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Bad Wurzach-Ziegelbach - Bereits zum vierten Mal wurden am zweiten Weihnachtsfeiertag – und damit an jedem Sonntag im Dezember – von einem mobilen Impf-Team der OSK im Dorfstadel Ziegelbach die Nadeln angesetzt. Und immer ehrenamtlich als Organisatoren mit dabei Martina Reiss und Rolf Butscher.

Martina Reiss, im Alltag Schulsekretärin an der Realschule und „von Berufs wegen“ ein Organisationstalent, war bereits von Anfang an, seit den Seniorenimpfungen im Frühjahr, mit dabei. Also war es für sie auch selbstverständlich, da auch bestens mit den Abläufen vertraut, wieder mit zu machen.

Sie hatte auch die Idee, um den Leuten draußen vor dem Dorfstadel stundenlanges Warten in der Kälte zu ersparen – es werden bei den mobilen Impfteams keine Termine vergeben – an die Wartenden Nummern mit der ungefähren Impfzeit zu vergeben. Was wirklich sehr positiv aufgenommen wurde, denn am ersten Dezember-Sonntag hatten sich schon lange vor Öffnung um 9.00 Uhr rund 300 Impfwillige rund um den Dorfstadel versammelt. „Die Nummervergabe ist inzwischen bei fast allen mobilen Impfteams Usus. „Das haben die bei uns abgekupfert,“ lacht Martina Reiss.

„Auch heute waren es, als ich um kurz vor acht kam, bereits weit über 50 Leute die draußen gewartet haben,“ sagt Rolf Butscher, seines Zeichens Hausmeister am Schulzentrum und nebenher noch Chef der Freiwilligen Feuerwehr Bad Wurzach.

Auch er war von Anfang an dabei und kann daher einige Geschichten erzählen.
„Da könnte ich ein Buch schreiben, das wäre dicker als ihr Schreibblock,“ trägt auch er die Marotten mancher Zeitgenossen mit Humor. Da stimmt ihm Martina Reiss zu: „Da kam einer mit einem dicken SUV angefahren, wollte sich vordrängen und beschwerte sich, weil er an diesem Tag keinen Termin mehr bekommen sollte.“

Sie machte ihm freundlich aber bestimmt klar, dass es in den Impfzentren – etwa in Wangen – genügend freie Termine gab, indem sie ihr Smartphone zückte und ihn auf die freien Termine hinwies. Was die Anstehenden mit einem belustigten Lächeln quittierten. Auch Rolf Butscher hatte so manches Aha-Erlebnis: So traf er eine Bekannte nach 20 Jahren das erste Mal wieder, die ansonsten in der Nähe von München lebt.

Das Gros der Impfwilligen verhalte sich sehr diszipliniert und sei ausgesprochen freundlich. So wie auch die Mitglieder des Impfteams selbst, die Ärzte die den Bürokram erledigten und die Vorgespräche zu eventuellen Risiken bei den Impfungen führten, oder die Schwester, welche die Spritzen aufzog und nebenbei das Team mit warmen und kalten Getränken versorgte. „In der Spitze waren es 283 Impf-Dosen, die an einem Tag verarbeitet wurden. Einmal nur 160 weil es da Probleme mit dem Computernetzwerk gab,“ berichtet Reiss.

Auch Klaus Jäger, der sich an diesem 26. Dezember Boostern lassen wollte, bestätigt, dass, wer eine der 100 Nummern erhalten wollte, früh aufstehen musste: „Als ich um kurz vor acht da war habe ich die Nummer 34 erhalten.“  Nachdem die aktuellen Regelungen von der Politik dahingehend geändert wurden, dass bereits nach drei Monaten eine Zweit- bzw. Auffrischungsimpfung erforderlich ist, kamen an diesem Sonntag auch viele Jüngere , denen laut Vorschrift des Gesundheitsministers mit dem Biontech- Impfstoff zum aktuellen Impfstatus verholfen wurde. Ab 30 Jahren bekommen die Impfwilligen grundsätzlich das Vakzin von Moderna injiziert, es sei denn es sprechen medizinische Gründe dagegen.

Zwei ganz besondere „Patienten“ galt es an diesem morgen ebenfalls zu „verarzten“. Bürgermeisterin Alexandra Scherer hatte sich mit ihrem Gatten Erwin ebenfalls angesagt. Ursprünglich wollte sie Martina Reiss und Rolf Butscher für ihr ehrenamtliches Engagement danken, hatte sich dann aber entschlossen sich gleich noch „Boostern“ zu lassen.

Die Ärztin, welche die Spritze beim Stadtoberhaupt gesetzt hat, tat dies im Gespräch so nebenbei, dass Alexandra Scherer sie fragte, ob sie wirklich schon gepiekst worden sei. „Sie haben das so liebevoll gemacht,“ lobte sie diese, für die es ganz wichtig ist, dass die Leute schön entspannt sind.

Ab dem 02. Januar gibt es sogar zweimal in der Woche die Gelegenheit im Dorfstadel sich gegen das Virus impfen zu lassen. „Da in Wangen kein mobiles Impfteam mehr benötigt wird – die dortige Stadthalle dient als Impfzentrum – besteht nun im Dorfstadel sonntags von 9-15 Uhr und Dienstags von 12-18 Uhr zur Erst, Zweit- oder Booster-Impfung“ erläutert Martina Reiss. „Weiterhin ohne Terminvergabe vorab, aber dann mit Nummernvergabe vor Ort, weil wir das als niederschwelliges Angebot beibehalten möchten.“

Ein weiterer Vorteil der Impfung durch das mobile Impf-Team im Dorfstadel: Durch die Aushändigung des aktualisierten Impfzertifikates entfällt der Gang zur Apotheke.

 

Bericht und Bild Ulrich Gresser

 

 

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