Bad Wurzach - Nach Jahren der Einschränkungen konnten die Gläubigen wieder ohne Einschränkungen das Pontifikalamt mit dem Erzabt von St. Ottilien, Wolfgang Öxler OSB, feiern. So viele Wallfahrer wie schon lange nicht mehr folgten dieser Einladung an den Gottesberg.

Nach der Segnung der zweiten Abteilung der Blutreitergruppen auf dem Podest war es Zeit, die Heilig-Blut-Reliquie wieder an ihren Heimatort, den Gottesberg, zu bringen. Der Erzabt trug sie unter dem brokatglänzenden „Himmel“ hinauf zum Baldachin vor der Wallfahrtskirche, begleitet von zahlreichen Geistlichen, Ministranten und den Pagen, welche die Leidenswerkzeuge Christi trugen.

Mit den ersten Strophe des Heilig-Blut-Liedes eröffnete die Stadtkapelle, die unter der Leitung von Petra Springer das Pontifikalamt in gewohnt souveräner Manier musikalisch begleitete, den Festgottesdienst, den zahlreiche Geistliche, wie etwa der ehemalige Wurzacher Stadtpfarrer Norbert Wahl und Primiziant Philipp Sauter, die Salvatorianer mit Provinzial Friedrich Emde an der Spitze sowie die Pfarrer Stefan Maier und Patrick Meschenmoser gemeinsam mit dem Erzabt zelebrierten.

In seiner Begrüßung ließ Pater Superior Konrad Werder, der einige Mitbrüder des Erzabts kennt, die aus unserer Gegend stammen, diesem Grüße an sie ausrichten. Er grüßte ebenfalls die Salvatorianische Gemeinschaft, besonders neben dem Primizianten auch Hubert Kranz aus Eberhardzell, der wohl die weiteste Anreise hatte, nämlich aus der philipinischen Hauptstadt Manila. Ebenfalls konnte er mit Pater Vinzenz aus Uganda einen von weither gekommenen Priester begrüßen.

„Was wäre das Heiligblutfest ohne Musikkapellen?“, fragte der Superior bei der Ankündigung de besonderen politischen Ehrengastes, ist Guido Wolf (MdL) doch der Vorsitzende des Landesverbandes der Blasmusiker. Einen besonderen Gruß entbot er auch einer Pilgergruppe aus Nürtingen, die bereits zum 15. Mal zu Fuß den Weg nach Bad Wurzach auf sich genommen hatte. Bürgermeisterin Alexandra Scherer lobte er für deren großes Engagement für den „Wurzacher Nationalfeiertag“ in der Wallfahrtskommission; ein besonderer Dank ging an den Bauhof für die Unterstützung.

Nachdem der Primiziant Philipp Sauter das Evangeliumswort nach Johannes verlesen hatte, das vom Lanzenstich des römischen Hauptmannes in die Seite Jesu handelt („und sofort floss Blut und Wasser aus der Wunde“) stieg der Erzabt, der seine Predigt unter das Leitwort „Durch seine Wunden sind wir geheilt“ gestellt hatte, mit einer nachdenklich stimmenden Geschichte in seine ansonsten mit viel Humor gewürzten Predigt ein. Der kleine Peter bricht beim Eislaufen ein, wird von seinem Großvater durch den Gehstock gerettet. Doch wegen der Unterkühlung, die er selbst dabei erleidet, stirbt der Opa wenige Tage später.

Als die Mutter von Peter beim Ausräumen von Großvaters Zimmer den Gehstock weggeben will, ruft Peter: „Nein nicht, der Stock hat mir das Leben gerettet.“ Es war nicht der Stock, sondern der Großvater, auf diese Unterscheidung legte Öxler großen Wert. Denn genau so ist es mit der Erlösung durch das kostbare Blut Jesu; Er-löst heißt ja, dass etwas von jemandem, also durch Jesus, gelöst wird, und nicht, wie heute üblich, das es nur noch Ich-Lösungen gibt. „Wunden gehören zum Leben und es gibt es nicht, dass jemand unverwundet durchs Leben kommt.“

Auch Siegfried der Drachentöter wurde zum Opfer, weil er – der vermeintlich Unverwundbare – nur durch einen unglücklichen Umstand an einer kleinen Stelle doch verwundbar blieb. Abt Öxler konnte mit einer ganzen Litanei an Wunden, Ablehnungs-, Entäuschungs-, Einsamkeits-, Verlassenswunden usw. aufwarten. Noch nie zuvor habe er so viele zerbrochene Ehen begleitet wie in der Coronazeit. Zu den Familienwunden meinte er auf gut bayerisch: „Regeln´s das mit dem Erbe zeitig!“

„Aber wir müssen uns auf die Wunden einlassen, Heilung gibt es da, wo man es benennen kann, etwa bei der Beichte.Wir dürfen uns nicht auf den Perfektionswahn einlassen, denn „Perfektion ist Sünde“, weil wir dabei alles selbst machen wollen, was nicht im Sinne Gottes ist.

Die Allgäuer Beichte
Einen der humorvollen Beiträge des Ordensgeistlichen aus St. Ottilien wollen wir nicht unerwähnt lassen: die Allgäuer Beichte. Der Priester im Beichtstuhl: „So, wa homm’r?“ – Der Bauer: „Wa ma halt so hot.“ – Priester: „No homm’r’s jo.“ Beifall für den volkstümlichen Prediger. Mitten in der Ansprache. Das gibt es auch nicht alle Tage.

Mit einem von allen inbrünstig mitgesungenen „Großer Gott, wir loben Dich“ endete dieses Pontifikalamt zu dem so viele Gläubige wie seit langem nicht zur Wallfahrtskirche gepilgert waren.

 

Bericht und Bilder Ulrich Gresser

 

 

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