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Bad Wurzach - In Anwesenheit von dreien der vier Komponisten brachte die Stadtkapelle Bad Wurzach unter ihrer Dirigentin Petra Springer bei diesem Feel-More-Konzert deren Kompositionen zur Aufführung, die ab Juni per QR-Code an sechs verschiedenen Standorten in der Stadt multimedial abgerufen werden können.

Die vier Auftragskompositionen, die allesamt Bad Wurzach zum Thema haben und deren Welturaufführungen an diesem Sonntagnachmittag im Kursaal stattfanden, sind eines der wenigen positiven Ergebnisse der zweijährigen Corona-Pandemie: Die Stadtkapelle Bad Wurzach war während der Corona Pandemie zwar am aktiven Musizieren gehindert worden, nicht jedoch an der Umsetzung kreativer Ideen: Dank der Förderung durch das Staatsministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst im Rahmen des Programmes „Kunst trotz Abstand“ des Landes Baden-Württemberg konnte sie nun das Projekt FEEL-more-MUSIC realisieren.

Mit der „Overture for Woodwinds“ – ebenfalls eine Auftragskomposition – von Philip Sparke eröffnete Petra Springer dieses Konzert außergewöhnlich: Das ausführende Ensemble bestand nur aus Holzbläsern! Was bereits ein Hinweis auf die erste Auftragskomposition von Georg Stankalla (Bad Schussenried) war, mit dessen „Wurzach 1525 für Klarinettenchor“ der Reigen der Uraufführungen eröffnet wurde.

In dem dreisätzigen Werk, „Im Bauernlager“, „Das Gefecht“ und „Elend und Tod“ hat Stankalla, der an der Jugendmusikschule Bad Wurzach Klarinettenunterricht gibt, eines der dunkelsten Kapitel der Bad Wurzacher Stadtgeschichte beleuchtet, nämlich die blutige Niederschlagung des Bauernaufstandes im Jahre 1525. Und das mit einem ungewöhnlichen Stilmittel, der Reduktion auf Holzblasinstrumente. In seiner Einführung erzählte Stankalla, dass ihm die Idee für sein Werk bei der Stadtführung für die Komponisten beim Leprosenhaus gekommen war, von dessen Anhöhe aus damals die Bauernhaufen ins Ried getrieben wurden.

Victor Schätzle aus Berkheim würdigt mit seiner Komposition „Wallingford“ die Städtepartnerschaft mit der englischen Stadt. Zu Beginn erklingt die typisch englische Marschmusik, die dann in ein bekanntes Choral-Motiv, eine im katholisch geprägten Oberschwaben eine oft wiedergegebene Musikform ist, übergeht. Schätzle selbst sagte dazu: „Somit baut das Werk eine musikalische Brücke zwischen den Städten und soll all jene bestärken, die sich für Völkerverständigung einsetzen.“ Beinahe zwangsläufig kam er in seiner Vorstellung seines Stückes auch auf den Krieg in der Ukraine zu sprechen, sehr bewegend war auch sein Erinnerung an den Heiligabend des Jahres 1914, als für einen Tag in dem damals tobenden Ersten Weltkrieg die Waffen schwiegen.

Mit Peter Schad konnte die Stadtkapelle einen einheimischen, noch dazu sehr prominenten Komponisten mit seiner Komposition „Auf dem Klosterplatz“ für ihr Projekt gewinnen. Schad wunderte sich darüber, dass Kirche und das Kloster Maria Rosengarten außerhalb der (nicht mehr vorhandenen) Stadtmauern errichtet wurden. Denn in den allermeisten Städten bilden die Kirchen das Zentrum der Stadt. Peter Schad glaubt, dass eine solche Enge in der Innenstadt es nicht ermöglicht hätte, einen Platz solcher Dimension zu erstellen.

Mit der musikalischen Umsetzung vorbeifließenden Ach und ihrem idyllischen Ufer, die beim Klosterplatz eine Symbiose zwischen Natur und Kultur eingehen, eröffnet er sein Werk. Was mag im Laufe der Jahrhunderte auf dem Platz alles geschehen sein? fragt er sich mit Blechbäserklängen im Pavanenrhythmus, die das unaufhörliche Fortschreiten der Zeit symbolisieren.

