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Bad Wurzach - „Das letzte Bild“ ist der Titel des aktuellen Romans, aus dem die Autorin, die in Eriskirch am Bodensee lebt, im Rahmen des diesjährigen Allgäuer Literaturfestivals im Lesesaal der Stadtbücherei nicht nur einige Kapitel vorlas, sondern auch viel über ihre Recherchearbeit zu dem Buch erzählte.

Zum zweiten Mal nach 2018, als der Bekannte Krimiautor Andreas Föhr mit seinem damals aktuellen Krimi „Schwarzwasser“ zu Gast war, ist Bad Wurzach wieder einer der Gastgeber des Allgäu-Literaturfestivals gewesen. Und wieder drehte sich vieles um einen Kriminalfall, auch wenn das Buch eigentlich von einem Familiendrama handelt.

Doch die Grundlage der Geschichte bildet ein ungelöster und sehr mysteriöser Kriminalfall , der sich 1970 in Norwegen ereignete, dessen Ermittlungsergebnisse mehr Fragen aufwarfen statt Antworten zu geben.

Nach der Begrüßung durch die Leiterin der Stadtbücherei, Christine Linge die sich sehr freute, endlich wieder eine hochkarätige Veranstaltung im wunderschönen Lesesaal der Bücherei durchführen zu können, sowie einigen einführenden Worten durch Sabrina Rintisch als Vertreterin der Organisation des Literaturfestivals, machte sich die Autorin Anja Jonuleit gemeinsam mit den rund 40 Besuchern auf die Spurensuche in diesem mysteriösen Kriminalfall.

„Wenn sich die Bedeutung eines Geheimnisses sich daran bemisst, wie lange der Schwur hält, es nicht zu enthüllen, dann muss das Geheimnis der Frau aus dem norwegischen Isdal sehr bedeutend sein. 47 Jahre ist es her, dass sie gefunden wurde, ein toter Mensch ohne Namen und ohne Nationalität, und in all den Jahren hat von denen, die etwas wussten nicht einer geredet.“ Mit diesem Zitat aus der ZEIT vom 18. Januar 2018 begann Jonuleit ihre Erklärung, wie sie zu dem Projekt „Das letzte Bild“ gekommen war.

Als am 29. November 1970 die Leiche der als „Die Isdal-Frau“ in die Kriminalgeschichte eingehen sollte, gefunden wurde, konnte noch keiner ahnen, welche hohe Wellen dieser Fall fast 50 Jahre später in der internationalen Presse schlagen würde.

Sie habe, als sie erstmals auf den Fall aufmerksam wurde, gerade an einem anderen Buch gearbeitet. Sie sei von dem Fall derartig fasziniert gewesen, dass sie sich sofort in die Recherchearbeit gestürzt habe, erzählt die Autorin bei der Lesung.

Ihr Buch wird aus drei Perspektiven und in zwei Zeitschienen erzählt: Die drei Personen sind die Schriftstellerin Eva, Prof. Laurin Abrahamsen und aus der Vergangenheit das Mädchen Margarete.

Mit diesem begann Jonuleit auch die eigentliche Lesung mit dem ersten Kapitel, das im Jahre 1944 spielt. Bereits nach wenigen Seiten, dann der Umschnitt in die Gegenwart: Die Schriftstellerin Eva erkennt auf dem Phantomfoto der Isdal-Frau das Gesicht ihrer Mutter und damit ihr eigenes Gesicht!

Sie beschließt, der mysteriösen Geschichte nachzugehen, fährt zu ihrer Mutter um sie dazu zu befragen. Nachdem diese sehr ablehnend, ja agressiv auf ihr Ansinnen reagiert, geht sie selbst auf Spurensuche

Dabei trifft sie auch auf den hochangesehenen Prof. Laurin Abrahamsen, der bei der Lesung eingeführt wird wie er für seine Mutter, die nach einem Schlaganfall im Krankenhaus liegt in deren Wohnung einige Sachen zusammenpackt und dabei an die eigene Vergänglichkeit erinnert wird...

Voller Bewunderung und Dankbarkeit spricht Jonuleit über den Juristen und Autor des Sachbuches „Kvinnen i Isdalen“, Dennis Zacher-Aske, in dem dieser die Quintessenz aus 1.000 Seiten Polizeibericht zusammengefasst hat und der ihr bei ihrer Recherche geduldig Rede und Antwort gestanden hatte. Sie dankte auch dem Sohn des damaligen Ermittlers und dem Staatsanwalt, der 1970 zum Tatort gerufen worden war für ihre Bereitschaft sie bei ihren Recherchen zu unterstützen.

Viel wichtiger als die Lesung aus dem Buch selbst waren jedoch die Erklärungen und die Berichte über den tatsächlichen Kriminalfall, über die verschiedenen Theorien zu der mysteriösen Toten, deren Fall zunächst als Suizid zu den Akten gelegt wurde und erst später als erdrückende Beweise auftauchten, wiedereröffnet und zum Kriminalfall erklärt wurde.

Anja Jonuleit arbeitete rund drei Jahre an dem Buch, war im Rahmen der etwa zwei Jahre dauernden Recherche auch in Norwegen. Das Ergebnis dieser Arbeit ist eine mitreißende und kunstvolle Verknüpfung von Fiktion und Wirklichkeit.

Die Besucher der Lesung hingen an ihren Lippen, man hätte den berühmten Stecknadelknopf fallen hören können, wäre nicht hin und wieder durch die geöffneten Fenster der Bücherei das Glockengeläut der St. Verenakirche in den Kapitelsaal gedrungen.

 

 

Bilder und Bericht Uli Gresser

 

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