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Bad Wurzach - Brief an politische Entscheidungsträger im Landkreis Ravensburg.
Sehr geehrte Damen und Herren Landräte und Bürgermeister, mit den Planungen der Windparks im Altdorfer Wald beginnt der Einstieg zu grundlegenden Veränderungen der noch verbliebenen Naturlandschaften unserer Region Allgäu/Oberschwaben. Am Ende dieses Ausbaus wird der Lebensraum von jedem von uns sowie unsere Natur und Landschaft gravierend verändert sein. Jeder von Ihnen wird sich deshalb in den kommenden Jahren wegen den damit verbundenen Konflikten und Veränderungen intensiv mit seinen Bürgern auseinandersetzen müssen.

 

Denn nach dem Ausstieg aus Kern- und Kohleenergie steht jetzt der flächendeckende Ausbau vorwiegend mit Windkraftanlagen (WKA) aber auch Solaranlagen in unserer Region an. Eine einfache überschlägige Rechnung* zeigt: Wollte man lediglich den Strombedarf von Deutschland mit WKA erzeugen, so müsste man dazu flächendeckend WKA im Abstand von etwa 1 km und weniger errichten. Das deckt sich übrigens recht gut mit den Planungen im Potentialatlas des Umweltministeriums für die angeschriebenen Gemeinden unserer Region.

Ein erschreckendes Szenario, wo für Mensch, Tier und Natur kein Platz mehr bliebe. Wobei der Gesamtenergiebedarf von D noch etwa sechsmal höher ist als der Strombedarf und deshalb eine Kohlenstoff-freie eigenständige Energieerzeugung mit Wind und Solar auf Flächen unseres Landes politisches Wunschdenken ist.

Zweifelsfrei muss dem geplanten flächendeckenden Ausbau mit WKA dort die Grenze gesetzt werden, wo die Gesundheit der Anlieger dieser Anlagen gefährdet ist. Eine Energiewende bei welcher am Ende große Teile unserer Bevölkerung Krankheitssymptome aufweisen kann nicht das Ziel einer vernünftigen Neuordnung der Energieversorgung sein. Es geht somit um die Frage, welche Mindestabstände der WKA zu bewohnten Gebieten zum Schutz der Menschen einzuhalten sind.

Dazu konnte die Politik bei kontroverser Diskussion bisher kein Einvernehmen herstellen. Heutige Windkraftanlagen sind industrielle Giganten mit 250 m Höhe, die hörbaren Lärm, nichthörbaren Infraschall und besonders Luftdruckpulse in freier Natur ohne Schutz einer Gebäudehülle abstrahlen. Der Rotor der WKA mit Flügeln (die etwa zweimal größer als die Flügel eines Jumbo-Jets sind und an den Rotorenden eine Geschwindigkeit von etwa 300 km/h haben, entsprechend der Landeanfluggeschwindigkeit eines Jets) erntet die Energie, indem er den Windstrom getaktet abbremst. So dass als „Abfallenergie“ bei diesem Prozess ein gepulstes Luftdruckfeld vorwiegend mit dem Wind fortgetragen wird, vergleichbar den Wirbelschleppen von Flugzeugen oder den Klopfgeräuschen von Hubschraubern.

In der Simulation von Rheologic (siehe (4) am Ende des Schreibens) können Sie sehr anschaulich sehen, wie der Rotor einer 2,3 MW-Anlage einzelne großflächige Luftdruckscheiben durch den getaktete Abbremsmechanismus aus dem Windstroms erzeugt. Fliegt eine Fledermaus durch dieses Luftdruckfeld, wird ihr die Lunge zerstört. Zum Entstehungsmechanismus dieser Luftdruckpulse gibt es in Fachkreisen Einvernehmen. Es geht somit nur um die Frage, wie hoch diese Luftdruckpulse sind und ob diese hoch genug sind, um die wechseldruck-empfindsamen Sensoren unseres Körpers anzuregen.

