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Bad Wurzach - Auch an dem A-Capella Sextett aus Unteropfingen aus dem benachbarten Landkreis Biberach, das hierzulande vor allem durch den A-Capella Abend des Kirchenchor Ziegelbach sowie dem gemeinsamen Auftritt mit den „Ziegelbacher“(n) vor einigen Jahren bekannt wurde, ist die Corona-Pandemie nicht spurlos vorüber gegangen.

Folgerichtig lautet ihr aktuelles Programm „Bomberlgsond ond Kugelrond“ mit dem die sechs propperen Damen nach mehreren Terminänderungen nun endlich am Karsamstag im Kursaal gastieren konnten.

Passend zur nebenan auf dem Klosterplatz gefeierten Osternacht eröffneten die gläubigen Katholikinnen mit „Lumen Christi“ ihren Auftritt als Reminiszenz auf dem Weg zu der zur Halbadrui-Wohnstube umfunktionierten Bühne des Kursaals. Natürlich in ihren wunderbar schrägen, von Fuß bis Hut gestylten Bühnenklamotten, mit Fuchspelz, Polyesterkleidern und schrägen Hüten, ihren Markenzeichen.

Nun ja das Rätsel ihres Namens ist schnell gelöst: Es ist die Zeit für ihren Kaffeeklatsch (am Tage) bzw. die Zeit, wenn sie von Musikproben oder Auftritten den Nachhauseweg antreten.

Karin, Karin, Steffi, Uli, Beate und Birgit, als die da wären zwei Lehrerinnen, zwei Erzieherinnen und je eine Ärztin und Büroangestellte, singen A-Cappella. Dass die sechs dieses Genre auf bravuröse Weise beherrschen, zeigt allein schon die Tatsache, dass sie das Publikum vom ersten Takt an im so gut wie vollbesetzten Kursaal mitreißen konnten.

Wer sich in die Mundarthöhle ihrer – nicht nur aus Gesang bestehenden – Auftritte wagt, sollte mit dem Oberschwäbischen, speziell der Biberacher Ausprägung gut vertraut sein. Dank der Karin an der Stimmgabel und Uli der Grimassenschneiderin am linken Bühnenrand wurde jedes Stück und jede Anmoderation zum Erlebnis: Ob es um Bodyshaper „mir pallted onseren Traum“ und dem Ignorieren der Fingerfertigkeiten des Dr. Mang geht.

Oder um die neue Art sich zu wiegen (Frau legt sich auf den Rücken und legt die Waage auf die angewinkelten Beine) was zu dem Ergebnis– sehr großes Untergewicht – führt, stets wird das Ergebnis auf schwäbisch kommentiert: etwa mit EWWW „Essa wa de widd.“

Ob auf Tupper Parties hinterlegt mit Abba´s Super trooper, Thermomixparties, bei denen die Gäste ganz im Sinne der schwäbischen Hausfrau mit Geschenken nach Hause gehen. Allzu zartbesaitet sollte (Ehe-) Mann bei ihren Auftritten dabei nicht sein, denn mit ihren „furztrockenen“ Kommentaren, so wie der nach dem wunderbar vorgetragenen: „Somewhere over the rainbow“ treffen durchaus ins Schwarze: „Alte Liebe rostet nicht, aber schimmla ka se scho!“

Im Repertoire von Halbadrui gibt es auch den alten deutschen Schlager „Das bisschen Haushalt macht sich von alleine, sagt mein Mann“ aber der bleibt natürlich nicht unkommentiert: „Aber I woiß es besser, I be jo sei Frau!“

Ihr laut eigener Aussage „einziges männerfreundliches Lied“ auf die Melodie von Killing me softly endet wie stets bei Halbadrui: Die „(Ehe)-Männer wissen alles besser und manchmal „stinkat se wie an Iltis“, aber se hond ja koi bessere finda kenna!“ Denn während sie bei den Getränken Spezi oder Apfelsaft stets an Stumppa übrig lassen, findet das beim Bier niemals statt. Daher singen sie „Lass es sei (Let it be) mi zom verarscha.“

Und dass dem männlichen Publikum an diesem schönen Abend ein gewisses Maß an Selbstironie gegeben war, davon zeugten die vielen herzhaften Lacher aus ihrem Munde. „Kennsch oin, kennsch alle“, war denn auch die durchaus berechtigte Kritik an der berühmten Männergrippe.

Bei allem Klamauk war nicht zu überhören, dass die sechs Mädels mit wunderbaren Stimmen gesegnet sind. Und egal in welchem Genre – ob in Jazz, Pop, Musical oder Klassik– sie gerade unterwegs waren, sie gaben mit ihrem mehrstimmigen, perfekt aufeinander abgestimmten Gesang immer eine hervorragende Figur ab. Und auch ein Choral, der, sofern man den deftigen schwäbischen Text ausblendet bekam, konnte bei geschlossenen Augen die Illusion eines Kirchganges hervorrufen.

„It gschumpfa isch ´d globet gnua,“ lautet eines der größten schwäbischen Lobesworte. Frei nach diesem Motto sagte die musikalische Leiterin des Sextett über das begeisterte Publikum: „Wenn I die Wahl hett, zwischa eich uond de Malediva: I dät eich scho vermissa!“

 

Bericht und Bilder Ulrich Gresser

 

 

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