freitag (12. August) intensiv mit der gegenwärtigen Situation im Unternehmen befasst. Das Gremium erwartet von allen Einzelpersonen und Berufsgruppen, atmosphärische Spannungen im Gespräch miteinander zu lösen und die Arbeit in der Sache an einer bestmöglichen Versorgung der Patienten zu orientieren.

Als Reaktion auf den Wunsch einer Mehrheit der Chefärzte nach einem Austausch mit dem Aufsichtsratsvorsitzenden wird Landrat Harald Sievers als Vorsitzender des Personalausschusses des Aufsichtsrates die interessierten Chefärzte sowie die Geschäftsführer zeitnah gemeinsam in eine Sitzung des Ausschusses einladen. Es solle miteinander gesprochen werden. Nach dem Wunsch des Aufsichtsrates sollen Chefärzte und Geschäftsführung ihre Expertise in einem gemeinsamen Gespräch einbringen.

In den weiteren unternehmensinternen Dialog einbezogen werden müssen nach dem Willen des Aufsichtsrates auch alle anderen Berufsgruppen in der OSK, insbesondere die Pflege. Jede Äußerung aus der OSK müsse sehr ernst genommen werden. Der Aufsichtsrat anerkennt ausdrücklich, welche Anstrengungen seit nun schon zweieinhalb Jahren im Zeichen einer Pandemie im täglichen Betrieb der OSK notwendig sind und welche hervorragenden Leistungen erbracht werden. Dass auch vor dem Hintergrund einer Ausnahmesituation interne Spannungen zunehmen, sei sogar verständlich. Gerade deshalb sei es aber wichtig, Probleme im Dialog zu lösen.

Ausdrücklich anerkennt der Aufsichtsrat auch die Anstrengungen bei der Umsetzung des vom Kreistag beschlossenen neuen medizinischen Konzeptes. Dass die Notwendigkeit einer neuen Aufstellung der OSK gerade in die Pandemiezeit fällt, sei eine zusätzliche Belastung. Die Dinge treiben zu lassen, sei aber unverändert keine Option. Wer es mit der Zukunftsfähigkeit der OSK ernst meint, müsse sich gemeinsam mit der Geschäftsführung hinter dieses Konzept stellen. Auch dies sei eine klare Erwartung des Aufsichtsrates."

 

Der Aufsichtsrat der Oberschwabenklinik gGmbH (OSK) besteht aus folgenden Personen:
Harald Sievers, Landrat des Landkreises Ravensburg (Vorsitzender)
Simon Blümcke, Erster Bürgermeister der Stadt Ravensburg (stellvertretender Vorsitzender)
Peter Clement, Kreistagsmitglied
Prof. Dr. Wolfgang Dieing, Kreistagsmitglied
Dr. Roland Dietrich, Kreistagsmitglied
Dr. Matthias Geiser, Geschäftsführer, Kliniken Villingen-Schwenningen
Roland Haug, Kreistagsmitglied
Volker  Hädicke, Betriebsrat Oberschwabenklinik
Bernd Hofmann, Betriebsrat Oberschwabenklinik
Prof. Dr. Udo X. Kaisers, Vorstandsvorsitzender
Carmen Kremer, Kreistagsmitglied
Michael Lang, Kreistagsmitglied
Clemens Moll, Kreistagsmitglied
Liv Pfluger, Kreistagsmitglied
Roland Sauter, Kreistagsmitglied
August Schuler, Kreistagsmitglied
Bernhard Schultes, Kreistagsmitglied
Michael Müller, Betriebsrat Oberschwabenklinik
Sonja Wild, Kreistagsmitglied

 12Adolph

Die gleichberechtigten Geschäftsführer des Klinikverbundes OSK: Michael Schuler (links), der seit Oktober 2021 im Amt ist, und Prof. Dr. Oliver Adolph, der am 1. Juni 2020 Co-Geschäftsführer neben dem langjährigen OSK-Geschäftsführer Dr. Sebastian Wolf geworden war.  Dr. Sebastian Wolf war am 22. Juni 2020 vom Aufsichtsrat überraschend entpflichtet worden, obwohl er erst zwei Jahre zuvor für eine weitere fünfjährige Amtszeit bestellt worden war. Er war Geschäftsführer seit 2011 gewesen. Nachfolgerin von Dr. Wolf wurde Petra Hohmann, die nach nur zehn Wochen vom Aufsichtsrat entlassen wurde. Sie hatte von einem Zerwürfnis mit Oliver Adolph gesprochen. Nach der Entlassung forderte sie eine hohe Abfindung. Vor dem Landgericht Ravensburg kam ein Vergleich zustande; die Rede ist von mindestens 300.000 €, die an die Kurzzeit-Geschäftsführerin an der Seite von Oliver Adolph gezahlt worden seien.
Unser Bild entstand am 12. Mai bei der Bürgerinformation in Bad Waldsee-Reute, als es um die Schließung des Bad Waldseer Krankenhauses ging.

rei / DBSZ-Archivbild: Erwin Linder

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