„Spätestens mit dem Blick auf die St. Verena Kirche bekommt der Klosterplatz eine religiöse bzw. sakrale Dimension. Wie eine überdimensionale Madonna überragt sie majestätisch das gesamte Areal.“ Pauken und Trompeten vermittelten Größe und Glanz. Den Hauptteil der Komposition bildet eine Paraphrase des Kirchenliedes „Lobet froh den Herrn“, eine Botschaft die seit Jahrhunderten vom Klosterplatz ausgehe. Zu den Kritiken, die seit der aufwendigen Umgestaltung vor wenigen Jahren in der Stadt laut geworden sind, meinte er: „ Ich kann nur sagen: Mir gfällt´r!“

Mit dem Werk „Wurzun Impressions“ hat Dominic Wagner, der selbst nicht anwesend sein konnte aber mit einer Videobotschaft sein Werk erklärte, den drei wichtigsten Sehenswürdigkeiten bzw. Ereignissen Bad Wurzachs ein musikalisches Denkmal gesetzt. Deswegen wird den drei Sätzen auch jeweils an den entsprechenden Orten einer mit dem QR-Code versehenen Notenständer zugeordnet.

Mit der mystisch-geheimnisvollen Stimmung eines nebligen Sonnenaufganges im Ried, gepaart mit den farbenfrohen Klangkulissen der vielfältigen Tier- und Pflanzenwelt, eröffnet er mit dem Satz „Das Wurzacher Ried“ das Werk. Aber er wirft auch einen musikalischen Blick auf die harte und entbehrungsreiche Arbeit der Torfarbeiter.

Mit fast pharaonesken Klängen eröffnet Wagner den zweiten Satz „Das Wurzacher Schloss“, um das nach wie vor beeindruckende Barocktreppenhaus zu beschreiben. Das von Graf Ernst Jakob Truchsess von Waldburg-Zeil-Wurzach von 1723-28 erbaute Schloss entwickelte sich rasch zu einem Zentrum höfischer Musik und Malerei, was Wagner auch geschickt zum Ausdruck brachte.

Das jeweils am zweiten Julifreitag gefeierte Heiligblutfest zur Verehrung der ursprünglich aus dem Privatbesitz von Papst Innozenz XII stammenden Heilgblutreliquie bildet den Inhalt des dritten Satzes „Bluttritt zum Gottesberg“.
Die musikalische Umsetzung erfolgte durch Marschmusik, Choräle, das Getrappel der Pferde. Auch die Lebensfreude und das Traditionsbewußtsein der Menschen fand in der Komposition seinen Niederschlag.

Sehenswert und raffiniert war auch die sicht- und hörbare Umsetzung des sakralen Gedankens bei dieser Premiere: Ein Hörnerquartett spielte im Foyer, während die Stadtkapelle mit einem wunderbar fließenden Übergang den Weg dorthin und wieder zurück auf die Bühne begleitete.

Mit zwei wunderbar flotten Märschen als Zugaben beendete die Stadtkapelle dieses einmalige Konzert. Vorstand Günther Herdrich bedankte sich zwischen den Zugaben mit Präsenten bei den Komponisten, Dirigentin Petra Springer und der Ansagerin Andrea Mall. Ebenfalls ein flüssiges Präsent erhielt Florian Tobisch, der mit Diaschauen die einzelnen Musikstücke optisch unterstützte.

„Endlich wieder Konzerte. Ich habe das sehr gute Konzert ausgesprochen genossen,“ kommentierte Klaus Wachter, stellvertretender Kreisverbandsvorsitzender des Blasmusikkreisverbandes Ravensburg und gab damit die einhellige Meinung vieler prominenter Konzertbesucher, wie etwa Bürgermeisterin Alexandra Scherer, den Ehrenvorsitzenden des Kreisverbandes Josef Mütz ebenso wie die der zahlreichen Musiker von Musikkapellen aus der Region wider.

Die Stadtkapelle wird demnächst die Stücke in einem professionellen Tonstudio aufzeichnen, ab Juni werden Notenständer mit den QR-Codes einsatzbereit sein.

Bericht und Bilder: Ulrich Gresser

 

 

 

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