Altshausen - Carl Herzog von Württemberg ist am 7. Juni im Alter von 85 Jahren gestorben. Er war der Chef des Hauses Württemberg, das bis 1918 vier Könige gestellt hatte: Friedrich, der von 1806 bis 1816 König von Württemberg war, Wilhelm I., der von 1816 bis 1864 regiert hat, Karl, der von 1864 bis 1891 im Amt war, und Wilhelm II., der Bürgerkönig, der bis zur Revolution 1918 Staatsoberhaupt des Königreichs Württemberg war. Wäre die Geschichte anders verlaufen, wäre Carl König von Württemberg gewesen. Neues Oberhaupt des Hauses Württemberg ist nun sein Enkel Wilhelm Herzog von Württemberg (geb. 1994), der Sohn von Carls 2018 tödlich verunglücktem Sohn Friedrich.

Unternehmer, Förderer, Mäzen
Carl Herzog von Württemberg zeichnete sich durch jahrzehntelanges Engagement in wirtschaftlichen, gesellschaftlichen, sozialen und caritativen Bereichen aus, heißt es auf der Homepage der Hofkammer, dem Familienunternehmen. „Herzog Carl war ein gesuchter Ansprechpartner, vor allem war er eines: den Menschen zugewandt. Ein besonderes Anliegen waren ihm bei der Ausübung seiner Tätigkeiten immer die Menschen, die hinter den Aufgaben und Projekten stehen. Traditionsbewusstsein und seine Verbundenheit zur Region und zum Land zeichneten ihn aus. Seine zurückhaltende, aber zugleich verbindliche Art brachten ihm großen Respekt bei vielen Menschen ein.“

Das hier gezeichnete Bild bestätigt Regierungspräsident Klaus Tappeser. „Was den Adeligen zeit seines Lebens vor allem ausmachte, war seine sympathische Bodenständigkeit und sein soziales Engagement“, so Tappeser. Ob als Ehrensenator der Universität Tübingen und Stifter von Stipendien oder als Initiator und Unterstützer verschiedenster Stiftungen in den Bereichen Wissenschaft, Kunst, Kultur, Bildung und Soziales: „Die Menschen im Regierungsbezirk profitierten von seiner Großzügigkeit und Menschenliebe“, würdigte der Regierungspräsident den Verstorbenen. Trotz seiner hervorgehobenen gesellschaftlichen Stellung sei Carl Herzog von Württemberg dabei immer ein „Mensch unter Menschen“ geblieben, „der das Leben in seinem Heimatort Altshausen durch seine Zugewandtheit bereicherte“, erinnert sich Tappeser, der selbst aus Bad Saulgau stammt.

Bodenständig und weltoffen – so zeigte sich Carl Herzog von Württemberg im kleinen wie im großen Rahmen. Sein Wort hatte Gewicht. Beim traditionellen Neujahrsempfang in Schloss Altshausen äußerte er sich stets auch zu Grundfragen von Gesellschaft und Politik.

„Er hatte ein offenes Ohr“
Schloss Altshausen, eine ehemaligen Deutschordensresidenz, ist seit einigen Jahrzehnten der Familiensitz. Die Bildschirmzeitung hat deshalb Patrick Bauser, den Bürgermeister des Ortes, um würdigende Worte gebeten. Bauser verweist in seinem Nachruf auf die hohen staatlichen Ehrungen des Verstorbenen, der zudem auch Ehrenbürger von Altshausen ist. Weiter schreibt er: „Mit Herzog Carl verliert die Gemeinde Altshausen einen großzügigen und außergewöhnlichen Mitbürger. Er hatte stets ein offenes Ohr für die Belange der Gemeinde und der verschiedenen Vereine und war ein großer Förderer unserer Gemeinde und der Vereine. Auch außerhalb der Gemeinde Altshausen engagierte sich Herzog Carl beispiellos und hatte zahlreiche Ehrenämter inne und unterstützte viele soziale Einrichtungen. Ich werde Herzog Carl aufgrund seiner beispielhaften Haltung, seines Frohsinns, seiner Großherzigkeit und seiner Bescheidenheit immer in sehr guter Erinnerung behalten. Durch seine Persönlichkeit war er in der Gemeinde hoch angesehen und geschätzt. Gerne erinnere ich mich an die zahlreichen persönlichen Begegnungen und Besprechungen, die stets auf Augenhöhe und in gegenseitigem Respekt stattgefunden haben. Meine Gedanken sind in dieser schweren Zeit bei seiner Familie, die für ihn stets einen sehr hohen Stellenwert hatte.“

