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Bad Wurzach - 36 Jahre war Weisser Leiter des ersten Naturschutzzentrums in Baden- Württemberg, vor zwei Wochen hat er sich in den (Un)ruhestand verabschiedet. Nun wurde er mit einer großen Feier im Kursaal offiziell verabschiedet.

Es war kein Aprilscherz, als der junge Biologe Horst Weisser am 01. April 1985 „in einem leeren Raum unter dem Dach des Amtshauses“ das Naturschutzzentrum in Bad Wurzach zum Leben erwecken sollte.

36 Jahre später waren alle gekommen, um ihn in einen neuen Lebensabschnitt zu begleiten: Alte Weggefährten wie Franz Renner, die Landräte Kurt Widmaier und Nachfolger Harald Sievers, alle drei Bürgermeister der Stadt Bad Wurzach, mit denen er in den 36 Jahren im Stiftungsrat zusammengearbeitet hatte, aber auch Ministerial-Beamte, wie Karl-Heinz Lieber, dem Abteilungsleiter Naturschutz im Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft. Nicht fehlen durften die Kollegen der weiteren staatlichen Naturschutzzentren, die nach dem Vorbild des zarten Pflänzchens in Bad Wurzach nach und nach in Baden-Württemberg in dieser Zeit gegründet wurden. Und natürlich die etwa 13 Mitarbeiter, die gemeinsam mit seinem Nachfolger Dr. Siegfried Roth das Erbe „Naturschutzzentrum Wurzacher Ried“ erhalten und ausbauen werden.

Bürgermeisterin Alexandra Scherer übernahm, nach einem einleitenden Musikstück, gespielt von dem Saxophon-Duo der Jugendmusikschule Georg Stankalla und Tim Guhler, die Begrüßung der Gäste und als direkte Vorgesetzte die offizielle Verabschiedung von Horst Weisser.

„Als der Stiftungsrat vor zwei Jahren erstmals über die Nachfolge von Horst Weisser beriet, da schien dieser Termin noch sehr weit weg. Die Stellenausschreibung musste von langer Hand vorbereitet werden, und dennoch ist diese Zeit wie im Flug vergangen.“ An Horst Weisser direkt gewendet sagte sie: „Sie waren Antrieb und Motor, haben die Naturschutzarbeit vorangetrieben. Sie haben das Naz aus kleinen Anfängen zu einer herausragenden Einrichtung der Stadt gemacht.“ Sie betonte besonders seine Fähigkeit, bei allen Gegensätzen ein wechselseitiges Verständnis für die Bedeutung des Naturschutzes zu schaffen. Sie bewundere aber auch seinen zielorientierten Pragmatismus und die tiefe Verwurzelung mit der Stadt.

Im Namen des Stiftungsrates enthüllte sie die stylische Ruhebank, die Weisser den Eintritt in den Ruhestand versüßen soll. Als Geschenk der Stadt überreichte sie ihm einen Gutschein für 1 Jahr freien Eintritt in das neue Hallenbad. „Bleiben Sie gesund und auf Wiedersehen!“

Landrat Harald Sievers kam sich vor wie auf einem Familientreffen nicht wie bei Freunden und Weggefährten. Er sah es als Notwendigkeit an, das Lebenswerk von Horst Weisser vor großem Publikum zu rekapitulieren. „Bei den drei Trägern des Naturschutzzentrums – Stadt, Landkreis und Land Baden Württemberg – gab es viele Stiftungsräte, Bürgermeister, Abteilungsleiter aber die einzige Konstante war immer Horst Weisser.“

Er hob zwei markante Punkte in der 36jährigen Geschichte der Ära Weisser hervor: Die Auszeichnung mit dem Europadiplom, dem Signal dass es sich beim Wurzacher Ried um ein besonders wertvolles Moor handelt (an dessen Zertifizierungsprozesses er wesentlichen Anteil hatte) sowie das Förderprogramm des Bundes, über das ab den 1990er Jahren insgesamt 30 Mio. DM in das Schutzkonzept flossen. Wofür er die nicht ganz einfache Aufgabe hatte die Skepsis der Landwirtschaft zu überwinden. „Sie waren ein Brückenbauer, haben bei ihrem Werben andere mitgenommen.“ Aber der Landrat blickte auch in eine weitere gemeinsame Zukunft: „Wir brauchen sie als Berater für das im Koalitionsvertrag festgeschriebene Biosphärengebiet Oberschwaben und weiterhin als Naturschutzbeauftragten des Landkreises.“ Er hatte als Abschiedsgeschenk einen Korb mit Spezialitäten aus Oberschwaben sowie einen (mobilen) Bodenseeliegestuhl mitgebracht.

