Ravensburg – Mit der überarbeiteten Corona-Verordnung zum 1. Juli 2020 lockert das Land Baden-Württemberg die Regeln weiter, sodass der Besuch von Restaurants oder Cafés weitgehend ohne Einschränkungen möglich ist. Obwohl der Lockdown schrittweise beendet wurde, kommen die Menschen noch nicht zurück in die Gastronomie. Das will die DEHOGA Kreisstelle Ravensburg mit der neuen Image-Kampagne „Ihr fehlt uns!“ ändern, ansonsten könnten nach Einschätzungen der DEHOGA bis Mitte nächsten Jahres 30 Prozent der Gastronomiebetriebe in der Region verschwunden sein.

Der Kreisvorsitzende der DEHOGA (Deutscher Hotel- und Gaststättenverband e.V.) Kreisstelle Ravensburg, Max Haller: „Die Gäste sind verunsichert, das liegt sehr stark daran, dass wir so nahe an den Grenzen zu Bayern liegen, wo ganz andere Regeln gelten. Da denkt man dann vielleicht – ich weiß nicht, was ich darf, da bleibe ich lieber zu Hause. Deshalb ist unser Appell ganz klar: Kommen Sie zu uns zum Essen! Lassen Sie sich bekochen und genießen Sie einen schönen Abend mit Familie und Freunden! Wir vermissen unsere Gäste – unsere Arbeit ist nicht nur Beruf, sondern Berufung.“ Er betont, dass es in den vergangenen Wochen bereits viel Solidarität mit den Gastronomen gegeben habe. Nun sei es wichtig, dass die Menschen das Angebot auch wieder rege nutzten und in die Betriebe kämen.

Mit der Kampagne „Ihr fehlt uns!“ will die Branche gezielt Gäste ansprechen und zum Besuch einladen. Unterstützt wird die DEHOGA Kreisstelle Ravensburg dabei von Sponsoren aus der Region, die ebenfalls teilweise große Verluste wegen der Corona-Krise hinnehmen mussten. Der DEHOGA berichtet von einigen Gastronomen, die ihren Betrieb aufgrund der extrem schwierigen finanziellen Situation schließen und befürchtet, dass bis Mitte kommenden Jahres rund 30 Prozent der Gastronomiebetriebe verschwunden sein könnten. Max Haller: „Wir möchten den Menschen mit einem guten Essen und einem schönen Abend eine Freude machen. Deshalb sagen wir zusammen mit unseren Sponsoren, wie Brauereien und Lieferanten, aber auch den Städten und Gemeinden: Ihr fehlt uns!“

Sorge um eine mögliche Ansteckung müsse auch in den Innenräumen der Gastronomie niemand haben, so Haller, denn neben den aktuellen Hygienekonzepten, die streng eingehalten würden, sei sauberes Arbeiten für verantwortungsbewusste Gastronomen und Hoteliers schon immer ein wesentlicher Punkt auf der Tagesordnung gewesen.

 

Das geht ab 1. Juli wieder

• Gäste dürfen ohne Mundschutz in die Gastronomie kommen
• 20 Personen dürfen wieder zusammen am Tisch sitzen
• Feiern mit maximal 100 Personen sind möglich
• Auf Feiern darf wieder getanzt werden

 

„Wir vermissen unsere Gäste“

Profilbild Max Haller25 (2)Kreisvorsitzender Max Haller der DEHOGA Kreisstelle Ravensburg über die Image-Kampagne „Ihr fehlt uns!“

 

Ist mit der neuen Corona-Verordnung in Baden-Württemberg ein normaler Gastronomie-Besuch wieder möglich?

Die Einschränkungen für die Gäste werden immer weniger. Die Gäste dürfen kommen, sie dürfen sich auch wieder bunt gewürfelt an die Tische setzen, es gibt keine Mundschutzpflicht mehr für die Gäste. Sogar das Tanzverbot für Hochzeiten ist wieder aufgehoben worden. Es gibt noch die Registrierungspflicht. Aber so langsam kommen wir wieder in den Normalbetrieb.

 

Trotzdem stellen Sie fest, dass die Leute noch nicht wie früher in die Restaurants und Cafés kommen. Woran könnte das liegen?

Die Gäste sind verunsichert, das liegt sehr stark daran, dass wir so nah an den Grenzen zu Bayern liegen, wo ganz andere Regeln gelten. Da denkt man dann vielleicht – ich weiß nicht, was ich darf, da bleibe ich lieber zu Hause. Deshalb ist unser Appell ganz klar: Kommen Sie zu uns zum Essen! Lassen Sie sich bekochen und genießen Sie einen schönen Abend mit Familie und Freunden! Wir vermissen unsere Gäste – unsere Arbeit ist nicht nur Beruf, sondern Berufung. Wir lieben unsere Arbeit und wollen nicht alleine dasitzen.

