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Blitzenreute / Bad Wurzach (Kommentar) - Kleiner Ort, große Entscheidung: Gestern (30. März) hat der Regionalverband Bodensee-Oberschwaben in Blitzenreute den Teilregionalplan Energie auf den Weg gebracht. Der Planungsausschuss hat das Ziel der Landesregierung bekräftigt, wonach zwei Prozent der Landesfläche für Windkraft und Freiflächen-Photovoltaik herangezogen werden.

Umgerechnet auf das Gebiet des Regionalverbandes Bodensee-Oberschwaben – das sind die drei Landkreise Ravensburg, Sigmaringen und der Bodenseekreis – sind das 7000 Hektar. Bis zum 4. Quartal 2023 soll eine erste sogenannte Flächenkulisse zur Umsetzung des 2-Prozent-Zieles vorliegen. 2025 dann soll der neue Teilregionalplan Energie in Kraft treten.

Der Tagesordnungspunkt 4 kam recht unauffällig daher. Der zugehörige Beschlussvorschlag – einstimmig angenommen – lautete: „Der Planungsausschuss beauftragt die Verbandsverwaltung, die Vergabe für einen Fachbeitrag zur Bewertung des Landschaftsbilds und der Erholungsfunktion der Landschaft der Region Bodensee-Oberschwaben für den Teilregionalplan Energie (Vergabesumme max. 50.000 €) bis Juli 2022 zu tätigen.“

Ein verhältnismäßig bescheidener Auftrag, der an ein unabhängiges Büro geht. Doch bei den Ausführungen zu diesem Punkt ließ die Vertreterin des Regionalverbandes tief blicken. „Wir schließen nicht ganze Landschaftsräume von vornherein aus“, sagte Nadine Kießling.

Das ist für eine unabhängige, vorurteilsfreie Beurteilung eines Sachverhaltes eine legitime, ja gebotene Herangehensweise. Aber sie macht deutlich: Beplant wird zunächst alles, also auch die Erholungslandschaft rund um Bad Wurzach.

Weiter ließ sie sich in die Karten blicken mit der Bemerkung, man müsse planerisch auf 2,5 Prozent kommen, um letztlich 2 Prozent durchsetzen zu können. Eine klare Ansage. Die Planer lassen nicht mit sich markten: 2 Prozent der Landesfläche müssen es sein! Das gilt selbstredend auch für die Region Bodensee-Oberschwaben.

Jetzt beginnt das große Karten-Malen. Wo werden Flächen von der Industrialisierung verschont? Wo kann man zum rechnerischen Ausgleich in stärkerem Maße Anlagen dislozieren? Und was ist mit dem immer wieder ins Spiel gebrachten Biosphären-Gebiet?

Für die Raumschaft Bad Wurzach zieht Gefahr herauf. Das Wurzacher Ried ist eine Kostbarkeit von europäischem Rang. Wir sind verpflichtet, es zu bewahren. Rechtlich verpflichtet gegenüber dem Europarat. Moralisch gegenüber Mensch und Tier, gegenüber Flora und Fauna der Jetztzeit und der Zukunft.

Natürlich sind wir berechtigt, das Ried zu nutzen. Schonend zu nutzen. Zum Beispiel für touristische Zwecke. Das Ried ist der Schatz der Kurstadt Bad Wurzach. Ein sensationelles Alleinstellungsmerkmal.

Windkraftanlagen der modernsten Bauart sind – Länge über alles – Objekte mit einer Höhe von 250 Metern. Sich bewegende Objekte. So etwas auf den das Ried umgebenden Höhenzügen zu errichten widerspricht allem ästhetischen Empfinden.

Und den Vorgaben des Europarates.

Das träfe die Kurstadt ins Herz. Es geht um das Kapital von Bad Wurzach. Wehret den Anfängen!

 

Kommentar: Gerhard Reischmann

Transparenzhinweis: Der Kommentator ist Mitglied der Bürgerinitiative Landschaftsschutz

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