Auszeichnungen
Seit 2006 war Carl Herzog von Württemberg Ehrenbürger seines Wohnorts Altshausen und auch in Hinterstoder (Oberösterreich). Für seine Verdienste um die Kirche erhielt er 2008 die Ehrendoktorwürde der Philosophisch-Theologischen Hochschule Vallendar. Von Ministerpräsident Lothar Späth wurde Carl Herzog von Württemberg 1986 mit der Verdienstmedaille des Landes Baden-Württemberg ausgezeichnet. 1997 verlieh Bundespräsident Roman Herzog ihm das Große Verdienstkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland, überreicht wurde es von Ministerpräsident Erwin Teufel. Im Jahr 2017 wurde Herzog Carl dann von Ministerpräsident Winfried Kretschmann die Große Staufermedaille in Gold des Landes Baden-Württemberg verliehen. Das Land Oberösterreich würdigte ihn mit dem Goldenen Ehrenzeichen.

Herzog Carl war am 1. August 1936 in Friedrichshafen zur Welt gekommen, dem Sommersitz der ehemaligen Könige von Württemberg, der nach König Friedrich benannt ist (einst hatte die Reichsstadt den Namen Buchhorn getragen). Er war der zweitälteste Sohn von Philipp II. Albrecht Herzog von Württemberg und dessen Frau Rosa, die dem Hochadelsgeschlecht der Habsburger entstammte. Nach dem Verzicht seines älteren Bruders Ludwig wurde er zum Erbfolger des Hauses Württemberg und folgte seinem Vater nach dessen Tode im Jahre 1975 als Chef des Hauses und des Familienunternehmens Hofkammer, heißt es in der Internet-Enzyklopädie Wikipedia.

Spross der katholischen Linie
Herzog Carl war verheiratet mit Diane von Orléans aus dem Hause Bourbon, mit der er sechs Kinder hatte, darunter Mathilde, die sich im Jahre 1988 mit Erich Fürst von Waldburg-Zeil vermählt hat. Herzog Carl war kein direkter Nachfahre des letzten württembergischen Monarchen. Carl entstammte einer katholischen Nebenlinie der Württemberger, deren Vorfahr Ulrich zu Zeiten der Reformation zum Protestantismus konvertiert hatte.

Carl Herzog von Württemberg war Ritter des Ordens vom Goldene Vließ, einem im Jahre 1430 gegründeten Ritterorden, dessen Mitglieder der katholischen Kirche Treue schwören und sich für den Glauben einsetzen. Ordensritter sind unter anderem Karl von Habsburg-Lothringen, Christoph Kardinal Schönborn, Erzbischof von Wien, Philippe von Belgien und Hans Adam II., Fürst von Liechtenstein.

Das Familienunternehmen: die Hofkammer
Carl Herzog von Württemberg hatte an der Eberhard-Karls-Universität in Tübingen Rechtswissenschaften studiert. Die Hofkammer, das Familienunternehmen des Hauses Württemberg, in die er 1959 eingetreten war und die er faktisch ab Mitte der 1960er-Jahre geführt hat (formelle Leitungsübernahme: 1975), verwaltet laut Wikipedia zirka 5500 Hektar Wald, zirka 2000 Hektar Wiesen und Äcker, 50 Hektar Weinberge, etwa 700 Grundstücke im In- und Ausland, Wälder in Kanada und Österreich sowie Firmenbeteiligungen. Ihr obliegt auch der Erhalt zahlreicher denkmalgeschützter Objekte.