 

Wie gehen die Gastronomen mit der Verunsicherung der Menschen um?

Wir beraten unsere Gäste sehr intensiv und erklären gerne genau, was möglich ist. Das haben wir in den vergangenen Monaten so gemacht und machen das auch weiterhin. Wer die Verordnungen nicht lesen möchte, ruft uns einfach an. Sie planen eine Hochzeit oder einen Geburtstag? Eine Weihnachtsfeier oder einen Firmenausflug? Dann melden Sie sich und Sie werden sehen – es geht eigentlich wieder vieles wie gewünscht!

 

Die Rückkehr zu den alten Gewohnheiten scheint nicht automatisch zu funktionieren – wie sicher ist ein Restaurant-Besuch im Gastraum?

Wir haben alle ein Hygienekonzept erstellt und setzen das sehr gewissenhaft um. Alles, was häufig angefasst wird, wie Türklinken zum Beispiel, wird auch häufig gereinigt. Und gewissenhafte Gastronomen haben ja auch vor der Corona-Krise schon sehr hygienebewusst in der Küche gearbeitet. Da gab es bereits hohe Standards, zu denen wir verpflichtet sind – Sauberkeit gehört im Umgang mit Lebensmitteln für uns einfach dazu. Wären vonseiten der Regierung hier noch Bedenken da, dann würde es die Lockerungen für die Gastronomie und Hotellerie jetzt nicht geben. Angst vor Ansteckung – auch in den Innenräumen der Gaststätte – muss wirklich niemand haben.

 

Was ist für Sie persönlich das Wichtigste an Ihrem Beruf?

Ganz klar der Umgang mit den Menschen. Wer zu uns kommt, ist positiv gestimmt, wir feiern mit unseren Gästen Geburtstage und Hochzeiten, wir sind für unsere Gäste da. Das macht natürlich viel Freude, du bekommst Response von den Gästen. Wenn Gäste mir sagen, das war toll bei dir, wir haben das genossen, dann macht das die Freude an der Gastronomie aus.

 

Wie ist die Situation der Gastwirte in der Region aktuell?

Gastronomie ist im Augenblick ein hartes Brot. Wir haben drastische Umsatzeinbußen – selbst Innenstadtlagen klagen über bis zu 80 Prozent Umsatzrückgang trotz der Wiederöffnung. Unser Verband geht davon aus, dass bis Mitte nächsten Jahres rund 30 Prozent aller Gastronomiebetriebe verschwunden sein werden. Wir haben noch keine aktuellen Zahlen, aber wir hören regelmäßig von Betrieben, die nach dem Lockdown gar nicht erst wieder aufmachen.

 

Sind das Betriebe, die schon vor der Corona-Krise in Schieflage waren oder schlecht gewirtschaftet haben?

Ganz klar nein. Die Corona-Krise ist für diese Betriebe zum denkbar schlechtesten Zeitpunkt überhaupt ausgebrochen. Wir hätten in der Gastronomie und Hotellerie die gute Zeit des Jahres – also Frühjahr und Sommer vor uns gehabt und hatten die schlechte Zeit des Jahres eigentlich hinter uns. Januar, Februar und März bedeuten für uns immer Minderumsätze, da ist kein Geld verdient. Die Krise hat uns eiskalt erwischt. Rücklagen bilden wir eigentlich für diese Monate, was darüber hinaus da war haben wir in der Krise in kürzester Zeit aufgebraucht.

 

Haben die Gastronomen in der Region auch eine besondere Form von Solidarität der Menschen erlebt?

Ja, es gab viele Gäste, die die Gastronomen eingehend unterstützt haben und zum Beispiel die To-Go Produkte gekauft haben, es gab einige Gutscheinkäufe, wo Gäste in Vorleistung gegangen sind. Bei verschobenen Hochzeiten haben die Brautpaare teils angeboten, 50 Prozent bereits in diesem Jahr zu bezahlen, obwohl die Hochzeit jetzt erst im nächsten Jahr gefeiert werden soll. Da gab und gibt es ein sehr großes Gemeinschaftsgefühl. Auch viele Städte und Gemeinden unterstützen uns und haben zum Beispiel öffentliche Außenflächen kostenlos zur Verfügung gestellt, damit wir trotz Abstandsregel alle Tische aufstellen und nutzen konnten. Was wir uns jetzt wünschen ist, dass wir wieder ganz unmittelbar für unsere Gäste da sein können. Wir möchten den Menschen mit einem guten Essen und einem schönen Abend eine Freude machen. Deshalb sagen wir zusammen mit unseren Partnern wie Brauereien und Lieferanten aber auch den Städten und Gemeinden: Ihr fehlt uns!

 

Weitere Informationen gibt es ab 1. Juli, 18:00 Uhr auf der Internetseite zur Kampagne: https://www.ihr-fehlt-uns.info/

 

Pressemitteilung der DEHOGA Kreisstelle Ravensburg

 

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