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Ziegelbach - Zum Jubiläumsabend "100 Jahre Musikverein Ziegelbach" waren seitens des Blasmusikkreisverbandes mit Chef Rudi Hämmerle, seinem Stellvertreter und für den Bezirk Allgäu verantwortlichen Klaus Wachter sowie der Kreisverbandsdirigent, Markus Frankenhauser, in den Dorfstadel in Ziegelbach gekommen, um zahlreiche Musiker für ihr langjähriges Engagement zu ehren. Corona erforderte es, dass die Jubiläumsveranstaltung um zwei Jahre verschoben werden musste.

„Im Reich der Töne erblühet das Schöne“ mit diesem Motto der 13 Gründungsväter, das auch die Fahne des Musikvereines Ziegelbach ziert, begrüßte Vorstand Freddy Holzmüller die Gäste zum Festabend anlässlich des 100jährigen Jubiläums der Musikkapelle, das nun mit zwei Jahren Verspätung endlich gefeiert werden konnte. Neben zahlreichen Ehrenmitgliedern und Vertretern der Ziegelbacher Vereine konnte der Vorstand auch Bürgermeisterin Alexandra Scherer, Ortsvorsteher Alfons Reichle sowie Pfarrer Patrick Meschenmoser begrüßen.

„100 Jahre Bestehen eines Vereines sind sicher ein Anlass, ein Fest zu feiern, Rückschau und Ausschau zu halten.“ Ein großes Dankeschön richtete er an Alle die 2010 bei der Ausrichtung des damaligen Kreisverbandsmusikfestes geholfen hatten. „Ohne euch wäre das Fest nicht so gelungen.“

„Musik ist gelebte Tradition und Heimatverbundenheit. Die Sprache der Musik ist unerschöpflich in ihrer Vielfalt. Sie verbindet Menschen miteinander.“ Für die Musiker sei die Musikkapelle ein Teil ihres Lebens geworden.

Vor 100 Jahren hatten sich 13 musikbegeisterte Menschen zusammengefunden um die Musikkapelle in einer schwierigen Zeit zu gründen. „Ein Unterfangen das uns auch heute noch Hochachtung abverlangt.“ Mit viel Willen und Einsatz seien manche Höhen und Tiefen gemeistert worden. Holzmüller betonte, dass Musiker immer offen für Neues sein müssten, aber auch dafür, das Bestehende zu bewahren. Voraussetzung dafür sei eine hohe Kompromissbereitschaft, zumal es bei den aktiven Musikern einen Altersunterschied von bis zu sieben Jahrzehnten gibt. Indem man junge Menschen zur Musik bewege leiste die Kapelle einen wichtigen sozialen Beitrag. Die Erkenntnis, dass aus Kindern Mitglieder der Gesellschaft werden, die gelernt haben, „dass nur im Zusammenspiel ein Ergebnis erzielt werden kann, das alle zufrieden stellt,“ sei fürs Gemeinwohl unersetzlich.

Bürgermeisterin Scherer, die nicht mit leeren Händen gekommen war, betonte in ihrem Grußwort mit einem gewissen Stolz, dass in keiner Stadt der Region mehr Musik gemacht werde. Auf die Musikkapelle Ziegelbach sei bei vielen kirchlichen oder anderen Festen im Jahreskreis, wie Bockbierfest, Stadelfest und Kurkonzert immer Verlass. Auch sie hob hervor, dass hier von den ersten Anfängen an immer großen Wert auf Qualität und Weiterentwicklung gelegt werde. Beachtlich findet das Stadtoberhaupt auch, dass 31 Kinder aus Ziegelbach die Jugendmusikschule besuchen.

Der Ziegelbacher Ortsvorsteher Alfons Reichle, selbst ein musikalischer Teil der Kapelle, berichtete, dass die 70 Musiker (bei Konzerten säßen damit rund 10% der Einwohner der Ortschaft auf der Bühne) schon zweimal den Namen der Ortschaft beim Oktoberfest in München würdevoll vertreten habe.

