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Bad Wurzach - Man hört ihn wieder: den Kuckuck. Frisch zurückgekehrt aus seinem Winterquartier im tropischen Afrika ist er ein typischer Frühlingsbote. Seine Rufe gelten als „Glockenschläge der Natur, die die warme Jahreszeit einläuten“. Es ist leicht, ihn an seiner Stimme zu erkennen, denn das Männchen ruft in der Paarungszeit immer wieder seinen eigenen Namen.

Erhascht man einen Blick auf den Kuckuck, hält man ihn leicht für einen Sperber. So gut täuscht er das Aussehen und die Flugweise dieses Greifvogels vor. Im Laufe der Evolution hat er seinen Brutparasitismus perfekt entwickelt. Wenn das Weibchen sperbergleich über das Schilf fliegt, kommen die brütenden Singvögel förmlich herausgeschossen, um ihren Brutplatz zu verteidigen und geben dem Kuckuck damit ihren Neststandort preis. Um die zwölf Eier, manchmal sogar doppelt so viele, verteilt das Kuckucksweibchen dann in die Nester der Wirtsvögel, pro Nest jeweils eines. Ein wahrer Kraftakt, denn die Eier hat es in seinem Körper schon angebrütet. Die Kuckucksjungen schlüpfen deshalb meist schneller als die Stiefgeschwister und werfen deren Eier aus dem Nest. Anschließend übernehmen die Wirtseltern die kräftezehrende Aufzucht.

Jahrhundertelang war dieses Zusammenspiel von Kuckuck und Wirtsvögeln optimal aufeinander abgestimmt. Im Zuge der Klimaveränderungen könnte es jedoch ins Wanken geraten. Während einige Wirtsvögel zunehmend früher aus den Winterquartieren ins Ried zurückkehren, ist der Kuckuck als Langstreckenzieher weniger flexibel. Kommt er aus Afrika zurück und seine Wirtsarten sind schon zu weit im Brutgeschäft fortgeschritten, fällt sein Betrug auf und die Wirtseltern befördern die Kuckuckseier kurzerhand aus dem Nest. Der Kuckuck ist daher möglicherweise ein Verlierer der Klimaveränderungen.

Bei einem Spaziergang im Wurzacher Ried ist der Kuckuck aktuell vielerorts zu hören. Und wer beim Ruf des Kuckucks mit Münzen klimpert, der wird das ganze Jahr über genügend Geld haben. So sagt man zumindest – probieren Sie es doch einfach mal aus!

Das Naturschutzzentrum präsentiert unter der Rubrik „Moor-Momente“ ab sofort regelmäßig Spannendes und Unterhaltsames aus der vielfältigen Tier- und Pflanzenwelt des Wurzacher Rieds. Dabei werden Arten vorgestellt, die die Besucher aktuell im Ried antreffen können.

 

Pressemitteilung des Naturschutzzentrums Wurzacher Ried

 

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