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Baienfurt/Bad Wurzach – Seit Montag herrscht in Baden-Württembergs Schulen Maskenpflicht im Unterricht, ab Klasse 5, zudem müssen die Lehrkräfte ein Lüftungskonzept umsetzen, das vom Kultusministerium vorgegeben wurde. Die verantwortliche Ministerin, Dr. Susanne Eisenmann, war am Mittwochabend in Baienfurt vor Ort, jedoch nicht, um sich den Sorgen und Nöten der Schüler zu stellen, vielmehr weilte sie einem parallel stattfindenden, Wirtschaftsforum.

 

Etwa 500 Menschen, in der Hauptsache Eltern, Großeltern und eine Vielzahl an Kindern bereiteten Frau Dr. Eisenmann ein lautstarkes Willkommen. Doreen Schneider, Organisatorin von den „Querdenkern“ forderte in ihrer Ansprache die Kultusministerin auf, die Auswirkungen der Maske, in einem Fachgremium klären zu lassen. In einem Gremium, das, im Idealfall, aus Kinderärzten und Psychologen besteht und das eine faktische und objektive Gefahreneinschätzung abgibt. In der „Badischen-Neueste Nachrichten“ erschien dazu am 21.Oktober ein Artikel, in dem Ingeborg Krägeloh-Mann, Kinderärztin und Verbandspräsidentin sich äußerte: „Die Eltern brauchen da keinerlei Angst zu haben“.

 

Was die Kinder im täglichen Alltag erleben, klang deutlich anders; der Abend und das Mikrofon gehörten ihnen und so berichtete ein 11-jähriger Schüler einer 6. Klasse, dass die Lehrkräfte ständig den optimalen Sitz der Gesichtsbedeckung prüfen und wenn diese, im Laufe des Tages etwas verrutscht, werden sie offensichtlich sofort und mit deutlichem Nachdruck auf ihr „Vergehen“ hingewiesen.

Timion beschrieb die Maske als einen Fremdkörper im Gesicht, der irgendwann unangenehm auf der Haut juckt, durch den das Atmen und Sprechen schwerer fällt und der ihm, nach stundenlanger Nutzung, Kopf- und Bauchschmerzen verursacht. Alle Kinder, die sprachen, klagten über Kopfschmerzen am Ende eines Schultages.

Grundschullehrerin Gabi berichtete von einer, quasi druckfrischen Änderung, die sie an diesem Tag von Ministerialdirektor Michael Föll erhielt. In diesem Brief vom 21. Oktober stellte er klar: „Die Maskenpflicht gilt nicht bei der Nahrungsaufnahme (Essen und Trinken)“, eine weitere Ausnahme, die ab Donnerstag, den 22. Oktober gültig wird lautet: „Darüber hinaus sehen wir eine weitere Ausnahme für die Pausenzeiten vor. Solange die Personen sich außerhalb der Gebäude aufhalten und den Mindestabstand von 1,5 Metern einhalten, können sie die Maske abnehmen“.

Eine 16-jährige Schülerin ist, aus gesundheitlichen Gründen, von der Maske befreit, wird aber seit Montag stets von einem Lehrer im Schulhaus begleitet. Als sie nach der Ursache fragte, bekam sie zur Antwort: „Dein Arzt steht auf der schwarzen Liste und außerdem ist das Attest ungültig, denn da steht Maske drin und nicht Mund-Nasen-Bedeckung“. Ein Phänomen das scheinbar Schule macht, denn auch an Bad Wurzacher Schulen werden Befreiungs-Atteste mitunter nicht anerkannt.

 

Doreen Schneider verlas anschließend eine Empfehlung des Regierungspräsidiums Tübingen, die an alle Schulleiter erfolgte und die folgendermaßen lautet: „Wenn einem Schulleiter der attestierende Arzt fragwürdig erscheint, oder die Eltern des Schülers Coronagegner sind, besteht das Recht auf ein weiteres Attest. Dieses muss keine Diagnose enthalten. Sollte ein fragwürdiges Attest vorliegen, kann es der Ärztekammer zur Prüfung vorgelegt werden und solange Zweifel an der Glaubwürdigkeit bestehen, besteht für den Schüler Maskenpflicht im Unterricht“.

 

Klaus Amann, Schulleiter am Salvatorkolleg in Bad Wurzach, verwies auf Nachfrage, auf das 9-seitige Handout des Kultusministeriums. Die Umsetzung der darin festgelegten Regularien sei für ihn Pflichterfüllung und nur mit ärztlichem Attest könne die Maskenpflicht ausgesetzt werden. Der bekannte Kunstmaler und Vater einer Tochter, Manfred Scharpf, äußerte sich in seinem offenen Brief an die verantwortlichen Stellen wie folgt: „Ich möchte hiermit gegen die neuerlichen und verschärften Maßnahmen, besonders gegen einen maskierten Unterricht bei offenen Fenstern und Türen, in dieser Jahreszeit protestieren“. Schüler berichteten bei der Demo, dass ihnen empfohlen werde, Winterjacken, Schals, Mützen und Handschuhe zu tragen. Eine Schülerin brachte es auf den Punkt: „Mit Handschuhen kann man einfach nicht schreiben“.

 

Die Kinder machten sich Luft, sie erzählten einfach, wie es ihnen geht und wie sich fühlen. Einige weinten aus lauter Verzweiflung und Unverständnis über die derzeit herrschenden Maßnahmen. Auch eine anwesende Mama von zwei Grundschulkindern brach in Tränen aus; auf Nachfrage erklärte sie: „Ich kann meine Kinder einfach nicht vor diesem Irrsinn schützen. Dabei wären die Kinder derzeit schutzbedürftiger denn je“.

 

Manfred Scharpf erzielte mit seinem offenen Brief ein enormes Echo; er sehe an den Reaktionen, wie ernst die Lage sei und wie verzweifelt die Eltern der schulpflichtigen Kindern seien und bemüht ein Gedicht von Goethe, um den derzeitigen Zustand zu beschreiben.

„Wenn’s fieberhaft durchaus im Staate wütet,
und Übel sich in Übeln überbrütet,
Wo Missgestalt in Missgestalten schaltet,
das Ungesetz gesetzlich überwaltet,
Und eine Welt des Irrtums sich entfaltet,
Wie soll sich da der Sinn entwickeln
der einzig uns zum Rechten führt?“
(Goethe)

 

Bericht und Fotos: Christine Hofer-Runst

Quellennachweise: Die Zitate seitens des Kultusministeriums liegen in Schriftform vor.
Die Empfehlung des RP Tübingen wurde von Doreen Schneider verlesen
Die Stellungnahme von Ingeborg Krägeloh-Mann erschien am 21.10.20 in der
Badischen Zeitung

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