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Bad Wurzach/Region - Während des absoluten Lock-Downs in den vergangenen Wochen, hatten die Gastronomen nur eine Möglichkeit, überhaupt Umsatz zu generieren; sie mussten ihr System auf Lieferdienste oder Außer-Haus-Verkauf umstellen. Während das Bad Wurzacher Eiscafe Aldo bereits über genügend Behältnisse dafür verfügte, musste sich Bernd Gut vom Gasthof Adler relativ kurzfristig mit der Thematik auseinandersetzen.

Nun mahnt die Deutsche Umwelthilfe (DUH) genau dieses Müllaufkommen an, denn bereits vor der Corona-Pandemie seien stündlich etwa 400.000 Menüschalen bundesweit verbraucht worden. Thomas Fischer, Fachbereichsleiter Kreislaufwirtschaft, führt auf Anfrage aus, dass es ein Ziel der Umwelthilfe sei, das zarte Pflänzchen Mehrweg in der Pandemie nicht aus den Augen zu verlieren. Während der ganzen Zeit seien die entsprechenden Hygienebestimmung in Kraft gewesen, Änderungen habe es, seinen Ausführungen nach, nicht gegeben. Diese Bestimmungen regeln genau den Umgang mit mitgebrachten Behältnissen der Verbraucher; oder einfacher ausgedrückt, den Umgang mit der berühmten Tupperschüssel, die sich als umweltschonend etabliert hat.

Während, nach Aussage von Fischer, ein kontaktloses Befüllen hygienisch unbedenklich und erlaubt sei, sieht Bernd Gut, Inhaber des Gasthofs Adler in Bad Wurzach, das Vorgehen ein wenig anders. „Wir Gastronome waren angehalten, keine mitgebrachten Behältnisse in den Hygienebereich des Restaurants zu übernehmen“, erklärte er auf Nachfrage. Für ihn war es schon schwierig genug, entsprechendes Einweggeschirr einzukaufen. „Natürlich haben wir auf eine ökologische Auslegung Wert gelegt“, berichtete er, „Aber auch da gab es in der Vergangenheit Lieferengpässe“. Im weiteren Gespräch bedauerte er, dass der Gastronomie in Bad Wurzach kein geeignetes Mehrwegsystem zur Verfügung stehe. Aldo und Monika Bucco haben indes, sehr vorausschauend, bei ihren Behältnissen bereits im Vorfeld, Wert auf Recyclingmaterial und biologische Abbaubarkeit geachtet.

Die Deutsche Umwelthilfe sieht die Städte und Kommunen in der Pflicht, Mehrwegsysteme aktiv zu fördern und finanziell zu unterstützen. Als Beispiel hierfür wird Tübingen angeführt, wo Geschirr und Gewerbespülmaschinen bis zu 75 % des Anschaffungswertes, finanziert werden. Eine weitere Möglichkeit sieht die DUH darin, dass von Bundesumweltministerin Svenja Schulze ein Pfand erhoben wird, bzw. der Mehrwertsteuersatz verändert werden solle. Ein Ansatz, der im derzeitigen Mehrwertsteuerchaos schlicht nicht umzusetzen ist.

Natürlich ist Verpackungsmüll ein Problem, das es gilt aktiv zu lösen. Aber in der derzeitigen Situation, in der sich die Gastronomie allgemein befindet, von ihr Maßnahmen einzufordern, ist überzogen. Bernd Gut wird seinen Außer-Haus-Verkauf weiterführen müssen, denn die Gäste, die sein Restaurant aufsuchen, reichen nicht aus. „Abstandsregelungen und Maskenpflicht verursachen auch in unserer Kurstadt eine große Verunsicherung und wir haben noch keine Lösung dafür, wie wir diese aus der Welt schaffen könnten“, lautete sein Resümee seit der Wiedereröffnung.

Zugegeben Umweltschutz ist stets eine vordergründige Thematik, die als Verantwortung für die nachfolgenden Generationen, umgesetzt werden muss. Das jedoch in einer Krise einzufordern, in der es schlichtweg um den Erhalt von Existenzen und Arbeitsplätzen geht, in einer Zeit, in der sich die Gastronomen alle Mühe geben, die Vorgaben zu erfüllen und dennoch wirtschaftlich auf keinen grünen Zweig zu kommen, das hätte nun nicht auch noch sein müssen. Um eine sinnvolle Zukunft anvisieren zu können, muss es erstmal eine fruchtbare Gegenwart geben, in der hart arbeitende Menschen, ein entsprechendes, betriebswirtschaftliches Ziel erreichen können, denn ohne das Hier und Heute sind wegweisende Zukunftsinvestitionen nur Schall und Rauch.

 

Bericht Christine Hofer-Runst

 

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