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Bad Wurzach (Leserbrief) - Wie man von "Spielsachen wie Puppen und Stofftiere sowie Protestplakaten" im ersten Textabschnitt des Artikels (soll dieser eigentlich eine Nachricht oder ein Kommentar sein?) auf "in KZ gefundene Schuhberge" im letzten Abschnitt kommen kann, ist - zurückhaltend formuliert - mehr als abenteuerlich.

 

Waren die "Schuhberge" auf der anderen Seite des Stadtbrunnens aufgehäuft und sind (bedingt durch einen ungünstig gewählten Aufnahmewinkel) im Bild nicht sichtbar? Ich erkenne zumindest keine - und auch sonst nichts, aber auch wirklich gar nichts, aus dem man irgendeinen Bezug zu den entsetzlichen KZ-Verbrechen auch nur im Entferntesten konstruieren könnte.

Diesen Artikel könnte man als anschauliches Beispiel für diejenige Geisteshaltung heranziehen, die Martin Walser 1998 in seiner Paulskirchenrede als „Instrumentalisierung unserer Schande zu gegenwärtigen Zwecken“ bezeichnete (Walser kritisierte damals die Geistesgrößen Günter Grass und Walter Jens hinsichtlich ihrer Äußerungen zur deutschen Wiedervereinigung).

Ist damit die Fantasie der Berichterstattung schon ausgereizt? Kommen keine anderen möglichen Gedanken in den Sinn? Vielleicht wollten einfach Eltern ihren Sorgen um das Wohl ihrer Kinder Ausdruck verleihen? Vielleicht sollten die (paar- und nicht bergeweise aufgestellten) Kinderschuhe zum Nachdenken anregen (im Sinne von: "Bilde dir erst ein Urteil über mich, wenn du ein Stück des Weges in meinen Schuhen gegangen bist")? Vielleicht sollten sie persönliche Meinungen symbolisieren, dass in der "Corona"-Politik das Kindeswohl teilweise mit Füßen getreten wird? Vielleicht stecken noch andere Aussagen dahinter (auf die ich jetzt auch nicht komme - aber dann haben sie mich wenigstens zum Nachdenken gebracht)? Haben sich die Berichterstatter mit den Inhalten der Aussagen überhaupt auseinandergesetzt und recherchiert, welche Problematiken damit angesprochen wurden?

Es bleibt natürlich jedem freigestellt, sich ausdrücklich keine solche Gedanken über die Intention einer solchen "Aktion" zu machen. Auch Redakteure dürfen es vorziehen, statt einer inhaltlichen Auseinandersetzung lieber die im Artikel gänzlich unbelegte Behauptung von der großen landesweiten Verschwörung dunkler Hintergrundmächte aufzustellen, nach welcher "die Organisatoren" in "Querdenker- und Verschwörungstheoretiker-Kreisen verortet" seien. Auf die Idee, dass sich Bürger (vielleicht angeregt durch einen in sozialen Medien geteilten Flyer) spontan auf lokaler Ebene entschließen, ihrer Kritik an bestimmten Regierungsmaßnahmen öffentlich Ausdruck zu verleihen und ihrem Recht auf freie Meinungsäußerung durch Wort, Schrift und Bild nachzukommen, ohne dass "Querdenker", Freimaurer, der Verband der unehelichen Kinder von Trump und Putin oder andere böse Vereinigungen dahinter stecken, muss man nicht kommen.

 

Was Redakteure und Journalisten im Rahmen objektiver und neutraler Berichterstattung aber nicht tun sollten: unbelegte Behauptungen als Tatsachen darzustellen. Formulierungen wie "...stieß nicht überall auf Verständnis...", "...zum Teil heftig kritisiert wurde..." oder "...erinnere an..." sind keine sachliche Information und dienen nicht einer freien und offenen Meinungsbildung, wenn sie ohne Quellenangabe und ohne Beschreibung des Kontextes, in dem sie getätigt wurden, stehen, und sind somit weder qualitativ noch quantitativ vom Leser zu beurteilen und einzuordnen. Müsste man diesen Stil der "Bericht"erstattung mit einer Parfum-Note umschreiben, wäre "Ein Hauch von Relotius" nicht die unpassendste. Wenn die Redakteure ihre legitime Haltung verdeutlichen wollen, ist die Kommentarspalte der geeignetere Ort. Mir kommt dieser "Bericht" eher wie Meinungs"mache" vor.

 

Peter Allgaier
Bad Wurzach

 

Zum Artikel der Schwäbischen Zeitung

Betreffende Passage aus dem Artikel in der Schwäbischen Zeitung

Kritik an der Aktion

Nicht überall stieß diese Aktion auf Verständnis. Die Organisatoren werden in Querdenker- und Verschwörungstheoretiker-Kreisen verortet. Zum Teil heftig kritisiert wurde vor allem die Symbolik. Diese erinnere an die Vernichtung Hunderttausender Kinder und Erwachsener in den Konzentrationslagern der NS-Zeit. Nach der Befreiung der KZ gingen Bilder von dort gefundenen Schuhbergen um die Welt.

 

 

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