Bergatreute - Filmemacher Alexander Knor hat es in seinem aktuellen Werk, „Dem Himmel einen Schritt näher – wenn Fortschritt auf Landschaft trifft“, das in den Jahren 2020 bis 2022 entstandenen ist, geschafft, wunderschöne und zum Teil einmalige Landschaftsbilder unserer oberschwäbischen Heimat auf spannende Art und Weise mit Kritik zu verknüpfen.

 

Bei der Aufführung im Bürgersaal in Bergatreute wollten rund 90 Leute den rund einstündigen Film sehen, in dem Knor die (bedrohte) Einmaligkeit von Wurzacher Ried, Altdorfer Wald und Waldburger Rücken aufzeigt. Bereits in seiner verbalen Einführung verwies er in deutlichen Worten auf die Gefahren die diesen Naherholungsgebieten, Trinkwasser- und CO2-Speicher drohen. Gefahren, die sehr real sind: Durch Windräder, Kies- und Moorabbau, Gefahren, die durch die jüngste Entscheidung des Regionalverbandes noch befeuert werden. Von der Haltung mancher Landes- bzw Lokalpolitiker durch bloße Lippenbekenntnisse gedeckt, „ist die Region in den verschärften Blickwinkel von Rohstioffbetrieben und Investoren der Energiewendegeraten.“

Denn selbst das mit dem Europadiplom ausgezeichnete Wurzacher Ried ist nach der aktuellen Planung des Regionalverbandes nicht mehr vor der Verspargelung der Höhenzüge ringsum sicher. Der Altdorfer Wald, größter Trinkwasserspeicher der Region durch die Erweiterungen von Kiesgruben bedroht.

Last but not least:  auch das Kleinklima von Oberschwaben ist bedroht wie der anerkannte Wetterexperte Roland Roth vor wenigen Tagen zu den Extremwetterlagen bei uns sagte: „Hätten wir den Altdorfer Wald nicht...“.

 

Zum Film: Mit beeindruckenden Aufnahmen, zumeist mit einer Drohne aufgenommene Luftaufnahmen, startet der Film beim Aussichtspunkt Grabener Höhe, von wo aus man einen wunderbaren Blick über das schon erwähnte Wurzacher Ried bzw. Wurzacher Becken hat. Von dort schweift der Blick auch über den seit 1000 Jahren so gut wie unveränderten Waldburger Rücken.

Über das älteste Naturschutzgebiet Baden-Württembergs, dem Rohrsee, einem Abstecher zur St. Sebastian Kapelle, dem Wahrzeichen oberschwäbischer Frömmigkeit, geht die Reise über die Eintürner Weiher zum Bauernhausmuseum Wolfegg und von dort über die oberschwäbische Hügellandschaft zwischen Wolfegg Vogt und Waldburg mit seinen Naturschutzgebieten.

Wie wichtig der Wald als Luftreiniger, Rückzugsgebiet und Stressminderer für den Menschen ist, zeigen bereits viele wissenschaftlichen Studien auf. Der Altdorfer Wald mit seinen 82 Quadratkilometern Fläche und seiner Nord-Süd Ausdehnung von 20 Kilometern ist das – nach dem Schwarzwald – zweitgrößte zusammenhängende Waldgebiet in Baden-Württemberg. Und da zu 85% im Staatseigentum auch Eigentum der Bürger!

Deswegen hinterfragt Knor auch kritisch die vom Regionalverband angedachten Veränderungen: Die in Zeiten des Klimawandels Abbauverlängerung von Torf im Reicher Moos, die Vergrößerungen der Flächen zum Kiesabbau, dessen Gruben bereits das drei bis 10fache ihrer ursprünglichen Fläche bisher zugestanden bekam und nun auch noch weitere 150 ha an Fläche zum Abbau bekommen soll.

Mit zum Teil fadenscheinigen Begründungen („unbedeutender Fichtenwald“) werden von der Politik Landschafts- und Wasserschutzgebiete in „normale“ Flächen umgewandelt, um sie rasch roden zu können, obwohl die Bilder der Drohne von Knor etwas ganz anderes aussagen: Über Jahrzente gewachsene Mischwälder bedecken einen Großteil der Waldflächen des Altdorfer Waldes!

Knor sieht in seinem Film im flächendeckenden Ausbau der Windkraft, zumeist aus Gründen des Gewinnstrebens derzeit eine der größten Gefahren für die Wälder Oberschwabens. Ein Windrad verbraucht ein Hektar Fläche, nicht mitgerechnet die Verbindungswege für Bagger, Baumaschinen sowie Transport der 70-80m langen Rotorblätter. Und dies mal 30, 60 oder gar 90, je nach Art, Auslegung und Berechnung der Flächen. Viel sinnvoller wäre die Solarnutzung: Denn nur 15% der Dachflächen in Baden-Württemberg werden in einem der sonnenreichsten Bundesland bisher genutzt.

Ein weiteres Alarmsignal für unsere Landschaft: Eine Studie im Auftrag der NASA und des deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt hat zum Thema „Wasserbewegungen“ festgestellt, dass Deutschland in den vergangenen 20 Jahren eine Menge an wasser verloren, die dem Volumen des Bodensees entspricht. Baden-Württemberg und Oberschwaben sind damit die Regionen mit dem größten Wasserverlust weltweit. „Und wir gehen hin und graben dem größten Wasserspeicher Oberschwabens mit immer größeren Kiesgruben und jetzt auch noch Windrädern dasselbige ab?“ fragte Knor sich und erinnerte Minister, Politiker und Landrat daran, dass der Altdorfer Wald nicht deren Privateigentum, sondern das Eigentum der Bürger sei und  sie dieses zum Wohle derselben verwalten sollten.

 

Weitere Vorführungen sind geplant:

 

Bad Waldsee: Sonntag im Seenema Kino, 3.April um 16.00 Uhr

Weingarten: Dienstag, 5.April im Linse-Kino um 19.00 Uhr

Alttann: Mittwoch, 13. April im Bürgerhaus um 19.30 Uhr

Achberg: Sonntag, 1. Mai im Humboldthaus um 17.00 Uhr

 

 Bericht und Bild Uli Gresser

 

 

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