Für Karl-Heinz Lieber, Abteilungsleiter Naturschutz im Umweltministerium, war es außergewöhnlich, dass jemand 36 Jahre an einem Ort gearbeitet hatte. Vieles was in dieser Zeit geschehen sei, „hat sich nicht einfach so ergeben, sondern war von Horst Weisser gesteuert.“ Etwa als der Ministerpräsident zu Besuch da war und mit der Feuerwehrdrehleiter über die Wipfel der Bäume hochgefahren wurde. Nach der Rückkehr habe er gesagt: „Der Turm muaß scho was werden!“ Horst Weisser sei immer nahbar gewesen, überzeugend, aber ohne missionarischen Eifer, der immer den Kooperativen Ansatz mit der Landwirtschaft gesucht habe.

Auf diese bewährten Eigenschaften setze er auch beim Biosphärengebiet: „Wir brauchen Netzwerker wie Horst Weisser.“ Als Geschenk hatte er dem Neuruheständler eine Ballonfahrt über sein Reich mitgebracht.

 

Dr. Burkhard Schall, ein Weggefährte aus dem Regierungspräsidium, bekannte er kenne Weisser schon länger als sein eigenes Berufsleben andauere. Als 1991 das Naturschutzgroßprojekt startete sei er wöchentlich in Bad Wurzach gewesen. „Von Horst habe ich gelernt, wie man mit de Leit schwätzt.“ Bei vielen Projekten sei er „an der Front“ immer sein Ansprechpartner gewesen. „Auf seine Kompetenz vor Ort konnte ich immer gut vertrauen.“ Für den gebürtigen Älbler Weisser hatte er als Geschenk einen ganz besonderen Korb mit „Albgemachtem“ mitgebracht.

Im Namen der Kollegen der anderen Naturschutzzentren sagte Gerhard Kersting, Leiter des Zentrums in Eriskirch, der seinen Dienst erst acht Jahre später als Weisser angetreten hat, er wundere sich darüber wie lange Weisser es an einem Ort ausgehalten habe:„Aber so sind halt standorttreue Botaniker, “ witzelte er. Humorvoll ging er auch auf die oft wechselnden ministeriellen Zugehörigkeiten – mal zum Umwelt- mal zum Landwirtschaftsministerium ein. Da habe dann einer schon einmal gefragt „Und was macht ihr im Winter?“ Er stellte auch die Frage „Woran liegt es dass wir nicht wie bei Landräten oder Bürgermeistern alle acht Jahre ein Wechsel stattfindet?“ Wohl an der Naturbegeisterung.

Im Namen der Moorführerriege überreichte Thomas Hoppe ihrem neuen Kollegen Horst Weisser schon einmal prophylaktisch seinen Moorführerausweis, nebst einem großen Leinwandfoto eines Sonnenaufganges im Schilf.

Die Mitarbeiter des Naz verabschiedeten ihren ehemaligen Chef, für den es keine Kleiderordnung gab, mit einer kleinen Zitatensammlung aus dem langjährigen Fundus.

 

Horst Weisser eröffnete seine Dankesrede mit dem Hinweis, dass er sich gewundert habe, wie viele für die Feier zugesagt hatten, ehe er auf seine Anfänge zu sprechen kam: „Als ich am ersten April anfing, stand ich in einem leeren Raum mit einem Telefon.“ Der damalige Bürgermeister Helmuth Morczinietz habe dann gesagt: „Jetzt fahren wir erst einmal nach Biberach und kaufen einen Schreibtisch für Sie.“ Denn er sei schon damals im Zeitdruck gewesen: „Zum 01.06. sollte nämlich die Eröffnung einer repräsentativen Ausstellung mit Ministerbesuch sein. Aber wir haben es geschafft!“ Er habe inzwischen drei große Ausstellungen gestaltet, aber er wisse auch nicht ,„warum wir immer erst zwei Stunden vor der Eröffnung fertig geworden sind.“

Er sei dankbar für den Freiraum, der ihm gegeben wurde, den er auch nutzen konnte. Dabei habe er immer Unterstützung gehabt: „Viele sind mit mir mit gerudert, es ist immer ein gemeinsamer Erfolg gewesen.“

Er sei jetzt seit zwei Wochen Ruheständler, aber Ruhe sei bisher nicht bei ihm eingekehrt

Natürlich hatte er auch viele Anekddoten aus seiner langen Zeit parat: Etwa wie die Kartierungsarbeiten von einem Luftschiff bzw. Heißluftballon aus immer per Notlandung endeten, weil sie vom Wind abgetrieben wurden. Oder aber von den 300 Schlangen im Kindergarten, oder aktuell von einem Weißstorch, der vor der Haustüre spazieren geht, immer sei das Naturschutzzentrum erster Ansprechpartner: „Oiner muss sich darum kümmern.“

Es habe ihn überrascht, dass das Biosphärengebiet im Koalitionsvertrag auftauchte, nachdem vor 10 -12 Jahren das erste mal davon gesprochen wurde.

„Es wäre ein Gewinn, denn es ist kein ökologisches, sondern ein gesellschaftliches Projekt.“ Er hoffe jetzt mehr Zeit für die Familie zu haben, aber weil die Natur für ihn eine Herzensangelegenheit sei, rief er seinen Weggefährten, Freunden und Kollegen zu: „Lond it luck!“

 

Bericht und Bilder Uli Gresser

 

 

 

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