Hohes soziales und caritatives Engagement
Neben seiner Tätigkeit als Unternehmer engagierte sich Carl Herzog von Württemberg sozial und caritativ, so im Deutschen Roten Kreuz, in der Denkmalstiftung Baden-Württemberg, bei Fördervereinen krebskranker Kinder, bei der Stiftung Katholische Freie Schule, der Kunststiftung Baden-Württemberg sowie der Stiftung präventive Jugendhilfe.

Bei der Denkmalstiftung war er von der Gründung im Jahr 1985 bis 2002 stellvertretender Vorstandsvorsitzender und von 2002 bis 2008 Vorsitzender des Stiftungskuratoriums. Im Nachruf der Stiftung, veröffentlicht in der „Schwäbischen Zeitung“ am 10. Juni, heißt es, unterzeichnet von Roland Bürkle (Vorstandsvorsitzender der Stiftung), Ministerin Nicole Razavi (Kuratoriumsvorsitzende) und Dr. Stefan Köhler (Geschäftsführer): „Der tatkräftigen Initiative von Dr. h. c. Carl Herzog von Württemberg ist es zu verdanken, dass die Denkmalstiftung Baden-Württemberg 1985 gegründet worden ist.“ Er habe die Stiftung in all den Jahrzehnten als Impulsgeber unterstützt und auch finanziell großzügig gefördert. „Dr. h. c. Carl Herzog von Württemberg hat sich bleibende Verdienste um den Erhalt des kulturellen Erbes unseres Landes Baden-Württemberg erworben.“

Für die Gesellschaft zur Förderung des Landesmuseums Württemberg übernahm Carl Herzog von Württemberg die Schirmherrschaft. Er war Ehrensenator der Universität Tübingen und der Universität Hohenheim sowie Vorsitzender der Vereinigung der Freunde der Universität Tübingen und der Universitätsstiftung. Unter anderem war er Stifter des Ludwig-Uhland-Preises für Personen, die sich um die Landeskunde verdient gemacht haben.

Weiterhin war er Ehrencommodore des Württembergischen Yacht-Clubs in Friedrichshafen und förderte dort Segeltalente durch die Herzog-Carl-Stiftung.

In seinem Wohnort Altshausen hatte er die Schirmherrschaft über die Gelben Husaren übernommen, einer Bürgergarde zu Pferd.

Am 31. Mai 2002 überreichte ihm Papst Johannes Paul II. die Komtur des Päpstlichen Ritterordens des heiligen Gregors des Großen, insbesondere wegen seiner Verdienste für den Aufbau des katholischen Schulwesens in der Diözese Rottenburg-Stuttgart. Seit 1979 war er Familiare der Deutschordensritter und am 21. Mai 2009 wurde er zum Ehrenritter der Komturei An Tauber, Neckar und Bodensee geschlagen.

Gott und den Menschen gedient
„Gott der Herr hat seinen Diener zu sich gerufen“, heißt es in der Todesanzeige, die Wilhelm Herzog von Württemberg, der neue Chef des Hauses, im Namen seiner Familie, seiner Großmutter Diane Herzogin von Württemberg, Prinzessin von Frankreich, seiner Mutter Marie Herzogin von Württemberg, Prinzessin zu Wied und seiner Tanten und Onkel und aller Anverwandten am 10. Juni in der „Schwäbischen Zeitung“ veröffentlicht hat.
Dienst ist sicherlich ein Zentralbegriff in dieser Lebensleistung. Der Verstorbene hat Gott und den Menschen gedient und sich so bleibende Verdienste um das Land erworben, das seine Familie über Jahrhunderte geprägt hat.
Bericht:  Gerhard Reischmann

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Unser Bild entstand im Jahre 1988. Gemacht hat es Rupert Leser, der ehemalige Fotograf der „Schwäbischen Zeitung“. Es zeigt Herzog Carl, der seine Tochter Mathilde bei der Hochzeit mit Erbgraf Erich von Waldburg-Zeil zur Kirche geleitet. Im Hintergrund Schloss Altshausen. Das Bild ist dem Buch „Alltag in Oberschwaben“ entnommen (Ulm / Leutkirch 1993, S. 122).

 

 

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