Man muss sich schon wundern, wo überall sich die Christlich Demokratische Union an die Spitze der Bewegung setzt. Jetzt hat der CDU-Stadtverband Bad Waldsee zur Hauptversammlung geladen und dabei in eilfertiger Über-Correctness sich an „alle Mitgliederinnen und Mitglieder“ gewandt.

Brav gegendert, liebe CDU. Kultusministerin Theresa Schopper wird sich freuen über so viel Folgsamkeit. Die Frau Ministerin, daran darf erinnert werden, hat das Gendern ja an den Schulen freigegeben. Jede Lehranstalt möge es damit halten, wie es den vor Ort Lehrenden in den Sinn kommt.

Der Gerechtigkeit halber sei konzediert: Die nassforsche Theresa hat ihren Vorschlag nicht wiederholt. Vermutlich ist da ein gestrenger Ober-Schulmeister reingekretscht (Schreibweise gemäß schulamtlichem Reformkonzept „Schreiben nach Gehör“).

Zurück zur ordnungsgemäßen Deklination unseres Gegenstandes: Der Plural „Mitgliederinnen“ steht hier auf dem Prüfstand. Der Singular hieße, konsequent flektiert, Mitgliederin. Hm. Was ist mit Mitgliedin? Würde sicherlich von Theresa S. goutiert. Dann aber hieße der Plural Mitgliedinnen.

Wir sehen, die CDU Bad Waldsees – und nicht nur sie – hat da ein Problem.

In der Einladung heißt es weiter, dass der Abgeordnete Raimund Haser MdL die Veranstaltung zu besuchen gedenke. MdL, das heißt Mitglied des Landtages.

Wenn es aber die Form „die Mitgliedin“ gibt, dann ist die Verwendung der Form „das Mitglied“ hochgradig diskriminierend. Der Raimund ist kein Neutrum! Das müsste heißen: „der Mitglied“ des Landtages.

Um auf Nummer sicher bei der, die, das Mitglied(in)erin zu gehen, schlagen wir eine Gesetzesinitiative vor. Der Namenszusatz MdL braucht ein Gendersternchen: M*dL, das sieht doch ganz hübsch aus. Die genderaffine grünschwarze Koalition wuppt das schon. Oder müsste man das bundesgesetzlich regeln? Und was ist dann mit Österreich und der Schweiz? Es braucht eine EU-weite Regelung. Die Schweiz ist aber gar nicht in der EU.

Wir sehen, das Problem wird größer und größer. Die Büchse der Pandora ist geöffnet.

Wilhelm Hahn, Kultusminister in den 1960ern und 1970ern im Ländle, würde sich im Grab umdrehen, sähe er die Vergewaltigung der deutschen Sprache.

Unter Hahn gab es kaum einen Abiturienten (Achtung: generisches Maskulinum), der nicht den Faust gelesen hat. Ja, „der“ Faust, nicht „die“ Faust.

Und es wurden Balladen wie Goethes „Zauberlehrling“ gelernt. Und Volkslieder gesungen wie „Das Wandern ist des Müllers Lust“.

Ist der „Zauberlehrling“ eine korrekte Form? Müsste das nicht der das Zaubern Lernende heißen?

Und was ist eigentlich mit der wandernden Müllerin?

Das schaffen unsere überkorrekten Sprachverhunzer schon auch noch, die klassischen Texte zu gendern und zu purifizieren. Ob sie beim Singen der schönen alten Lieder auch noch die Gender-Pause einführen, das stimmlose glottale Plosiv, wie Sprachwissenschaftler sagen? Der Glottisschlag in der Musik – dass die ReformerInnen darauf noch nicht gekommen sind.

Bei den vielen Zeichen für die Gender-Gap – Sternchen, Doppelpunkt, Unterstrich, Binnen-I – fehlt noch das Pausenzeichen der Komponist*:_Innen. Das in der geschriebenen Sprache einzuführen wäre das i-Tüpfelchen. Dann könnte man sogar die Länge der Pause vorschreiben.

So, jetzt ist das Lamento des Sprachpflegers aber ausschweifend geworden.

Schlagen wir den Bogen zum Anfang. Konservativ sein heißt: Bewahren, was gut ist.

Gibt es noch Konservative?

                                                                                      Gerhard Reischmann

 

 

Nur registrierte Benutzer können Kommentare schreiben!

­