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Bad Wurzach - Frühjahreszeit ist Amphibien-Wanderzeit. Arten wie die Erdkröte oder der Grasfrosch machen sich von ihren Winterquartieren an Land auf den Weg in die Fortpflanzungsgebiete im Wasser.

 

Auch der Moorfrosch hat bereits seine Laichgewässer bezogen, die sich jedoch meist nicht mehr als einen Kilometer entfernt von den Überwinterungsgebieten an Land befinden.

Im Gewässer angekommen sind die männlichen Moorfrösche bereits in Hochzeitsstimmung und versuchen die Weibchen auf ganz besondere Weise zu beeindrucken: Sie färben sich intensiv blau. Ergänzt wird das farbliche Werben durch Rufe, die wie ein entfernt bellendes kleines Hündchen oder das Blubbern von Luft aus einer leeren, untergetauchten Flasche klingen.

Das Farbenspiel dauert nur wenige Tage, dann nehmen die Männchen wieder ihre hell- bis dunkelbraune Farbe an. Auf dem Rücken tragen Moorfrösche häufig ein helles Längsband. Der Körper ist schlank, die Schnauze kurz und spitz. An den Kopfseiten befindet sich jeweils ein brauner Schläfenfleck, der an eine Räubermaske erinnert, und der auch beim sehr ähnlichen Grasfrosch vorhanden ist. Moorfrösche erreichen jedoch nur eine Körperlänge von etwa sechs Zentimetern und zählen damit zu den kleinsten heimischen Fröschen.

Waren die Männchen mit ihrem Werben erfolgreich, so legt das Weibchen einen Laichballen mit etwa 500 Eiern in die Flachwasserzone der Fortpflanzungsgewässer. Jetzt beginnt die gefährliche Phase: Ist es im Frühjahr zu trocken, so können die Laichgewässer samt Laich austrocknen. Kommt Spätfrost, sterben die Eier ebenfalls ab. Für Fische, Enten und andere Tiere sind der Laich und die sich daraus entwickelnden Kaulquappen eine Delikatesse. So wird nur ein Bruchteil der Eier zu einem ausgewachsenen Moorfrosch.

Diese wiederum leiden schon lange unter massivem Lebensraumverlust, denn in Deutschland wurden in der Vergangenheit 98 Prozent der Moore trockengelegt. In Süddeutschland ist der Moorfrosch akut vom Aussterben bedroht. In Baden-Württemberg kommt die Art nur noch in zwei Landkreisen vor, wie in den Moorgebieten Oberschwabens und des Westallgäus im Landkreis Ravensburg. Diese Restpopulationen umfassen jeweils nur wenige Individuen.

Durch den Mangel an Konkurrenz haben es die Moorfroschmännchen in diesen Gebieten aktuell nicht nötig, das charakteristische blaues Hochzeitskleid anzulegen. Sie bleiben ganzjährig in ihrer braunen Tarnfarbe. Doch es gibt Hoffnung: Derzeit läuft ein aufwändiges Projekt zum Schutz und zur Stärkung der letzten Moorfroschvorkommen im Landkreis durch den Landschaftserhaltungsverband Ravensburg. Erste Ergebnisse stimmen vorsichtig optimistisch. Zur Unterstützung dieser kleinen Erfolge bitten wir alle weiblichen Naturfreunde, die das seltene Glück haben sollten, einen Moorfrosch zu erblicken, diesen nicht zu küssen.

Jedes Individuum, das nicht zum Prinzen wird, sondern ein Frosch bleibt, zählt für das Überleben der Art und trägt hoffentlich dazu bei, dass es auch im Wurzacher Ried in Zukunft wieder blaue und blubbernde Moorfrösche gibt. Bis es soweit ist, können Sie noch bis zum 8. Mai die Moorfrosch-Ausstellung im Naturschutzzentrum Wurzacher Ried besuchen und lernen diesen besonderen Moorbewohner schon mal auf diese Weise kennen.

 

Pressemeldung Naturschutzzentrum Wurzacher Ried Bild Max Kesberger

 

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