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Bad Wurzach - Wenn an lauen Frühlingsabenden die Nebel über der offenen Niedermoorlandschaft emporsteigen, dann schwingen sich auch die Männchen der Bekassine, eine Vogelart aus der Familie der Schnepfenvögel, in die Lüfte und bringen ihre Balzstimmung zum Ausdruck.

Neben dem Gesang, der mit „Tick-a, tick-a, tick-a“ wie das hölzerne Ticken einer Uhr klingt und meist von einer Singwarte aus vorgetragen wird, beherrscht die Bekassine noch eine ganz andere Tontechnik, die von einem rasanten Flugmanöver begleitet wird: Im Zickzack-Flug steigt sie hoch in den Himmel auf und kippt dann zur Seite ab.

Während sie im Steilflug nach unten stürzt, fächert sie die beiden äußeren Schwanzfedern auf und winkelt die Flügel an. Die Luftströmung wird dadurch zu den Schwanzfedern geleitet und versetzt die Federfahnen in Schwingungen, so dass sie durch Vibration einen wummernden Ton erzeugen, der wie das Meckern einer Ziege klingt. Himmelsziege wird der Vogel im Volksmund daher auch genannt.

Pater Agnellus Schneider, auch bekannt als der Vogelpater Oberschwabens, schrieb seinerzeit, die Bekassine sei ein Ausdruck der Fröhlichkeit des lieben Gottes, der einen Vogel erschaffen hat, der durch seinen Anblick erheitern soll. Eine Anspielung darauf, dass der etwa amselgroße Vogel ziemlich unproportioniert wirkt. Der Schwanz ist sehr kurz, der Schnabel dafür umso länger. Am Boden bewegt sich der Schnepfenvogel wenig grazil, eher mit wackelndem Gang. In früheren Zeiten zog man daraus Parallelen zu den wiegenden Hüftbewegungen gewerblicher Liebesdienerinnen, die daraufhin als Schnepfen bezeichnet wurden.

In ihrer Lebensweise setzt die Bekassine auf Heimlichkeit. Das Prinzip des Nichtgesehenwerdens ist eine ihrer Strategien. Kommt dem Vogel etwas verdächtig vor, so drückt er sich ins Gras. Er verlässt sich auf seine braungemusterte Tarnfarbe und fliegt erst im letzten Moment auf, wiederum mit verwirrenden Zickzack-Flügen und heiseren „Ätsch, ätsch“- Rufen, die klingen, als würde man einen Gummistiefel aus dem Moor ziehen. Auch das Nest, das verborgen in einer Bodenmulde angelegt wird, sowie die meist vier braungesprenkelten Eier sind kaum auszumachen. Eine weitere Erfolgsstrategie der Bekassine ist die Rundum-Sicht.

Die knopfrunden, hervorstehenden Augen sind hoch am Hinterkopf angebracht und ermöglichen dem Vogel beinahe einen Sichtradius von 360 Grad. So hat sie in der Offenlandschaft alles im Blick, bis auf den Bereich unmittelbar vor der Schnabelspitze. Halb so wild, denn die Nahrung wird nicht visuell, sondern durch Stochern mit dem langen Schnabel im Boden aufgespürt. Die Schnabelspitze ist hierzu mit zahlreichen, hochempfindlichen Tastkörpern besetzt.

Die Heimlichkeit der Schnepfen bot schon immer reichlich Stoff für Aberglaube. So kündigte eine meckernde Schnepfe einem pflügenden Bauern angeblich den baldigen Bruch seiner Pflugschar an. Aufgehängte Schnepfenköpfe hingegen schützen Kinder gegen bösen Zauber. In früheren Zeiten wurde die Bekassine stark bejagt. Heute leidet sie unter massivem Lebensraumverlust und ist in Deutschland vom Aussterben bedroht. Durch die großflächigen Entwässerungen von Mooren und anderen Feuchtgebieten sind die charakteristischen Laute nur noch an wenigen Orten zu vernehmen.

In den Niedermoorbereichen des Wurzacher Rieds hat man jedoch noch das große Glück, die meckernden Liebesbotschaften der männlichen Bekassinen am Abendhimmel zu hören. Bei uns Menschen haben Männer mit Meckereien eher weniger Chancen bei Frauen. Bei der Bekassine jedoch gilt: Was sich liebt, das meckert sich an.

 

pressemitteilung Naturschutzzentrum Wurzacher Ried

 

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