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Bad Wurzach (Leserbrief) - Der bayerische Ministerpräsident verkündet via „twitter“, dass „Corona wieder voll da“ sei - und (nicht nur) er ist der Meinung, dass die „explodierenden Zahlen“ eine „2. Welle“ darstellen und wir "wieder am Beginn eines exponentiellen Wachstums" stehen. Dazu möchte ich ihm empfehlen, den Bildungsplan für Bayerische Schulen im Fach Mathematik genauer anzuschauen und sich mit dem Thema „Prozentrechnung“, welches meistens in der 7. Klasse behandelt wird, (noch?) einmal intensiver auseinanderzusetzen.

 

Dort lernt man u. A., was relative und was absolute Größen sind. Wenn z. B. in einer Tüte mit 200 Gummibärchen 40 gelbe sind, so stellt dies einen Anteil von 40/200 bzw. 20/100 oder 20% dar. „Teste“ ich nun 10 zufällig auf ihre Farbe, so werde ich durchschnittlich etwa 2 gelbe unter diesen 10 finden. Teste ich 1 Woche später dagegen 50 Bärchen, so werden etwa 10 gelbe darunter sein.

 

Wenn nun ein Siebtklässler daraufhin auf „twitter“ vermelden würde, dass sich die Zahl der gelben Gummibärchen im Wochenvergleich verfünffacht hat und ein exponentielles Wachstum der gelben Bärchen vorliegt, hätte er gute Chancen, die Note „mangelhaft“ zu erhalten, weil er den Sachverhalt grundsätzlich nicht verstanden hat.Der Anteil der gelben Bärchen an der Gesamtpopulation hat sich nämlich nicht verändert, lediglich die Stichprobe ist größer geworden.

 

Zu solch irrigen „Ergebnissen“ und „Erkenntnissen“ kommt man auch, wenn man die Zahlen des RKI nicht richtig liest bzw. wenn man nicht versteht, dass bei einer Steigerung der Testanzahl um 50% (z. B. von KW 31 auf KW 33) auch die Anzahl der positiven Testergebnisse um 50% steigen wird - ohne, dass es auch nur einen einzigen Infizierten mehr in der Bevölkerung gibt.

Dokument des RKI

 

Tatsächlich ging der Anteil der positiven Testergebnisse seit April von 5% auf 1% zurück - das bedeutet einen Rückgang um 80% (für Herrn Söder und andere Prozentrechenkünstler aus Politik und Medien: wenn ein Siebtklässler 5 € in der Tasche hat und nach dem Kauf von Gummibärchen noch 1 € übrig hat, so hat er 80% seines Geldes ausgegeben). Mit anderen Worten: im April musste man 1000 Personen testen, um 50 positive Befunde zu erhalten - mittlerweile muss man sage und schreibe 5000 Personen testen, um 50 „Positive“ zu finden - wie man diese Zahlen dahingehend interpretieren kann, dass irgendetwas (außer der Anzahl der Tests) auch nur ansatzweise „wachsen“, „zunehmen" oder "explodieren" soll, entzieht sich meinem Verständnis. Vielleicht beschreibt die PISA-Studie schlimmere Mängel, als ich bisher dachte.

Peter Allgaier
Bad Wurzach

 

P. S. Für Kl. 9 steht darüberhinaus (zumindest in Ba-Wü) noch das Thema „Bedingte Wahrscheinlichkeiten / Vierfeldertafel“ auf dem Mathe-Lehrplan. Damit kann man leicht nachvollziehen, dass unter den momentanen Voraussetzungen die „Positivquote“ von 1% noch 90% „Falsch-Positive“ enthält - es sind also tatsächlich nur 0,1% aller getesteten Personen „infiziert“ - 10mal weniger als die ominösen „bedrohlichen Zahlen“ suggerieren sollen, auf deren Basis einschneidende Maßnahmen beschlossen und durchgeführt werden.

Das ist auch unserem Bundesgesundheitsminister schon aufgefallen (z. B. hier nachzuschauen: Jens Spahn erklärt die Falsch-Positiven Sollte das mit der '90%-Falsch-Positiv-Quote' jemanden genauer interessieren, rechne ich es gern vor (auch gern in einem weiteren Leserbrief).

 

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