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Bad Wurzach - Die Städtepartnerschaft mit Popielów wird in diesem Jahr 20 Jahre alt. Zeit sich ein wenig an die Anfänge zu erinnern, da wegen der Pandemie keine Feierlichkeiten mit Besuchen und direkten Kontakt möglich sind. Mit dem damaligen Bad Wurzacher Bürgermeister Helmuth Morczinetz taten dies Ulrika Stützle (Vorsitzende des Partnerschaftsvereines) und Norbert Fesseler (Vorsitzender des Popielów-Kommitees).

Als am 05.06.1997 das Partnerschaftsgesuch der polnischen Gemeinde Popielów im Informationsblatt des Gemeindetages Baden-Württemberg erschien, zögerten Bürgermeister Morczinietz und sein Hauptamtsleiter Jürgen Schumacher nicht lange. „Das machen wir“, erinnert sich Helmuth Morczinietz, der sich auch nach 23 Jahren noch sehr gut daran erinnert. Mit dazu beigetragen haben dürfte die tragischen Geschehnisse beim ersten Besuch einer polnischen Delegation vom 27. bis 31. Oktober 1997, als Popielóws Bürgermeister Dionisy Duszynski, die Vorsitzende des Gemeinderates Monika Stolz und der stellvertretende Bürgermeister Alfons Synowski in Bad Wurzach weilten. Als Synowski, der als Übersetzer fungierte, plötzlich verstummt sei, habe er sofort gewusst, dass ihm etwas Schreckliches zugestoßen sein musste, erinnert sich Morczinietz. Auch eine sofortige Einlieferung ins Krankenhaus und eine spätere Überführung nach Oppeln konnte sein Leben nicht mehr retten. Am 27.11.1997 nahmen Morczinietz und sein Hauptamtsleiter Jürgen Schumacher an der Beerdigung von Synowski in Popielów teil.

Zwei Monate später, im Januar 1998, besuchte eine erste Delegation aus Bad Wurzach, Helmuth Morczinietz, Jürgen Schumacher, TSG Vorstand Erich Lacher und der Haidgauer Feuerwehrmann Ernst Reck, Popielów. Der Gemeinderat in Popielów gab eine Absichtserklärung zur Partnerschaft ab, die Besucher wurden durch die ähnlich wie Bad Wurzach strukturierte Gemeinde mit ihren vielen kleineren Teilgemeinden geführt. Damals war die Gemeinde sehr stark vom Oderhochwasser betroffen, „eine starke Belastung für die Menschen dort“. Morczinietz nennt die Zeit bis zur Unterzeichnung des Partnerschaftsvertrages am 23.09.2000 anlässlich des Erntedankfestes in Stare Siolkowice, „unsere Verlobungszeit.“ Im Laufe des Jahres 1998 fanden mehrere Besuche und Gegenbesuche von Vereinen wie etwa der TSG Turner und der Feuerwehr Haidgau statt. Im Juli besuchte eine weitere offizielle Delegation aus Popielów Bad Wurzach, der Gemeinderat gab in deren Anwesenheit eine Absichtserklärung zu einer Partnerschaft ab. Ähnlich verlief auch das Jahr 1999, als sogar der Bischof von Oppeln, Alfons Nossol, gemeinsam mit Bürgermeister Duszynski und Sybilla Stelmach zum Heiligblutfest in Bad Wurzach weilten. Morczinietz und der damalige Stadtbaumeister Thum weilten im Gegenzug in Popielów, da die Gemeinde damals noch kein Abwassersystem hatte.

Bürgermeister a.D. Helmuth Morczinietz erzählt auch etwas zu den Beweggründen, warum die polnische Stadt eine deutsche Partnerstadt gesucht hat: „Rund 60 Prozent der Bevölkerung spricht deutsch.“ Ein weiterer Bezugspunkt sei dort der katholische Glauben, über den viele Feste wie das berühmte Erntedankfest gefeiert werden. Er ist aber auch überzeugt, dass es ein glücklicher Zufall war, der die beiden Gemeinden zusammengeführt hat. „Es hat sich für beide Seiten bezahlt gemacht.“ Nach der Unterzeichnung der Partnerschaftsurkunden am 03.10.2000 auch in Bad Wurzach erwuchs in den folgenden Jahren ein reger Austausch von Vereinen, aber auch von Schulen etwa der Werkrealschule mit dem Gymnasium Stare Siolkowice. Ein weiteres Highlight sei auch die Überführung des alten, in Bad Wurzach ausgemusterten Tanklöschfahrzeuges nach Kaniow, einem der vielen Ortsteile von Popielów anlässlich des Erntedankfestes 2001 gewesen, berichtet Norbert Fesseler, der von vielen netten Begegnungen mit den polnischen Feuerwehrkollegen berichten kann. Besonders die Rolle der Abteilung Haidgau hebt der langjährige Stadtkommandant in diesem Zusammenhang hervor. Ein weiterer, von beiden Seiten gefeierter Höhepunkt war der EU-Beitritt Polens 2004.

Ulrika Stützle freut sich, dass in den ganzen Jahren die Partnerschaft von vielen Vereinen getragen wurde, egal ob Feuerwehr, Kirchenchor, Wanderverein, Skiclub, Musikverein. Ihr großer Wunsch ist es, dass auch weiterhin „viele junge Menschen die Partnerschaft tragen.“ Keinen Einfluss auf die Partnerschaft hat die Staatspolitik Polens, sagt sie. Dass sich dort der Wind in den letzten Jahren gedreht hat, spiele für die Partnerschaft keine Rolle: „Gemeinderat, Rathaus und die Vereine stehen dahinter.“ Was alle, die einmal die Partnerstadt besucht haben bestätigen können: „Die Gastfreundschaft ist dort überwältigend.“ Positiv habe sich auch die Straßensituation entwickelt, es sei inzwischen durch die gut ausgebaute, allerdings auch viel befahrene Autobahn bedeutend komfortabler, die 888 km von Bad Wurzach nach Popielów zu bewältigen. Stützle und Fesseler bedauern zwar, dass die geplante Feier im Juni und der Gegenbesuch zum Erntedankfest abgesagt werden mussten, aber: „Wir bleiben auf jeden Fall in Kontakt.“

 

Bericht: Ulrich Gresser

 

Historische Archivaufnahmen der Städtepartnerschaft Bad Wurzach - Popielów: (Bilder vergrößern - Klick ins Bild)

 

 

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