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Bad Wurzach (Leserbrief) - In der "Schwäbischen Zeitung" vom 4.9.2020 ist eine Agenturmeldung (AFP) abgedruckt, laut derer das RKI "sogenannte (sic!) falsch-positive Befunde bei den Corona-Tests für eine Ausnahme HÄLT(!)" und "von einer sehr geringen Zahl falsch-positiver Befunde AUSGEHT(!)", da die Spezifität der verwendeten Tests bei "NAHEZU(!) 100% liegt". (Wenn "nahezu 100%" "ungefähr 99%" bedeutet, sind wir übrigens exakt bei meiner Rechnung - siehe pdf ).

 

Daraus schließt der/die Verfasser/Verbreiter der Meldung, dass es die "große Ausnahme" sei, dass jemand trotz positivem Befund gesund sein könnte. Wer das glaubt oder meint, vergisst den entscheidenden Gedanken bzw. hört an der falschen Stelle mit dem Denken auf.

 

Deshalb noch einmal: es kommt bei der "falsch-positiv-Quote" auf den Anteil der Infizierten (= "Prävalenz") an. Bei sehr wenigen Infizierten - d. h. sehr vielen Gesunden - kommt dieser kleine Fehler sehr stark zum Tragen, weil eben 1% (falsch-positiv) von 9.990.000 Gesunden ca. 10mal mehr Personen sind, als 98% (richtig-positiv) von 10.000 Infizierten. Deshalb beträgt unter den aktuellen Gegebenheiten die Wahrscheinlichkeit, dass ein positiv Getesteter in Wirklichkeit gesund ist, über 90%.

 

Das wollte ich in meinem Leserbrief "Jens Spahn und die falsch-positiven Tests" verdeutlichen. Dabei ging ich von einer (nach aktueller Datenlage eher hoch gegriffenen) Prävalenz von 0,1% aus - das RKI schweigt sich in der erwähnten Agenturmeldung über diese Zahl komplett aus. Sie ist aber die entscheidende Größe bei der rechnerischen Abschätzung der 'falsch-positiv-Quote'. Mir ist auch bewusst, dass bei einem 2. und 3. Nachtest der "Positiven" die Quote der "falsch-Positiven" stark abnimmt, weil sich die Prävalenz in diesen Testgruppen stark erhöht (was die Anzahl der tatsächlich Infizierten allerdings nicht verändert). Trotzdem werden in der täglichen Statistik alle falsch-Positiven als "Infizierte" mitgezählt - und die mehrfach Getesteten werden mehrfach mitgezählt.

Obwohl u. a. auch der Bundesgesundheitsminister ( https://youtu.be/iN9QAvtV2hA ), der "Faktenfinder" der Tagesschau ( https://www.tagesschau.de/faktenfinder/corona-test-117.html ) und sehr, sehr viele weitere Menschen und Institutionen wissen, dass der in der Meldung verbreitete Gedankengang (der auf "Dafürhalten" basiert und ohne jede statistisch-mathematische Grundlage "davon ausgeht") in seiner Pauschalität und Oberflächlichkeit unseriös bzw. falsch ist, werden solche Meldungen offenbar ungeprüft und unreflektiert verbreitet - einen Verfasser, der für den Inhalt verantwortlich ist, finde ich nicht. Gerade bei einem Thema wie "Corona", welches unser Leben (gesundheitlich, juristisch, ökonomisch, sozial, bildungspolitisch,....) so einschneidend prägt, sollten solche Meldungen vor einer Veröffentlichung gründlich geprüft und wissenschaftlich (statistisch) fundiert erläutert werden.

 

Peter Allgaier
Bad Wurzach

 

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