Einige der Musiker könnten von einem Großteil dieser 100 Jahre erzählen. Bereits zweimal war Ziegelbach Gastgeber des Kreisverbandmusikfestes – 1995 unter Hans Frick und 2010 unter Freddy Holzmüller. Reichle hofft, dass viele Musiker weiter dabei bleiben, damit die Musikkapelle weitere 100 Jahre bestehen kann. „Das wird aber nicht einfach.“

Der Kreisverbandsvorsitzende Rudi Hämmerle sagte, ehe er zu den Ehrungen langjähriger Musiker schritt, dass in der Zeit viele Kapellen gegründet wurden. Und an Bürgermeisterin Scherer gewandt: „Es sind große Fußstapfen, die Ihnen ihr Vorgänger hinterlassen hat, denn während seiner Amtszeit fanden fünf Kreisverbandsmusikfeste statt.“ Er persönlich sei deswegen froh dass sie in Bad Wurzach bleibe. Denn die Bad Wurzacher Jugendmusikschule habe schon eine besondere Stellung im Kreis. „Und sie ist mitverantwortlich für die die großen Erfolge in den Dörfern.“ Er sagte mit Blick auf den Ortsvorsteher:„Wählet den Ma, er hot alles richtig g´macht: Er ist Ortsvorsteher, macht aktiv Musik und er hot a Ravensburgere g´heiroted.“ Zum Vorstand Freddy Holzmüller sagte er: „So oin sott ma klona.“

 

Interessante Details und Geschichten aus der 100+2 jährigen Historie des Musikvereines förderten die aktiven Musiker Heike Reichle und Oswin Butscher in einem Sketsch zutage. Butscher hatte ja wegen Corona viel Zeit sich mit der Chronik des Vereins zu befassen. Der erste Dirigent stammte aus Baienfurt, geprobt wurde anfangs in Roßberg (!). Dass die Uniformen, welche die Ziegelbacher Musikanten im Laufe der Jahrzehnte trugen, nicht immer „geschmacksicher“ waren, zeigte eine kleine Abordnung der Kapelle bei ihren musikalischen Intermezzi, wo sie diese zur Schau stellten, sehr zum Amüsement der beiden „Chronisten“. Aber darüberhinaus berichteten Sie auch von allerlei anderem: Etwa dass schon mal heftigst gestritten wurde, aber bis zur nächsten Musikprobe alles wieder vergessen wurde. Dass die Ziegelbacher bereits bei ihrem ersten Wertungsspiel 1961 mit einer damals „neuartigen Amerikanischen Ouverture“ den ersten Platz belegten. Dass unter den Musikern kluge und erfinderische Köpfe dabei waren: Einer erfand eine mathematische Formel, die bis heute noch nicht widerlegt werden konnte, ein anderer fürs Bockbierfest die Trompetenorgel.

Ganz begeistert schwärmte Heike Reichle noch heute von dem Schwanenseeballett stattlicher Mannsbilder in pinkfarbenen Toutou´s beim Festabend 2010, bei dem auch der jetztige Vize des Kreisverbandes eine tragende Rolle spielte. Auch die Gäste beim Festakt zum 100jährigen bekamen eine Kostprobe (leider ohne den 1,98 Meter-Hünen) zu sehen.

Weitere Highlights, die Butscher aus der Chronik zutage förderte, waren: Dass der Festzeltlieferant sein Zelt für das Musikfest 1995 bereits ein schlappes Jahr zu früh aufbauen wollte. Noch gut in Erinnerung waren den Beiden die Teilnahmen am Oktoberfestumzug: Während Butscher auf der Strecke, die etwa der Länge des Wurzacher Stadtlaufes entspricht, elfmal den Alpenländer intonieren musste – die Leistung verglich er mit den Langstreckenläufern „die würden mit einer Trompete am Mund nicht ins Ziel kommen“ – musste Reichle bei ihrer Teilnahme gar 15mal den Marsch Schloss Leuchtenburg anstimmen.

Darüberhinaus konnten sich die Beiden noch gut an diverse Abenteuer, wie etwa brennende Besen beim Stadtfest, erinnern. Oder die weltgrößte Frauenblasmusikkapelle, die es sogar ins „Guiness-Buch der Rekorde“ schaffte, die beim letzten Kreismusikfest auf Ziegelbacher Boden aufspielte.

Mit Blasmusik endete auch der Festabend, denn mit dem Achtalblech, das bereits zur Einstimmung auf den Festabend aufspielte und das noch lange nach dem Programm für beste Partystimmung sorgte.

Bericht und Bilder Uli Gresser

 

 

 

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