Davon haben wir etwa 500.000 im ganzen Körper verteilt zur Steuerung der Funktionen (vom Tastsinn bis zum Drucksensor in der Lunge). Diese Rezeptoren haben wenig mit dem Hörsinn gemeinsam: Sie detektieren Druckänderungen unabhängig davon wie stark andere Lärmquellen (wie z.B. ein starkes Windgeräusch) sind, denn sonst könnten wir uns in lärmerfüllter Umgebung nicht sicher bewegen. Beurteilungsmethoden der Lärmphysik (TA Lärm) und Vergleiche mit üblichen Lärmquellen (wie dies beispielsweise von LUBW und anderen Messinstituten im Zuge der Genehmigung geschieht) sind somit völlig ungeeignet zur Beurteilung von Höhe und Wirkung dieser Luftdruckänderungen.

Die Genehmigung weist hier eine gravierende Lücke auf, weil diese Luftdruckpulse im Zuge der Genehmigung von WKA weder korrekt gemessen noch bewertet werden. Die Planer von WKA schützen ihre eigenen Anlagen vor diesen Luftdruckpulsen durch eine Mindestabstandsregelung von 750 m zur nächsten Anlage in Windrichtung, damit u.a. die Flügel durch die Druckänderungen keine Ermüdungsbrüche erfahren. Genauso halten Piloten einen sicheren Abstand zum davor fliegenden Flugzeug ein. Zum Schutz des sicherlich viel sensibleren Menschen gibt es dagegen keine Abstands-Regelung.

Eine Vielzahl von Berichten von betroffenen Anliegern bestätigt dagegen die Wirkungen dieser Emissionen von WKA besonders in Form von Schlaflosigkeit, Innerer Unruhe und Konzentrationsmängel.

Wie Sie dem beigefügten Schreiben an EnBW entnehmen können, wurde anlässlich einer Anhörung in Aitrach die EnBW aufgefordert, deshalb zu folgender Frage die Antwort zu liefern:

Mit welchen Luftdruckpulshöhen (angegeben in Pascal) ist besonders bei maximaler Leistung der Anlagen (auch im Verbund eines Windparks) bevorzugt in Abstrahlrichtung mit dem Wind entfernungsabhängig zu rechnen?

Dem dort weiter geschilderten Vorgang können Sie entnehmen, dass die aufgeforderten Behörden (bis hin zu der dem BMWi unterstellten BGR) zu dieser einfachen Frage bisher keine Antwort gegeben haben. Obwohl BGR aufgrund der im Sommer 2021 durchgeführten mehrwöchigen Messkampagne an zwei Windparks und ihren permanenten Messungen am Teststandort IGADE
(mit 65 WKA im Umkreis von 7 km) dazu sicherlich eine Antwort geben kann, denn das primär erzeugte Signal der hochempfindlichen Druckmessdose besteht aus dem Druck-Zeitverlauf und wurde auch in früheren Messungen der BGR an kleinen Anlagen so publiziert.

Und nur das Druck-Zeitsignal dieser Luftdruckpulse ist dazu geeignet, die Wirkung auf den menschlichen Körper zu beurteilen. Denn die Sensoren unseres Körpers reagieren auf wechselnden Druck, wie jeder z.B. durch Tasten an seinem Körper selbst bei größtem Lärm überprüfen kann.

 

Sehr geehrte Damen und Herren Landräte und Bürgermeister unserer Region: Entgegen den politischen Führern im fernen Berlin oder Stuttgart stehen Sie in einer sehr nahen lokalen Verantwortung zu den künftigen Anliegern von WKA. In vielen Fällen werden Sie die unmittelbar Betroffenen im Nahfeld dieser Anlagen sogar persönlich kennen, welche sich mit Sorgen und Klagen wegen gesundheitlichen Problemen an Sie wenden werden. Zum Wohle dieser Menschen bitte ich Sie, sich für eine Klärung zur Höhe und Wirkung dieser Luftdruckpulse der WKA einzusetzen. Woraus schließlich eine vertretbare Mindestabstandsregelung zur Wohnbebauung resultieren wird, welche sicherlich deutlich mehr als 750 m sein wird, wie zum Schutz der WKA untereinander erforderlich.

Für Rückfragen stehe ich Ihnen gerne zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Wolfgang Hübner

Bad Wurzach

 

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